Main-Taunus (kez/ju) – Wer derzeit mit Bus und Bahn im Rhein-Main-Gebiet unterwegs ist, braucht mitunter nicht nur ein Ticket, sondern auch Geduld und eine gehörige Portion Improvisationstalent. Baustellen, Sperrungen und Ersatzverkehre sorgen auf verschiedenen Linien gleichzeitig für Einschränkungen. Besonders ärgerlich wird es, wenn mehrere Verkehrsmittel miteinander verknüpft sind und eine Störung auf einer Strecke die gesamte Reisekette durcheinanderbringt.
Genau hier setzt die aktuelle Kritik von PRO BAHN Frankfurt/Rhein-Main an. Der Fahrgastverband fordert eine verkehrsmittel- und unternehmensübergreifende Fahrgastinformation, die Reisende nicht mit einzelnen Baustellenmeldungen alleinlässt.
„Rhein-Main funktioniert für die Fahrgäste als ein gemeinsames Verkehrsnetz. Dann brauchen wir bei Baustellen auch eine gemeinsame Fahrgastinformation“, sagt Barbara Grassel, Vorsitzende des PRO BAHN Regionalverbands Frankfurt/Rhein-Main.
Denn für die Fahrgäste spielt es letztlich keine Rolle, welches Verkehrsunternehmen für welchen Abschnitt verantwortlich ist. Entscheidend ist eine viel einfachere Frage: Wie komme ich trotz der Einschränkungen zuverlässig von A nach B?
Wenn ein verpasster Anschluss plötzlich eine Stunde kostet
Das Problem lässt sich leicht an einem typischen Reiseverlauf verdeutlichen: Der Regionalzug kommt wegen einer Baustelle verspätet in Frankfurt an. Der Anschluss ist bereits abgefahren. Die eigentlich geplante U-Bahn fährt wegen einer weiteren Sperrung ebenfalls nicht wie gewohnt, und der Ersatzbus hält möglicherweise auch noch an einer anderen Stelle.
Aus mehreren kleinen Einschränkungen wird so schnell eine erhebliche Verzögerung. Wer die notwendigen Informationen erst unterwegs zusammensuchen muss, kann am Ende eine Stunde oder noch länger verlieren.
„Das Problem beginnt nicht erst dann, wenn eine Information komplett fehlt“, erklärt Manuel Flauaus, stellvertretender Vorsitzender des PRO BAHN Regionalverbands Frankfurt/Rhein-Main. Entscheidend sei vielmehr, dass Fahrgäste die Auswirkungen mehrerer Baustellen auf ihre konkrete Reise erkennen können.
Information muss besser werden
Dass gebaut und modernisiert werden muss, stellt PRO BAHN ausdrücklich nicht infrage. Die aktuelle Situation in Frankfurt macht jedoch deutlich, wie wichtig eine übergreifende Information ist. Derzeit treffen unter anderem Einschränkungen bei U-Bahn und Straßenbahn mit weiteren baubedingten Änderungen im Regional- und S-Bahn-Verkehr zusammen.
Für den einzelnen Fahrgast verschmelzen diese Maßnahmen zu einer einzigen Frage: Wie komme ich heute zuverlässig an mein Ziel?
PRO BAHN fordert deshalb, bei größeren Sperrungen auf einen Blick darzustellen, welche Regionalbahn-, S-Bahn-, U-Bahn-, Straßenbahn- und Buslinien betroffen sind, welche alternative Verbindung für die gesamte Reise empfohlen wird, wo Ersatzbusse tatsächlich abfahren, wie viel zusätzliche Reisezeit realistisch einzuplanen ist, welche Anschlüsse voraussichtlich erreicht werden können und ob die vorgeschlagene Alternative barrierefrei nutzbar ist.
Damit würde sich die Information stärker an der tatsächlichen Reise der Menschen orientieren – und weniger an den Zuständigkeiten einzelner Verkehrsunternehmen.
Nicht nur sagen, was ausfällt – sondern wie es weitergeht
Eine gute Baustellenmeldung sollte deshalb nicht bei der Information „Zug fällt aus“ oder „Linie fährt nur eingeschränkt“ enden. Sie muss die nächste entscheidende Frage beantworten: Wie geht die Reise weiter?
„Eine gute Fahrgastinformation muss deshalb nicht nur sagen, dass etwas nicht fährt“, betont Grassel. Sie müsse den Menschen eine tatsächlich nutzbare Alternative anbieten – verständlich, vollständig und über die Grenzen einzelner Unternehmen hinweg.
Das gilt gerade für ein dicht vernetztes Verkehrsgebiet wie Frankfurt und den Main-Taunus-Kreis. Wer beispielsweise mit der RB12 nach Frankfurt kommt und anschließend auf ein anderes Verkehrsmittel angewiesen ist, sollte nicht mehrere Apps, Webseiten und Aushänge miteinander vergleichen müssen, um seine Weiterfahrt zu organisieren.
Der Fahrgast denkt nicht in Zuständigkeiten
PRO BAHN fordert deshalb RMV, DB, VGF und die weiteren Verkehrsunternehmen der Region auf, ihre Informationen bei größeren Baumaßnahmen stärker zusammenzuführen.
Denn der Fahrgast denkt nicht in Zuständigkeiten. Er denkt in Wegen: Wo steige ich ein? Wo muss ich umsteigen? Bekomme ich meinen Anschluss? Wo fährt der Ersatzbus? Und wann bin ich am Ende tatsächlich am Ziel?
Gerade angesichts der immer wieder unbefriedigenden Situation bei der RB12 wäre eine solche Perspektive dringend wünschenswert. Baustellen und Störungen lassen sich nicht immer vermeiden. Vermeidbar ist aber, dass Fahrgäste erst am Bahnsteig erfahren, dass ihre gesamte Reisekette nicht mehr funktioniert.
Für PRO BAHN ist die Sache deshalb klar: Eine Baustelleninformation ist erst dann wirklich gut, wenn sie nicht nur erklärt, was ausfällt, sondern vor allem, wie die Fahrgäste trotzdem zuverlässig ans Ziel kommen.
