Neuenhain (es) – Das Orchester Camerata Taunus, das aus rund 20 Musikerinnen und Musikern besteht, ist erneut im Augustinum in Bad Soden-Neuenhain zu Gast gewesen. Der Saal war gut gefüllt, wusste man doch nach zwei vorangegangenen Konzerten, dass das Orchester musikalische Qualität verspricht. Erst im Jahr 2023 – wir berichteten – hatte sich dieses, aus vorwiegend musikalischen Laienmitgliedern bestehende Orchester unter der Leitung des Dirigenten Franz Josef Staab formiert.
War man vor drei Jahren noch in bunter sommerlicher Kleidung auf der Bühne erschienen, so sieht man nun schon auch am festlichen schwarzen Outfit, dass die Gruppe in der Welt renommierter Orchester angekommen ist. Das anspruchsvolle Programm konnte sich sehen lassen. Ohne Pause waren zwei bedeutende Werke von Felix Mendelssohn-Bartholdy und eines von Johann Sebastian Bach zu hören. Das hätte anstrengend werden können, wäre nicht die erfrischende Spielfreude der Musikerinnen im Publikum angekommen.
Ein Grund dafür mag gewesen sein, dass der erst 13-jährige Felix Mendelssohn-Bartholdy seine Symphonie Nr.7 in d-Moll komponierte, sich dessen junge Ausdruckskraft und erstaunlich kompositorische Begabung in dem Werk schon zeigt und das Orchester sich davon anstecken ließ.
Das Werk ist eines von 13 frühen Streichsinfonien, die der junge Felix schrieb, bevor er seine großen Sinfonien zu Papier brachte. Es besteht aus vier Sätzen: Allegro, Andante, Menuetto und Allegro molto.
Drama und Trauer
Wie Orchesterleiter Franz Josef Staab erläutert, zeugt die Tonlage d-Moll zumeist von Drama und Trauer. Im Allegro fordert es vom Orchester kraftvollen und bewegten Einsatz. So wechseln sich zartes, ruhiges Violinspiel mit energischem Gesamtklang ab. Das Andante wiederum ist geprägt vom melodischen Zusammenspiel aller Streicher.
Wunderbar, wie beim Menuetto, das Wechselspiel zwischen 1. Violinen – Piccicato – und 2. Violinen – zart bewegt – tänzerisch gestaltet wurde.
Felix Mendelssohn-Bartholdy war inspiriert von Johann Sebastian Bach. Der Fugencharakter im 4. Satz Allegro molto, aufgebaut mit zunehmender Energie, zeigt dies. Das wird von den einzelnen Stimmgruppen, die nacheinander das Stück aufbauten, temperamentvoll inszeniert und führte die Sinfonie zu einem markanten Schluss.
Camerata Taunus zeichnet sich auch dadurch aus, dass sich seit Beginn zwei Profimusiker dem Orchester zugehörig fühlten. Das sind die Violinistin Jooni Hwang und der Violinist Antonio Pellegrini. Beide sind als Solisten in unterschiedlichsten Formationen gefragt und bekannt. Im Konzert für Violine und Streichorchester in d-Moll begeisterte Pellegrini nun mit seinem einfühlsamen und virtuosen Spiel.
Zu gerne möchte man in die innere Gedankenwelt des erst 13-jährigen Felix hineinschauen um zu begreifen,wie diese immensen musikalischen Ideen in ihm entstanden. Die Komposition besteht aus drei Sätzen Allegro-Andante-Allegro.
Der erste Satz – energisch und dramatisch – führt sofort die Solovioline in den Mittelpunkt. Es entsteht ein Wechselspiel zwischen Orchester und Solist voller Leidenschaft. Camerata lässt dem Solisten den nötigen Raum für seine Ausdruckskraft und folgt geschlossen seinen Bewegungen. Besonders im 2. Satz, dem Andante, steigt der lyrische, zarte Geigenton aus dem warmen Orchesterklang hervor und mündet in einen schwebenden Schluss.
Noch mal zeigt Pellegrini sein ganzes Können im 3. Satz Allegro. Schnelle, brillante Läufe geben den tänzerischen Charakter der Komposition wieder. Ein fulminanter Schluss führt zu anhaltendem Applaus der gespannten Zuhörerschaft.
Violinen im Dialog
Kenner der Musik Johann Sebastian Bachs wissen, dass das folgende Stück, ein Konzert für zwei Violinen, Streicher und Basso Continuo in d-Moll, BWV 1043 zu den meistgespielten Instrumentalkonzerten gehört. Drei Sätze Vivace, Largo ma non tanto und Allegro bilden die Komposition. Für ein noch so junges Orchester ein weiterer mutiger Schritt.
Zwei Violinen treten in einen Dialog miteinander, der davon geprägt ist, dass beide völlig gleichwertig das Zusammenspiel wiedergeben. Zu Antonio Pellegrini gesellt sich nun seine frühere Schülerin, die Erste Geigerin des Orchesters und Solistin Jooni Hwang. Beide zeigen ein Zusammenspiel von großer Qualität. Völlig gleichwertig treten sie in den Orchesterklang ein. Jeder könnte verführt sein, seinen Solopart über den des anderen zu stellen. Ein musikalischer Gedanke der einen Violine wird von der anderen Violine beantwortet. Und trotzdem haben beide Violinisten ihren eigenen Charakter, was auch herrlich im körperlichen Ausdruck zu sehen ist und die Spielweise unterscheidet. Hier der ruhige Pellegrini, da die lebhaft agierende Hwang finden zu einem völlig harmonischen Dialog. Die Musik könnte zu einem Wettstreit ausarten, aber Bachs Komposition lässt das nicht zu. Virtuose Solopassagen wechseln sich ab, führen aber zu einem geschlossenen Kontrapunkt.
Das Orchester, im Zusammenwirken mit den beiden Violinisten, zeugt von großem Können, das sich das Orchester in den drei vergangenen Jahren erarbeitet hat. Zwei Konzerte pro Jahr wollen sie geben, dazwischen ist konzentrierte Probenarbeit angesagt. Diese Konzentration, ohne nach Erfolg heischenden Ambitionen zu gieren, führt zu dieser zunehmenden Qualität. Der Applaus im Augustinum zeugte von Achtung und Begeisterung für dieses Konzert.
Das Publikum im Augustinum wird sich wohl auch 2027 wieder auf ein Konzert mit Camerata Taunus freuen können. Zunächst steht aber am 14. März in Meisenheim ein großes Vorhaben an. Es wird unter anderem Ludwig van Beethovens 5. Symphonie in c-Moll, Op.67 zu Gehör kommen. Eine neue Herausforderung, die unter der Leitung von Franz Josef Staab zum Erfolg geführt wird.


