Stadt soll auf Schadenersatz verzichten

Eschborn (MS). Die Stadt Eschborn soll mögliche Schadenersatzansprüche gegen ehemalige Vorstandsmitglieder der Greensill Bank AG nicht weiterverfolgen. Das schlägt Bürgermeister Adnan Shaikh (CDU) in einer Magistratsvorlage den Stadtverordneten vor. Grund sind mangelnde Aussichten auf Erfolg.

Der Magistrat hat die Erfolgsaussichten bezüglich zweier Geldanlagen aus dem November 2020 in einer Gesamthöhe von 11 Millionen Euro von der Kanzlei Dentons rechtlich bewerten lassen. Hintergrund war der Verdacht, dass Vorstandsmitglieder gegen ihre Anzeigepflichten nach dem Kreditwesengesetz verstoßen haben könnten.

Zwei frühere Vorstände der insolventen Bank aus Bremen, bei der die Stadt Eschborn insgesamt 35 Millionen Euro verloren hat, hatten die Ansprüche zwar zurückgewiesen, sich aber bereit erklärt, bis zum 31. Dezember 2025 auf die Einrede der Verjährung zu verzichten. Die Stadt verband damit die Hoffnung, dass das Insolvenzverfahren neue Erkenntnisse liefern könnte.

Diese Erwartung erfüllte sich nach Angaben von Adnan Shaikh nicht. In einer E-Mail vom 17. November 2025 teilte die Kanzlei Dentons der Stadt mit, dass sich die rechtliche Einschätzung nicht verändert habe. „Damit kann nicht von hinreichenden Erfolgsaussichten einer gerichtlichen Geltendmachung von Schadenersatzansprüchen ausgegangen werden“, schreibt der Bürgermeister an die Stadtverordneten. Zudem habe der Insolvenzverwalter über das Vermögen der Greensill Bank erklärt, dass die D&O-Versicherung der früheren Vorstände eine Deckung ablehnt. Bürgermeister und Magistrat schlagen daher vor, von einer gerichtlichen Geltendmachung abzusehen.

Die Staatsanwaltschaft Bremen scheint die Verantwortung der Manager anders einzuschätzen. Sie hat im Dezember Anklage gegen zwei Vorstände und ein Aufsichtsratsmitglied der Greensill Bank erhoben und wirft ihnen vor, einen Bankrott im besonders schweren Fall herbeigeführt und Bilanzfälschung begangen zu haben. Die Ermittlungen betreffen darüber hinaus auch Verletzungen von Buchführungspflichten.

Auch Insolvenzverwalter Dr. Michael Frege hat die ehemaligen Top-Manager der Pleite-Bank im vergangenen Jahr auf Schadenersatz verklagt.

Verzichtet die Stadt auf ihre Schadenersatzansprüche, besteht nur noch die Hoffnung, dass die Stadt aus dem Insolvenzverfahren selbst einen Teil des verlorenen Geldes zurück erhält. Ob das so sein wird und wie hoch die Rückzahlungsquoten sein werden, steht aber auch fast fünf Jahre nach der Pleite der Greensill Bank noch in den Sternen. Michael Frege gibt zurzeit keine Einzelheiten zum Stand des Verfahrens bekannt, hat aber bereits im Jahr 2021 erklärt, dass es zehn Jahre dauern könnte, bis die Insolvenz abgewickelt ist.



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