Neuer Glanz im historischen Gebäude

Bad Homburg (fch). Das Gotische Haus erstrahlt in neuem Glanz. Am Sonntag wird das beliebte Museum im Stadtteil Dornholzhausen wieder von 15 bis 18 Uhr für die Besucher geöffnet. Die erste Ausstellung „Transformation“ zeigt Skulpturen von Rainer Hunold. Der Schauspieler hat sich ganz der Bildhauerei verschrieben.

„Transformation“ zeigt nicht nur die künstlerische Entwicklung Rainer Hunolds, sondern ist zugleich eine Metapher für den Wandel des Hauses selbst“, sagt die Fachbereichsleiterin Kultur und Bildung Bettina Gentzcke. „So ein Gotisches Haus in englischer Form wie hier gibt es auf dem Festland nicht mehr. Alle anderen haben eine deutsche Backsteingotik“, hebt Museumsleiterin Dr. Ursula Grzecha-Mohr hervor. Gerettet habe das Kleinod der Kunsthistoriker und Präsident des Landesamtes für Denkmalpflege Hessen Professor Dr. Gottfried Kiesow (1931-2011). Er hat die erste Sanierung des Hauses begleitet.

Gemeinsam mit Oberbürgermeister Dr. Alexander Hetjes, dem städtischen Fachbereichsleiter Hochbau Enzo Spadano, Ortsvorsteherin Simone Loewen, dem Vorsitzenden des Freundeskreises Gotisches Professor Thomas Beilner und ihrer Stellvertreterin Jill Hingott stellte Museumsleiterin Dr. Ursula Grzecha-Mohr das Ergebnis der umfangreichen Bau- und Renovierungsarbeiten vor. „Von den Bürgern wurde das Gotische Haus schmerzlich vermisst“, betonte Ortsvorsteherin Simone Loewen. Getreu des Sprichwortes „Gut Ding will Weile haben“ mussten sich Bürger wie auch die Verantwortlichen in der Stadt in Sachen Zeitplan, Baufortschritt und reibungslose Abläufe in Geduld üben wie der Oberbürgermeister einräumte.

Begonnen hatte die Sanierung nach einer Machbarkeitsstudie 2014 und einem europaweiten Planungsverfahren 2019. Der Bauantrag wurde Ende 2020 gestellt. Die Entkernung des Hauses startete Anfang 2021 und die eigentlichen Bauarbeiten 2022. Die Kosten für die Sanierung und Neugestaltung von Fassade und Innenräumen des historischen Gebäudes aus dem Jahr 1823 belaufen sich auf 11,5 Millionen Euro. Dafür bekommen die Bürger ein Innen wie Außen grundlegend erneuertes und für die Zukunft gesichertes Museum. „Mit der Wiedereröffnung des Gotischen Hauses kehrt ein kulturelles Herzstück der Stadt zurück. Wir haben hier nicht nur ein historisches Bauwerk bewahrt, sondern zugleich einen modernen Museumsort geschaffen, der Kunst und Geschichte in besonderer Weise verbindet“, sagt der Oberbürgermeister.

Zu den wichtigsten Maßnahmen gehörten die Wiederherstellung der historischen Fassade, die aufwendige Sanierung der Außenseiten, der Zinnen und des Daches und die Verlegung des Eingangs von der Westseite auf die historisch korrekte Südseite. Zudem wurde nach der kompletten Innenentkernung die Raumsituation an die ursprüngliche Raumsituation angepasst. Zudem wurde für den Brandschutz eine zweite Treppe eingebaut. Das ebenfalls auf die Südseite verlegte Museumscafé erhält eine Außenfläche zwischen den Skulpturen. Die Sanitäranlagen wurden saniert. Auf der Westseite des Hauses befindet sich unter anderem die Garderobe. Im Gartensaal auf der Ostseite wurden neue Fenster im gotischen Stil eingebaut und der Boden mit Fliesen belegt. Die Akustik wurde verbessert und der Gartensaal kann mit einem Akustikvorhang komplett verdunkelt werden. Zudem wurde er mit neuer Medientechnik für Vorträge und Konzerte ausgestattet.

Großen Wert wurde im gesamten Haus auf die Erfüllung der klima- und sicherheitstechnischen Standards gelegt, informierte Fachbereichsleiter Hochbau Enzo Spadano. Damit die Mindeststandards für Temperatur (18 bis 23 Grad C) und Luftfeuchtigkeit (30 bis 55 Prozent rF) für die Sammlung erfüllt werden, wurden die Sonderausstellungsräume und Depots voll klimatisiert und alle übrigen Bereiche werden be- und entlüftet. Dazu wurden in allen Räumen abgehängte Klimadecken mit Heiz- und Kühlsystemen eingebaut. Diese werden über Geothermie mit 14 Erdsonden mit je 150 Metern Tiefe versorgt. Dachflächen wurden nachgedämmt und begrünt. Erneuert wurden alle haustechnischen Anlagen von Brand- und Einbruchschutz über Kameraüberwachung bis zur Gebäudeautomation. Für die energetische Sanierung wurden Bundes- und BAFA-Mittel in Höhe von 580.000 Euro bewilligt. Zum nachhaltigen Museums- und Ausstellungskonzept gehört die Wiederverwendung vorhandener Ausstellungselemente, maßvoller Umgang mit Wänden, Farben und Beschilderungen, der Einsatz neuester Beleuchtungstechnik und eine flexible Kombination von Dauer- und Sonderausstellungen.

„Wir freuen uns, den Besuchern ein weitgehend offenes Haus zeigen zu können, dass die Dimensionen der Architektur unmittelbar erfahrbar macht. Schrittweise werden wir unsere Sammlung wieder sichtbar machen und mit neuen Ausstellungen wechselnde Impulse setzen“, kündigt die Museumsleiterin an.

Der Eingang ins Gotische Haus befindet sich nach der Sanierung wieder auf der Südseite. Über die gelungene Sanierung freuen sich Fachbereichsleiter Hochbau Enzo Spadano, Museumsleiterin Dr. Ursula Grzecha-Mohr, die stellvertretende Leiterin Jill Hingott, Oberbürgermeister Dr. Alexander Hetjes, Professor Thomas Beilner, Vorsitzender des Freundeskreises Gotisches Haus, Bettina Gentzcke, Fachbereichsleiterin Kultur und Bildung, und Ortsvorsteherin Simone Loewen.Foto: fch

Die Museumsleiterin Dr. Ursula Grzecha-Mohr gewährt einen kleinen Blick in eines der Depots des Gotischen Hauses.Foto: fch

Das Museum Gotisches Haus erstrahlt in neuem Glanz. Besucher können sich auf die kommende Ausstellung mit Kunstwerken von Rainer Hunold freuen.Foto: fch

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