Bad Soden (aks) – Das prächtige Badehaus könnte auch gut in den Südstaaten stehen, neben den eindrucksvollen Villen des 18. Jahrhunderts, die aktuell als großformatige Impressionen beeindruckender Architektur und malerischer Landschaften in den Ausstellungsräumen prangen, neben historischen und künstlerischen Exponaten. Herzlich „connected“ sind die beiden Städte Franklin in Tennessee, das 1799 gegründet wurde und dem Namen Benjamin Franklins alle Ehre macht, und Bad Soden seit zehn Jahren. Seit 2014 findet ein reger Austausch über den großen Teich statt und zahlreiche Freundschaften sind so entstanden. Die Ausstellung auf Initiative des IKUS im Rahmen des World Design Capital Frankfurt Rhein Main wird gefördert vom Kulturfonds Frankfurt RheinMain. Mit Unterstützung der Stadt Bad Soden schlägt sie eine Brücke und macht die enge Verbindung erlebbar.
Dass Benjamin Franklin (1706-1790) einer der Gründerväter der Vereinigten Staaten, Verfasser und Unterzeichner der Unabhängigkeitserklärung außerdem nicht nur den Blitzableiter erfunden hat, sondern auch eine deutsche Zeitung in deutscher Sprache vertrieben hat, darüber klärte Pam Lewis, die auch bei der Gründung der Städtepartnerschaft 2016 mit dabei war, am Sonntagnachmittag auf. „My latest boyfriend – smart and quiet“, damit zeigt Lewis grinsend auf eine kleine Replik der Statue „Ben on the bench“, die lebensgroß mitten in Franklin steht. „He wanted to be free!“ Für Lewis war Franklin als Komponist auch der erste “Rockstar” der Region. Als Co-Autorin von Robbie Grayson, der ebenfalls anwesend war, hat sie ihm ein Buch gewidmet.
Ganz real: Video killed the radio star
Markus Hertle, die hr-Moderatorenlegende, sitzt an ihrer Seite, „proud to present one jewel of the music business“ und interviewt sie in fließendem Englisch, das er selbst ein wenig „rusty“ findet, zum Musik-Business, in dem Lewis so viele Jahre tätig war. Immer wieder schwelgen die beiden in Erinnerungen an legendäre Konzerte und Künstler und summen berühmte Songs und Jingles wie „Video killed the radio star“ oder die saloppe Verherrlichung dieses Business durch Dire Straits: „I want my MTV, money for nothing and chicks for free“… die meisten der anwesenden Gäste kennen diese Musik aus ihrer Jugend und stimmen begeistert in den Singsang ein. Direkt nach ihrem Studio war Pam Lewis ab 1980 Teil des Publicity-Marketing-Teams, das MTV (Music Television mit zeitversetzten Musik-Videos) in die Welt brachte (konkret in 179 Länder!). Pam Lewis erinnert sich an die legendären “Big partys“ des MTV, dem Sender, der Duran Duran, Bon Jovi, Madonna und Michael Jackson zu Superstars machte. Danach ging es mit RCA Records von New York City nach Nashville, wo sie Stars wie Dolly Parton, Kenny Rogers, The Judds, and Alabama betreute. Nashville ist als Music-City weltberühmt, geadelt von Queen Victoria, die sich 1873 für die „Negro Spirituals“ aus Nashville begeisterte. Markus Hertle, der selbst als Gitarrist in mehreren Bands spielt, schwärmt von der „best guitar factory in the world“: von Gibson in Nashville. Er ist selbst stolzer Besitzer dieser Gitarren.
Seit einiger Zeit lebt Pam Lewis, die auch im Vorstand von Sister Cities ist, für eine weitere Leidenschaft: “ Historic preservation” – eine amerikanische Variante der Erinnerungskultur, die sich für den Erhalt und die Pflege historischer Gebäude und Orte einsetzt.
Kunst in Zeiten der Demokratie
Im Anschluss sprach der Kurator der Ausstellung, Michael Hein, mit der argentinischen Künstlerin Rosario Aróstegui, die mit Victor Alaluf die Ausstellung zum Thema „Democracy values“ gestaltete - auch mit Blick auf die World Design Capital. Die Künstlerin schöpft dank ihrer vielfältigen Lebenswege, die sie von Buenos Aires nach New York City und Tel Aviv führten, wo sie ihre Kunst ausstellen konnte, aus dem Vollen und zeigt, was ihr persönlich am Herzen liegt. „I like nature“. Der viele Müll weltweit beunruhige sie zutiefst. Das brachte sie auf die Idee, die Schönheit der recycelten Wegwerf-Materialien ins rechte Licht zu setzen. Das treibt sie seit 20 Jahren um und im Berliner Künstler Victor Alaluf fand sie einen kongenialen Partner. Seine Kunst, die Installationen mit Zeichnungen, Skulpturen und Video-Kunst kombiniert, machte in der Symbiose mit Arósteguis Werk großen Eindruck. „We all leave footprints - das wollten wir zeigen“. Knochen, zerbrochenes Glas, einen Kompass, eine Uhr und immer wieder Bücher, die auf Guttenbergs Buchdruck in Mainz zurückgehen, mit vielen gefalteten Buchseiten in unterschiedlichen Formen. Wer genau hinschaute, entdeckte die einzelnen Fragmente und wie sie sich verbinden im Erdgeschoss: „Tensions can become connections“ Und noch ein Versprechen gab die Künstlerin den zahlreichen Besuchern mit auf den Weg: „Die Installation wird zwar wieder abgebaut und aufgelöst, doch nichts davon wird weggeworfen!“

