Der Kunst-Leistungskurs der zwölften Klasse der Philipp-Reis-Schule stellt seine Zeichnungen und Collagen zum Thema „Gewalt an Frauen“ im Taunus Carré am Stand von Amnesty International aus.Foto: bin
Friedrichsdorf (fw). An diesem kalten Samstagvormittag durchbrachen laute Trommelschläge die Stille. Immer wieder erklangen die Rufe „Liebe“, „Respekt“ und „Für ein Ende der Gewalt“. Auf dem Vorplatz des Rathauses standen 132 rote Schuhpaare – eines für jede Frau, die im Jahr 2024 in Deutschland von ihrem Partner oder Ex-Partner getötet wurde.
Die Aktion zum „Internationalen Tag gegen Gewalt an Frauen“ machte darauf aufmerksam, dass auch in Deutschland, einem der friedlichsten und sichersten Länder der Welt, Gewalt gegen Frauen ein weiterhin erschütterndes und allgegenwärtiges Problem darstellt. Viele Besucher begleiteten die Aktion, klatschten mit und stimmten in die Rufe der Trommlerinnen ein. Als jedoch die Namen der im Hochtaunuskreis getöteten Frauen verlesen wurden, legte sich eine bedrückte Stille über die Versammlung. Die Teilnehmer setzten damit nicht nur ein Zeichen des Gedenkens, sondern auch ein deutliches Signal gegen Gewalt an Frauen.
„Frauen sind im eigenen Zuhause am häufigsten von Gewalt betroffen“, informierte Ursula Stier vom Verein „Frauen helfen Frauen Hochtaunuskreis“, „Die Zahl der Betroffenen, die Gewalt durch den Partner erfahren, stieg stark an und dabei geht man nur von den dokumentierten Fällen aus. Eine aktuelle Befragung zeigt, dass nur rund fünf Prozent der Betroffenen eine Strafanzeige stellen.“
Gewalt gegen Frauen gibt’s überall
Die Veranstaltung wies daher auch auf bestehende Hilfsangebote hin. Die Diakonie Friedrichsdorf, das Frauenhaus Oberursel, Amnesty International sowie die Beratungsstelle „pro familia“ zählen zu den zahlreichen lokalen Einrichtungen, an die sich Betroffene wenden können. „Gewalt gegen Frauen ist unter uns und es passiert überall“, betonte die Frauenbeauftragte der Stadt, Olivera Gligoric-Fürer, „Wir müssen drauf aufmerksam machen, dass so etwas auch in sicheren Ländern wie Deutschland passiert.“ Wie erschreckend dieses Problem wirklich ist, veranschaulichten auch die aufgehängten Plakate der Jugendvertretung Friedrichsdorf. „Gewalt kann Frauen jeder Altersgruppe treffen“, informierte die Vorsitzende Maya Dietrich, „Es fängt mit Catcalling (verbale, sexuell anzügliche Belästigungen) an, geht über sexuelle Belästigung und kann, wie die roten Schuhe demonstrieren, im Tod enden.“ Der Kunst-Leistungskurs der zwölften Klasse der Philipp-Reis-Schule beteiligte sich ebenfalls an der Aktion. Über acht Wochen arbeiteten die Schüler an ihren Projekten und präsentierten ihre Zeichnungen und Collagen im Taunus Carré am Stand von Amnesty International. „Das Projekt wurde von den Schülern sehr gut angenommen, und es sind großartige und vielfältige Kunstwerke entstanden“, zogen die Kunst-Lehrkräfte Alexandra Schlaaff und Anja Born ihr Fazit.
Auf dem Vorplatz des Rathauses stehen 132 rote Schuhpaare – eines für jede Frau, die im Jahr 2024 in Deutschland von ihrem Partner oder Ex-Partner getötet wurde.Foto: bin

