Bad Soden (Sc) – Fünf Künstlerinnen, das sind Liane Merz, Ellen Ribbe, Petra Schott, Jutta Siebert und Ute Wältring, präsentieren in der Stadtgalerie aktuell ihre Werke. Den Künstlerinnen ist gemein, dass sie sich im Schwerpunkt der abstrakten Kunst verschrieben haben – Gegenständliches findet sich in der neuen Ausstellung, die am vergangenen Freitag mit der Vernissage eröffnet wurde, kaum. Das ist aber auch nicht verwunderlich, möchten die Künstlerinnen die Betrachter mit ihren Werken doch dazu anregen, sich mit ihren sehr persönlichen „unerzählten Geschichten“ auseinanderzusetzen – Assoziationen zuzulassen und sich auf eine Gedankenreise zu begeben, die zur Erinnerung an ganz eigene Lebensgeschichten führt. Gleichzeitig berichten die Künstlerinnen mit ihrer Kunst aber auch von individuellen Erfahrungen, üben Gesellschaftskritik und möchten mit der Kraft der ausdrucksstarken Sprache der Malerei und der Zeichnung die Dinge von innen und außen beleuchten. In der Ausstellung werden die Werke der einzelnen Künstlerinnen gegenübergestellt, so dass sich künstlerische Verwandtschaften und Schnittmengen durchaus erkennen lassen und auch erwünscht sind, denn auch die Künstlerinnen stehen – im Zuge ihrer künstlerischen Arbeit – in einem stetigen persönlichen Austausch.
Großes Interesse
Wie groß das Interesse an der Arbeit der Künstlerinnen ist, ließ sich am Abend der Vernissage erahnen, die mehr als gut besucht war – was Bürgermeister Dr. Frank Blasch sichtlich erfreute. Diese Ausstellung, so Dr. Blasch, sei eine ganz besondere, denn nicht alle Tage erzählten gleich fünf renommierte Künstlerinnen im Rahmen einer Ausstellung ihre ganz persönlichen Geschichten. Er wünschte der mittlerweile dritten Ausstellung in diesem Jahr viel Erfolg und übergab das Wort an Jutta Siebert. Die Künstlerinnen, so führte sie aus, schätzten ihre Arbeiten gegenseitig, worin auch die Grundlage zu dieser ersten gemeinsamen Ausstellung zu finden sei. Die Vorstellung übernahmen die Künstlerinnen im Anschluss selbst.
Jutta Siebert
Seit nunmehr drei Jahren, so die Künstlerin, stünden „Kreaturen“ im Zentrum ihrer kreativen Arbeit. Ihre Werke drehen sich um Tiere und Menschen, was auch mit ihren Interessensgebieten Verhaltensforschung und Kunst im Einklang stehe. Ihre Figuren, die ein wenig an kindliche „Strichmännchen“ erinnern, sind körperlich ganz bewusst reduziert und eröffnen damit viel Interpretationsspielraum für den Betrachter. Die Frage „Was ist hinter der Fassade“ steht im Zentrum ihrer Kunst und bietet den Anschluss zum Thema der Ausstellung „untold stories“.
Petra Schott
Ihr „Medium“ sind die Farbintensität und Brillanz der Ölfarben, mit denen Petra Schott nach eigenem Bekunden „abstrakt, mit figürlichen Ansätzen“ malt. Ihre Werke entstehen rein intuitiv und haben damit kein im Voraus feststehendes Thema oder Sujet, worin auch ihre künstlerische Verbindung zum Ausstellungsthema liegt – jedes Bild erzählt eine eigene Geschichte, die erst im Zuge des Schaffensprozesses entsteht!
Ellen Ribbe
Die Künstlerin ist nach eigener Aussage ein „Fan von Linien“ und bei der Ausstellung mit mehreren kleineren Zeichnungen vertreten. Jedes Werk entsteht aus einem Impuls heraus, wobei eine willkürliche Linienführung den Anfang des Werkes bildet und sich das Werk an sich daraus entwickelt. Ihre Zeichnungen sind frei interpretierbar, womit jeder Betrachter etwas Anderes in den harmonisch schwingenden Linien sieht – eine ganz eigene Geschichte eben!
Liane Merz
Die Künstlerin liebt „künstlerische Brüche“ und arbeitet ebenfalls rein intuitiv. Liane Merz selbst beschreibt ihre Werke als „Denkspuren“, die aus einem immerwährenden Drang zur Gestaltung entstehen. Ihre Arbeiten seien „Spuren eines visuellen Denkprozesses, der sich bisweilen Antworten auf ungestellte Fragen annähern kann“.
Ute Wältring
Ute Wältring widmet sich in ihren Bildern der „gestischen Abstraktion und Figuration“. Erinnerungen, Wahrnehmungen und Erfahrungen dienen ihr als Geländer zum Bildeinstieg, weshalb für sie der Akt der Auflösung der eigentlich interessanteste Teil ihrer Arbeit ist. Sie arbeitet prozessorientiert und sieht den eigentlichen Schaffensprozess als eine „Abenteuerreise Bild“.
Wer die Künstlerinnen gemeinsam erlebt, bekommt ein Gespür für ihre künstlerische, aber auch für ihre persönliche Nähe zueinander. Sie strahlen eine gewisse Harmonie aus und haben mit ihrer gemeinsamen Ausstellung im Badehaus einen Kunstraum geschaffen, dessen Besuch sich ganz sicher lohnt.
Die Ausstellung „Untold stories“ in der Stadtgalerie im Kulturzentrum Badehaus läuft bis zum Sonntag, den 27. April, und kann während der Öffnungszeiten Mittwoch, Samstag und Sonntag von 15 bis 18 Uhr besucht werden. Der Eintritt ist frei.



