Kräuterfrau Regine Ebert:Begeistert von der Vielfalt der Natur

Regine Ebert hat Taubnessel, Brennnessel und Nelkenwurz im Süßen Gründchen gefunden.Foto: Stadt Bad Soden

Bad Soden (bs) – An diesem Herbsttag spricht die Natur alle Sinne an: Der Himmel leuchtet blau, die Sonne lässt das Laub in satten Gelb- und Rottönen leuchten, es riecht erdig und die Singvögel sind fast so munter wie im Frühling. Kräuterfachfrau Regine Ebert ist mit ihrem Mischlingsrüden Sammy im Süßen Gründchen am Sauerborn unterwegs. Nicht schwer zu erraten, wonach sie hier sucht: Kräuter!

Und sie muss gar nicht lange suchen, bis sie fündig wird. Sie hat den Blick dafür, im Nu hat sie zwei Hände voll: Taubnessel, Brennnessel und Nelkenwurz. „Unglaublich, welche Kraft die Natur selbst in dieser späten Jahreszeit noch hat“, staunt sie immer wieder über ihre Entdeckungen in Wald und Flur.

Regine Ebert muss selbst kurz rechnen, seit wie vielen Jahren sie schon in Bad Soden am Taunus mit geführten Kräuterspaziergängen unterwegs ist. Im Jahr 2010 hat sie das erste Mal auf Wunsch der städtischen Abteilung Kultur und Veranstaltungen einen Kräuterspaziergang angeboten. Die Resonanz war von Anfang an enorm. Oft war sie regelrecht umzingelt von so vielen Teilnehmern, die sehen und hören wollten, warum der Giersch sicherlich kein „Unkraut“ und warum es keine gute Idee ist, direkt am Wegesrand zu sammeln – wegen der vielen Gassi-Hunde nämlich.

Aha-Erlebnis

Vor 15 Jahren war Regine Ebert in Bad Soden damit auch eine Trendsetterin. „Die Neugier war und ist vorhanden, die eigene Umwelt bewusster wahrzunehmen, einheimische Wildkräuter, Heilpflanzen und ihre vielfältige Nutzbarkeit kennenzulernen“, erklärt sie. Seitdem haben auch etliche andere Kommunen im Main-Taunus-Kreis und im ganzen Rhein-Main-Gebiet Kräuterführungen im Programm.

Gerne erinnert sich die 61-Jährige an ihr Aha-Erlebnis, das ihr die Augen für die Bedeutung und Vielseitigkeit der Heilpflanzen öffnete. Nach einem Fahrradsturz war die Haut auf ihrem Knie ziemlich zerschunden. Zum Glück entdeckte sie ganz in der Nähe ein Büschel Spitzwegerich, den sie auf ihre Wunde rieb. Das schnelle Abheilen der Haut war verblüffend!

Kurse und Seminare

Die Beschäftigung mit den Kräutern hat Regine Ebert zu ihrem Fulltime-Job gemacht. Die studierte Germanistin, in Bad Hersfeld geboren, war zuvor stellvertretende Leiterin einer Lokalredaktion bei einer großen Tageszeitung.

Das Organisationstalent konnte sie auch weiterhin gut gebrauchen. Sie gründete eine Kräuterschule im Hochtaunuskreis, in der Interessierte verschiedene Kurse und Seminare besuchen können, zum Beispiel die Grundausbildung „Wildkräuter und Heilpflanzen“ oder – gerade passend zu Herbst und Winter – Einführungen in das Räuchern.

Ihre Expertise wird geschätzt, sie ist gern gesehener Gast bei Radio-Sendungen, war im vergangenen Jahr in der HR-Fernsehserie „Waldleuchten“ zu sehen und publiziert Kräutertexte – und das erfolgreich. Ihr Buch „Beinwell – Knochenheiler aus der Pflanzenwelt“ belegte im Jahr 2022 den zweiten Platz in der Kategorie „Deutscher Gartenbuchpreis – Bestes Garten- und Pflanzenportrait“.

Führungen 2026

Ihre ruhige verbindliche Art, ihr profundes Wissen, ihre Ausbildung unter anderem zur Phytologin – also Pflanzenkundlerin – sowie ihre Qualifizierung zur Park- und Gartenführerin machen sie zu einer gern anfragten Kräuterführerin. Auch im Jahr 2026 wird sie von März bis Oktober wieder abwechselnd mit ihrer Kollegin Sibylle Hasler Kräuterführungen für die Stadt Bad Soden anbieten. Die Termine stehen auf der städtischen Homepage www.bad-soden.de unter „Freizeit/Führungen“.

Zurück ins Neuenhainer Süße Gründchen. „Für mich das schönste Biotop der Stadt“, erzählt Regine Ebert, „die Vielfalt hier begeistert mich jedes Mal.“ Wo es feucht ist, sprießt Mädesüß; ein gutes Stück weiter ist der Boden trockener, dort gedeihen Kerbel und Löwenzahn. „Mir geht es nicht nur ums Sammeln der Kräuter“, sagt die Pflanzenexpertin, genauso wichtig seien für sie Verständnis und der sorgsame Umgang mit der Natur. „Und das zu vermitteln, ist pure Freude.“

Neugierig geworden? Weitere Informationen zum Thema „Wildkräuter“ gibt’s auf ihrer Homepage www.regine-ebert.de.



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