Bad Homburg. Sie arbeiten meist im Stillen. Menschen, ohne deren Zutun vieles nicht laufen würde, die aber meistens kein Aufheben darüber, geschweige denn um ihre Person machen. Menschen, die viel Engagement und Herz zeigen und unsere Gesellschaft ein ganzes Stück besser machen. Vier von ihnen wurden jetzt für ihre kontinuierliche ehrenamtliche Arbeit von Oberbürgermeister Alexander Hetjes mit dem Ehrenbrief des Landes Hessen ausgezeichnet.
Es war ein kalter, aber sonniger Donnerstagmorgen, und der Gartensaal im frisch sanierten Gotischen Haus war lichtdurchflutet, als Oberbürgermeister Alexander Hetjes im Anzug und mit Amtskette zügig zum Rednerpult trat. „Wir ehren heute vier Menschen, die das ganze Jahr über einen erheblichen Teil ihrer Zeit an die Gemeinschaft verschenken. Und das in Zeiten, in denen das ‚Ich‘ leider immer größer geschrieben wird als das ‚Wir‘“, so der Rathauschef. Die vier Ehrengäste Sandra Menger, Hans-Jürgen Gielau, Manfred Fritzel und Rolf Kohlrausch dagegen seien leuchtende Beispiele dafür, wie es auch anders sein könne.
Sandra Menger, die einzige Frau in der Runde, engagiert sich seit Jahren in der katholischen Gemeinde St. Elisabeth in Ober-Eschbach. „Schon als kleines Mädchen hat mich meine Mutter immer mit in die Gemeinde genommen, hat mir Engagement quasi vorgelebt“, erzählt die Verwaltungsfachangestellte. Nach der Kommunion wird Sandra Menger Messdienerin und wächst über die Jahre immer weiter in verschiedene Aufgaben hinein, die sich hier gar nicht alle aufzählen lassen – das hat die Bad Homburgerin mit ihren drei weiteren Mitstreitern gemeinsam. Die Ober-Eschbacherin singt seit 2012 im Kirchenchor von St. Elisabeth, leitet das dortige Kirchencafé und ist seit 2015 im Pfarrgemeinderat und seit 2020 Mitglied im Verwaltungsrat tätig. „Ich unterstütze einfach gern Menschen, freue mich über eine schöne Begegnung, ein kleines Lob oder ein nettes Gespräch. Daraus ziehe ich Energie für meine Arbeit“, sagt sie bescheiden.
Hans-Jürgen Gielau ist seit über 30 Jahren in der Modellfluggruppe Kaichen/Niddatal aktiv, davon 16 Jahre als ehrenamtliches Vorstandsmitglied und als Schriftführer. Besonders die Jugendarbeit liegt dem Bad Homburger am Herzen. „Unter seiner Anleitung haben viele Kinder und Jugendliche Spaß am Modellbau und am Sport gefunden“, so Hetjes in seiner Laudatio. „Aber er hat sich auch als Netzwerker einen Namen gemacht.“ Auch im Angelsportverein ist Hans-Jürgen Gielau aktiv und kümmert sich auch hier um die Jugendförderung. Für seinen großen Einsatz erhielt er 2023 den Ehrenbrief der Stadt Niddatal durch Bürgermeister Michael Hahn. „Ich möchte mich bei allen bedanken, die mich in dieser Zeit unterstützt haben, vor allem aber bei meiner Frau und meiner Tochter“, erklärte Gielau nach der Überreichung von Urkunde und Ehrennadel gerührt. Auch Manfred Fritzel betonte in seiner kurzen Ansprache: „Jeder, der ein Ehrenamt bekleidet, weiß, dass das nur geht, wenn die Familie mitspielt. Deshalb möchte ich mich hier bei meiner Frau und den Kindern bedanken.“ Manfred Fritzel, so lobte Oberbürgermeister Hetjes, habe ein breit gefächertes Spektrum an ehrenamtlichem Engagement. Er ist Schöffe und seit 2004 Ortsgerichtsvorsteher und sei in dieser Funktion praktisch 24/7 für seine Mitmenschen als Ansprechpartner erreichbar. Darüber hinaus hob Hetjes seine Verlässlichkeit und seine zupackende Art hervor. Seit über 50 Jahren ist der Landwirt Mitglied im Hessischen Bauernverband. Auch bei der Feuerwehr engagiert er sich, ist dort Mitglied seit 1969 und zählt seit 1975 zum Vorstandsteam. Darüber hinaus ist er seit seiner Kindheit Mitglied beim TSG Ober-Erlenbach.
Der Pianist und Musiklehrer Rolf Kohlrausch dürfte nicht nur Musikliebhabern aus der Region bekannt sein. Für sein vielfältiges Engagement hinter den Kulissen des Kulturbetriebs nicht nur in Bad Homburg, sondern im gesamten Hochtaunuskreis wurde ihm nun der Ehrenbrief des Landes Hessen zuteil. „Seit 1981 engagieren sie sich im Kulturkreis Taunus Rhein Main. Da war ich gerade mal zwei Jahre alt“, staunt OB Hetjes nicht schlecht. „Ihnen gelingt es, mit bescheidenen Mitteln Großartiges auf die Beine zu stellen. Sie bringen Kunst zu den Menschen und das mit vollem Einsatz.“ Seit 1981 ist er Mitglied im Kulturkreis Taunus-Rhein-Main davon ab 2016 als stellvertretender Vorsitzender. Den Kulturkreis Oberursel unterstützt er seit 2017 als Leiter von Pro Musica. Im Mai 2013 übernahm er das Amt des Künstlerischen Leiters und des Schriftführers beim Förderverein haus der Begegnung und seit Januar 2019 ist er Präsident der Chopin-Gesellschaft. Er ist Träger der Ehrennadel der Stadt Bad Homburg und erhielt 2022 den Bürgerpreis der Taunus Sparkasse. Auch Rolf Kohlrausch nutzte die Gelegenheit, ein paar Worte an die Gäste zu richten. „Wir üben Ehrenämter aus, weil es uns Freude macht, etwas für die Gemeinschaft zu tun. Bei mir ist es die klassische Musik. So habe ich mich immer mehr engagiert, und inzwischen hat sich mein Rentner-Dasein zu einem Fulltime-Job entwickelt“, berichtete Kohlrausch mit einem Augenzwinkern.
Zu hoffen bleibt, dass diese vier positiven Lebensentwürfe andere Menschen dazu inspirieren, es ihnen gleichzutun.
Oberbürgermeister Alexander Hetjes hat Hans-Jürgen Gielau, Sandra Menger, Manfred Fritzel und Rolf Kohlrausch den Ehrenbrief des Landes Hessen im Gotischen Haus überreicht.Foto: csc
Mit der Überreichung der Urkunde erhalten die Ausgezeichneten auch eine Ehrennadel in Form eines Kreuzes.Foto: csc

