Kirdorfer Stadtteilfest 2026: Gemeinschaft, Gemütlichkeit und ein kniffliges Heimatquiz

Bad Homburg (eh) – Für zwei Tage wurde der Bornplacken zum großen Kirdorfer Wohnzimmer – mit einem Dach gegen den Sonne und Regen und offenen Türen für alle. Das Kirdorfer Stadtteilfest am vergangenen Samstag und Sonntag, 15. und 16. August, zeigte wieder einmal, was diesen Stadtteil ausmacht: viel Tradition, noch mehr ehrenamtliches Engagement und ganz viel Gemütlichkeit.

„O’zapft is!“ auf dem Bornplacken

Den offiziellen Auftakt setzte am Samstagabend der traditionelle Fassanstich. Der neue Kirdorfer Ortsvorsteher Dietmar Schäfer war von Vereinsringvorsitzendem Dr. Joachim-Dietrich Reinking kurzerhand „in die Pflicht“ genommen worden – und meisterte seine Premiere gekonnt. Mit sicheren Schlägen zapfte Schäfer ein 30-Liter-Fass Augustiner Bier an. Kurz darauf wurde das Freibier an die Besucher verteilt, die den gelungenen Start mit sichtlicher Freude feierten. Feucht wurde es an diesem Abend allerdings nicht nur in den Gläsern. Der vielerorts langersehnte Regen machte auch vor Kirdorf nicht Halt. Der kleine Schauer zum Auftakt tat dem Stadtteilfest tat keinen Abbruch. Unter den großen Pavillons fanden sich genügend gemütliche Plätze für ein Bier, einen Apfelwein und ausgiebige Gespräche.

Gemeinschaftsleistung der Vereine

Dass sich der Bornplacken für ein Wochenende in einen lebendigen Treffpunkt verwandeln konnte, war erneut der Gemeinschaftsleistung von sechs traditionsreichen Kirdorfer Vereinen zu verdanken: der Kolpingsfamilie Bad Homburg-Kirdorf/St. Johannes, dem Wanderclub Kirdorf 1922, der SGK Bad Homburg 1890, dem Carnevalverein Heiterkeit 1919, dem Karnevalverein Club Humor 1904 und der Interessengemeinschaft Kirdorfer Feld, kurz IKF. Hinter den Kulissen wurde aufgebaut, geschleppt, gebraten, gezapft, dekoriert und später wieder aufgeräumt. Viele dieser Arbeiten bleiben für die Besucher beinahe unsichtbar – und sind doch das stabile Gerüst, auf dem das gesamte Stadtteilfest ruht.

Auch kulinarisch trugen alle ihren Teil zum großen Kirdorfer Tisch bei. Bei der Kolpingsfamilie standen Weiß-, Rot- und Roséweine, Sekt und Bowle bereit; dazu gab es Brezeln in verschiedenen Variationen und die beliebten Fischbrötchen. Die Fußballer der SGK sorgten für frisch gezapftes Bier, alkoholfreies Bier und eine große Auswahl an Kaltgetränken. Der Carnevalverein Heiterkeit stillte den kleinen und großen Hunger mit Herzhaftem vom Grill und aus der Fritteuse: Pommes, Steaks, Rinds- und Bratwürste, Currywurst, Hamburger und auch vegane Burger ließen kaum Wünsche offen. Am Sonntag ergänzte der Wanderclub Kirdorf das Angebot mit einer reichen Auswahl selbst gebackener Kuchen und Torten.

Kirdorfer Gold und Apfeltröpfchen

Ein besonderes Aroma brachte die IKF mit auf den Bornplacken. Ihre Apfelspezialitäten erzählen unmittelbar von den Streuobstwiesen vor der Haustür und von den vielen Stunden, die die Vereinsmitglieder in Baumpflege, Ernte und Verarbeitung investieren. Neben Apfelsaft und dem als „Kirdorfer Gold“ geschätzten Apfelwein wurde diesmal auch ein feiner Apfel-Schaumwein ausgeschenkt, der nach traditioneller Methode der Sektherstellung gekeltert worden war. Dazu kamen weitere Apfeltröpfchen sowie Gelees und Fruchtaufstriche aus heimischem Obst. Ein kleines, charmantes Detail fiel besonders ins Auge: Winzige Äpfelchen dienten als originelle Abdeckung für Sekt- und Weingläser. Mehr Kirdorf in einem einzigen Bild ging kaum.

Fanfaren beim Frühschoppen

Am Sonntag öffneten die Stände wieder um 11 Uhr, und der Bornplacken füllte sich rasch mit Leben. Zum Frühschoppen gehörte auch diesmal das beliebte Großkart-Turnier, das von Regina Wagner organisiert wurde. Während an den Spieltischen konzentriert Karten gelegt wurden, wartete wenige Schritte weiter bereits die nächste feste Größe des Programms: der Fanfarenzug des Club Humor. Unter der musikalischen Leitung von Ingunn Wolz reichte das Repertoire von Marschmusik über Schlager bis zu modernen Melodien.

40 Fragen für echte Kirdorf-Kenner

Für besonders viel Gesprächsstoff sorgte das Preisrätsel des Kirdorfer Heimatmuseums. Stefan Ohmeis hatte unter dem Motto „In Kirdorf kenne ich mich aus“ 40 Fragen zusammengestellt – einige davon so anspruchsvoll, dass selbst alteingesessene Kirdorfer ins Grübeln kamen. Allein oder gemeinsam durfte geraten, recherchiert und nachgeschlagen werden. So verwandelten sich die Tische zeitweise in kleine Forschungsgemeinschaften, in denen Erinnerungen ausgetauscht, Jahreszahlen diskutiert und Antworten noch einmal kritisch überprüft wurden.

Gefragt wurde etwa, wann der Ort unter der historischen Bezeichnung „Kirchdorf“ erstmals erwähnt wurde – im Jahr 892 nach Christus –, wann die Kirdorfer Vereine gegründet wurden oder wer zu den ersten Vorsitzenden des Vereinsrings gehörte. Dabei tauchten bekannte Namen auf: Ewald Fajkus, Josef Ernst und Hans Leimeister. Auch der bereits 1837 gegründete Liederkranz spielte eine Rolle. Eine weitere Besonderheit führte mitten hinein in die örtliche Baugeschichte: Die Kirdorfer Kirche besitzt nicht die sonst häufige Ost-West-Ausrichtung, sondern wurde aus Platzgründen in Nord-Süd-Richtung errichtet. Bei der Preisverleihung am Sonntagabend wurden die besten Kirdorf-Kenner schließlich mit attraktiven Sachpreisen belohnt, darunter Eintrittskarten für die Prunksitzungen der Karnevalsvereine, Medaillen des Kirdorfer Heimatmuseums und leckerer Apfelsekt der IKF.

Als das Stadtteilfest am Sonntag gegen 19 Uhr ausklang, blieb deshalb mehr als die Erinnerung an Freibier, Fanfaren, Apfel-Schaumwein und knifflige Quizfragen. Geblieben war vor allem das Gefühl, in Kirdorf dazuzugehören.

Ein ebenso hübscher wie typisch Kirdorfer Blickfang: Kleine Äpfelchen krönen die Sekt- und Weingläser.

Gemeinsam für Kirdorf: Die sechs traditionsreichen Kirdorfer Vereine stemmen das Stadtteilfest mit großem ehrenamtlichen Einsatz und Vereinsgemeinschaft.

Wer kennt sich in Kirdorf am besten aus? Beim Preisrätsel des Heimatmuseums mussten 40 knifflige Fragen beantwortet werden, die Stefan Ohmeis (re.) zusammengestellt hatte.

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