Unser Mund sei voll Lachens …

Foto: Schaller

Chor und Orchester der GDM brachten drei Weihnachtskantaten von Johann Sebastian Bach zum Erklingen

Bad Soden (es) – „Jauchzet, Frohlocket…“ damit beginnt das alljährlich aufgeführte Weihnachtsoratorium von Johann Sebastian Bach und nimmt einen hinein in die Weihnachtsfreude.

So mancher Besucher des Konzerts am Sonntagnachmittag im H+S Hotel hatte dieses Werk vielleicht erwartet. Aber es folgten drei erste Weihnachtskantaten J. S. Bachs aus seiner frühen Zeit als Thomaskantor in Leipzig, die den Titel trugen: „Selig ist der Mann“ BWV 57, „Süßer Trost, mein Jesus kömmt“ BWV 151 und „Unser Mund sei voll Lachens“ BWV 110.

Gibt man bei Wikipedia J. S. Bach, ERSTES Weihnachtsoratorium ein, so erfährt man nichts über dieses Weihnachtswerk des Leipziger Kantors. Umso mehr ist es eine Besonderheit, dass der junge dynamische künstlerische Leiter und Dirigent Alexander Ebert sich mit seinem Chor und Orchester für diese außergewöhnliche Aufführung entschied. Wer anderes erwartet hatte, wurde nicht enttäuscht.

Mit großem Hintergrundwissen moderierte Ebert das Konzert und erschloss den Zuhörenden die drei Kantaten. Wie bereits im Programm zu lesen war, „bilden diese Kantaten keine zusammenhängende Erzählung, sondern sie sind drei durchaus unterschiedliche Werke. Wir führen sie allerdings nicht in der Folge der Festtage, für die sie bestimmt sind, auf, sondern in der Dramaturgie, die weg von der Schwere der Lebensrealitäten hin zu Weihnachten als großem Erlösungsfest führt“ (Zitat A. Ebert). Zuerst die Schilderung über das Leiden in der Welt, gefolgt vom Trost und der Hoffnung auf Christus, hin zum Lachen über die Geburt des Erlösers.

So war der 2. Weihnachtstag in der damaligen Zeit dem Gedenken an den Hl. Stephanus gewidmet, der sich den Tod herbeisehnt. Wie schon bei Mendelssohns „Elias“, brachte der Bariton Timon Führ auch diesmal mit seiner Stimme und Ausdruckskraft den Zuhörern das Leiden des Stephanus nahe. Dem gegenüber stand, wie zum Dialog, die innere Seele des Stephanus, die hier mit zarter, einfühlsamer Stimme von der Sopranistin Eline Bosma gesungen wurde. Das Hin und Her zwischen Hoffnungslosigkeit und Trost wurde sehr eindrucksvoll vom Orchester unterstrichen. Es war, als ob jeder gesungene, inhaltsschwere Satz der Solisten vom Orchester umgesetzt wurde. Tragend bis freudig erregt das Dirigat von Alexander Ebert, der dadurch viel Bewegung in das Orchester brachte, bis hin zum hoffnungsvollen Schlusschoral des Chores.

Es folgte der 3. Weihnachtstag, der als heiliger Johannestag zur damaligen Zeit (1725) begangen wurde. Johannes als der Verkünder vom Kommen Jesu bringt noch Unsicherheiten mit sich. Er kündet dem Volk einen Erlöser an, man ist noch in der Erwartung. Das Sopransolo spricht von „Süßer Trost, mein Jesus kömmt“. Dies erklang in zarter Weise durch die Sopranistin Eline Bosna und verschmolz mit dem Klang der Querflöte, fein gespielt von Nicole Basadre, zu einer einzigen Stimme. Es war zeitweise nicht auszumachen, ob die Stimme oder die Querflöte zu hören war. Ein ganz wunderbares Klangerlebnis, das die noch unsichere Zeit spürbar werden ließ.

Demgegenüber die fester werdende Zuversicht durch eine folgende Bass-Arie, „Itzo weicht der Schmerz“, einer Alt-Arie, die mit weicher, warmer Stimmfärbung der Sängerin Anna-Maria Tietze die Hoffnung auf „Heil und Wohl aus seiner Hand“ aufkeimen ließ, hier begleitet von der Oboistin Cäcilia Krämer. Die Tenorarie, gesungen von dem jungen Tenor Nathan Fischer, begleitet von der Violinistin Susanne Vogel, setzte den Weg zur Gewissheit fort, „Du treuer Gottessohn, hast mir den Himmel aufgemacht“.

Alles mündete ein in den bekannten Choral-Vers: „Heut schleust er wieder auf die Tür, der Cherub steht nicht mehr herführ“, von Bach in Anlehnung an den Sündenfall durch Adam und Eva komponiert. Der gemischte Chor sang diese Strophe ausgewogen, mit klangvoller Inbrunst und Bestimmtheit und setzte damit ein hoffnungsvolles Zeichen am Ende der 3. Kantate.

Es folgte eine kurze Pause, die mit einer weiteren Einführung in das Kantatenwerk Bachs durch Alexander Ebert beendet wurde. Es kam schon einer Verkündigung gleich, mit welchen Worten der Dirigent und Orchesterleiter das Programm weiterführte, bevor das Werk „Unser Mund sei voll Lachens“ erklang. Der Text der Kantate basiert auf den Worten des damaligen Darmstädter Hofpoeten Georg Christian Lehms, den Bach oftmals vertonte.

„Nun nach Schmerz und Leid münden wir ein in die Frohe Botschaft: Der Herr hat Großes getan. Sie steht im wahren Kontrast zu dem, was in unserer Welt heute geschieht …“, so Alexander Ebert, „unser Mund sei voll Lachens“. Damit kündigte Ebert an, dass er, unmittelbar nach dem Schlussakkord der letzten Kantate, das Lied: „Oh Du Fröhliche“ zum gemeinsamen Singen anstimmen werde. Alle Strophen waren im Programm abgedruckt.

Es kam kein Zweifel mehr auf, als der Chor, begleitet von Pauken und Trompeten, in ein Lachen einstimmte. Der flotten Tempovorgabe folgten die Sängerinnen und Sänger gekonnt. Das von J. S. Bach auskomponierte Lachen erforderte große Präzision und Klarheit in den Tönen. Wieder zeigten der Chor und das Orchester im Zusammenspiel ihre Qualität. Jetzt war das festliche Klangerlebnis hörbar, das von Bachs Weihnachtsoratorium her erwartet wurde.

Die weiteren Arien für Tenor, Bass, Alt und einem Duett Tenor und Alt, hervorragend jeweils begleitet von einer Querflöte, einer Oboe, einer Violine, Cello oder einem Continuo, zeugten von der Erlösung aus schlimmem Weltgeschehen. „Wacht auf und singt ,Ehre sei Gott in der Höhe und Friede auf Erden und den Menschen ein Wohlgefallen’.“

Begleitet von drei Barocktrompeten, dem Klang der Pauke und von Chor und Orchester stimmten die ca. 600 Gäste des Konzerts in das angekündigte Lied „Oh Du Fröhliche“ ein. Danach wollte der Applaus nicht enden, was zu einer Zugabe führte.

Mit großer Weihnachtsfreude im Herzen ging dieses besondere Weihnachtskantatenkonzert für die Besucher zu Ende.



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