Was soll aus dem Kurhaus werden?

Bad Homburg (hw). Am Freitag, 5. September, fanden sich circa 25 Bürger und Vertreter der Bürgerliste Bad Homburg (BLB) im Kurhaus ein, um über die Zukunft des Gebäudes zu sprechen. Die sehr lebhafte Diskussion dauerte fast zwei Stunden. Zunächst begrüßte der BLB-Fraktionsvorsitzende Armin Johnert die Anwendenden und erklärt den Status Quo. Demnach ist noch lange nicht entschieden, ob das jetzige Kurhaus abgerissen und neu gebaut wird, um dort die Spielbank einziehen zu lassen. Beschlossen habe das Stadtparlament einen umfangreichen Prüfantrag, der zwar Letzteres zum Ziel vorgäbe, aber mit zahlreichen weiteren Prüfungen. „Erst, wenn all das geprüft sei, würde die Stadtverordnetenversammlung endgültig entscheiden.“

Johnert kritisierte erneut, dass es nicht zum jetzigen Zeitpunkt schon eine Bürgerbefragung zu dem Thema gibt, wie es die BLB beantragt hatte. „Entscheidend ist doch, ob eine Mehrheit der Bürger den von OB Hetjes und seiner CDU/SPD gewünschten Neubau inklusive Spielbank-Umzug für richtig oder falsch halte.“ Da auch FDP und Grüne den Prüfantrag mit Ziel Neubau zustimmten, bekomme die baldige Kommunalwahl am 15. März kommenden Jahres ein ganz neues Gewicht: „Nur eine hohe Zustimmung für die BLB könne das ‚Wahnsinns-Projekt‘ Kurhaus Neubau noch stoppen“, so Johnert weiter.

Die langjährige BLB-Vorsitzende und ehemalige Kulturdezernentin Beate Fleige und Johnert erläuterten kurz, warum die BLB gegen den Umzug der Spielbank ist: Zum einen hält sie die vorgesehene Finanzierung über 50 Jahre durch zusätzliche Spielbank-Erlöse für mehr als fragwürdig. Andere Veranstaltungsteilnehmer kritisierten dies als sogar unmoralisch. Man müsse mit Zins und Tilgung sicher mit 450 000 000 Euro Kosten für dieses Projekt rechnen. Es stehe zu befürchten, dass am Ende hohe Belastungen auf die Homburger zukämen, die man jetzt einfach ausblende.

Weiterhin, so die BLB-Vertreter solle die Spielbank an ihrem historischen Platz im Kurpark bleiben. „Die Automaten-Zocker wären“, so Beate Fleige, „mitnichten eine Bereicherung für die Innenstadt. Die wollen doch nur zocken und würden keinen weiteren Euro in der City ausgeben.“

In der nun lebhaften Diskussion wurde von vielen Bürgern der rücksichtslose Umgang mit den Finanzen kritisiert und es wird von vielen befürchtet, dass Abriss und Neubau die Innenstadt zerstören könnten. Auch die bislang völlig unklaren Auswirkungen auf den Verkehr in der Innenstadt, besonders noch viel mehr Autoverkehr, wurden kritisch erwähnt. Es wurde vorgeschlagen, dass bei der zukünftigen Ausrichtung des Kurhauses auch „unbedingt die Jugend berücksichtigt werden müsse“. Es wurde gefragt, ob denn Bad Homburg überhaupt ein Kurhaus brauche. Fleige und Johnert begründeten, dass das für die Stadt immens wichtig sei: „Aber wir brauchen ein modernisiertes zu Bad Homburg passendes Kongresszentrum und keine Spielbank. Letzteres habe man ja. Den wichtigen Bereich Kongresse haben die Verantwortlichen aber in den letzten Jahren immer mehr heruntergewirtschaftet“, so Johnert.

Weitere Teilnehmer kritisierten das Glücksspiel als generell unmoralisch und warten davor, die Zukunft der Stadt für 50 zusätzliche Spielautomaten aufs Spiel zu setzen.

Die Veranstaltung endete mit einem flammenden Appell an die BLB, sich „diesem Wahnsinn mit allen Mitteln entgegenzustellen und die noch schlafende Mehrheit der Bürger gegen dieses Vorhaben zu wecken“. Die BLB-Politiker versprachen, nichts unversucht zu lassen. „Wir denken auch über einen Bürgerentscheid nach.“



X