Spatenstich für den Lückenschluss

Von Jürgen Streicher

Bad Homburg. „In 2 Minuten zum Ziel“. Es steht als Motto über dem Projekt Verlängerung der U-Bahn-Linie U2 vom bisherigen Endhaltepunkt Gonzenheim bis zum Bahnhof Bad Homburg, das jetzt Fahrt aufnimmt. Mit dem symbolischen Akt des ersten Spatenstiches hat am Dienstag die Umsetzung des zentralen Infrastrukturprojekts begonnen. Die zwei Minuten von Gonzenheim bis zum Bahnhof auf Schienen sollen die Kurstadt-Welt verändern, OB Alexander Hetjes spricht von einem „Historischen Moment“.

Wo heute die Fahrt mit der U2 vom Frankfurter Norden nach Bad Homburg in Gonzenheim endet, soll irgendwann im Jahr 2029 die letzte Etappe vom Vorort ins Zentrum der Stadt beginnen. Mit einer kurzen Tunnelfahrt nach dem Einstieg an der neuen unterirdischen Haltestelle, dann sind es noch zwei Minuten in der neuen ÖPNV-Welt bis zur neuen Endstation der U2 im Bahnhof Bad Homburg mit vielfältigen Umsteigemöglichkeiten. In die S5 etwa Richtung Oberursel und Frankfurt, in die Taunusbahn oder in Züge auf der ebenfalls geplanten Regionaltangente West direkt zum Frankfurter Flughafen. Aus bisher acht Minuten zum Bahnhof werden zwei Minuten ohne umsteigen, „entspannt, schnell und staufrei“, so die Werbung nach über 20 Jahren Planungszeit. Einen Vorgeschmack auf das pure ÖPNV-Lustgefühl bot eine virtuelle Bahnfahrt auf der neuen Strecke.

Aus Sandkastenspielen wird Wirklichkeit. Dieses Bild tauchte bei vielen Gästen auf, die beim Start auf die Zielgerade dabei waren. Die Stadtbahngesellschaft Bad Homburg, die das Projekt verantwortet, hat sich wirklich alle Mühe gegeben, dem üblichen Spatenstich ein bisschen mehr festlichen Glanz zu geben. Die aufgebaute Sandburg auf dem P&R Parkplatz Gonzenheim am Eschbacher Weg war aller Ehren wert. Hinter so einer prächtigen vergänglichen Kulisse aus Sand sind die Herren und die eine Dame vom Bau wohl noch nie zum symbolischen Akt angetreten, mit glänzendem Werkzeug, auf jedem Spaten das historische Datum verewigt. Eine Inszenierung für die Ewigkeit vor großem Publikum und ein paar Dutzend Fotografen mit der versammelten politischen Stadtgesellschaft und den Hauptakteuren der beteiligten Projektpartner. Danach gab es um 12 Uhr mittags vegane, vegetarische und Bacon-Burger vom Food-Truck für alle.

Der entscheidende Punkt beim Vorspiel war die Bürgerabstimmung darüber, ob man den viele Millionen Euro teuren U- Bahn-Bau auf gerade mal 1,6 Kilometer Länge überhaupt angehen soll. Damals votierten rund 70 Prozent der Homburger dafür, die geringste Pro-Quote bei der geringsten Wahlbeteiligung wurde im Ortsteil Gonzenheim erreicht, das vergessen die Protagonisten von einst nicht zu erwähnen, die, wie etwa Ex-OB Reinhard Wolters, der frühere Stadtplanungschef Hölz und Gonzenheims Ortsvorsteher Alexander Rastädter, natürlich dabei waren. Beim ersten Showdown für den „Meilenstein“ in der Infrastrukturplanung der Stadt, so OB Hetjes bei der Begrüßung im Festzelt. Die Anbindung der Kurstadt an die Metropole Frankfurt und die gesamte Region werde „signifikant gesteigert“, dies sei ein „Signal für Investoren“, ja, es seien „1600 Meter für die Zukunft“. Über die Kosten dieses Schrittes in die Zukunft wurde bei der kleinen Festveranstaltung von keinem der vier Redner:innen gesprochen, im verteilten Flyer werden sie nicht erwähnt.

Die Verlängerung der U2 zum Bahnhof sei ein „konkreter Schritt in die richtige Richtung“, sagte Frankfurts Stadtrat für Mobilität, Wolfgang Siefert. Durch sie würden Menschen und wirtschaftliche Chancen verbunden, „wir ziehen alle an einem Strang“. Dabei gibt es viel zu tun, bevor die erste U-Bahn in den 355 Meter langen Tunnel an der Station Gonzenheim einfahren kann. Und danach auf einer eigenen Trasse entlang der bestehenden Gleise für die S5 Richtung Bahnhof rollen kann. In der Bauzeit müssen die ÖPNV-Nutzer der U2 den Schienenersatzverkehr zwischen den U-Bahn-Haltestellen Nieder-Eschbach, Ober-Eschbach und Gonzenheim nutzen, da wird es einige Kröten zu schlucken geben.

Die Zeitplanung ab jetzt nennt fünf „Meilensteine“. Auf die Einrichtung der Baustelle in Gonzenheim folgt die Anpassung der Gleisanlagen in Ober-Eschbach in 2026. In diesem Jahr soll auch die Station Gonzenheim zurückgebaut werden. Ein Entwässerungskanal muss komplett verlegt werden, pro Stunde rauscht da die Menge von 12 000 gefüllten Badewannen durch, erklärt Julia Antoni, Geschäftsführerin des Wasserbeschaffungsverbandes Taunus, den verblüfften Gästen.

Im Jahr 2027 steht die Arbeit an den Tunnel- und Trogbauwerken entlang der Frankfurter Straße auf dem Programm, auch der Haltepunkt Gonzenheim soll dann unter die Erde verlegt werden. Über dem Hessenring entsteht für die U2 eine neue Brücke.

Ab 2028 geht es auf die Zielgerade. Ab Mitte des Jahres wird die Verkehrsanlage für die Schiene eingerichtet. Auch die Abnahme der Gleise und der erste Probebetrieb sind vorgesehen.

Zu einem noch nicht definierten Zeitpunkt in 2029 sollen die ersten Fahrgäste mit der U2 bis zum Bahnhof Bad Homburg durchfahren können.

Die wahrscheinlich schönste Sandburg der Stadt dient als Kulisse für den Spatenstich zur Verlängerung der U-Bahn-Linie U2 vom bisherigen Endhaltepunkt Gonzenheim bis zum Bahnhof Bad Homburg.Foto: js

Die gravierten Schaufeln für den Spatenstich liegen schon bereit.Foto: js

Julia Antoni macht sich bereit für die Spatenstich-Zeremonie.Foto: js

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