Friedrichsdorf (bin). „Ein Klassiker unter sieben Stunden ist zum Scheitern verurteilt“, stritt sich der Theaterdirektor Turri mit seiner Freundin Luise in Garniers Keller. „Wir könnten das Stück verlängern, indem wir einfach langsamer reden und Pausen einbauen.“ Der Theaterdirektor hatte vor zwei Jahren eine Subvention für ein „förderungswürdiges“ Stück erhalten. Allerdings hatte er diese lieber für angenehmere Dinge ausgegeben und sie schließlich vergessen. Nun fiel Luise das Dokument wieder in die Hände: „Die Frist für die Aufführung ist morgen um! Es gibt keine Karten, keine Schauspieler und keinen Titel.“ Die Bühne von Garniers Keller war zu einem Arbeitszimmer umgebaut. Links stand ein Schrank mit zahlreichen Lexika, denen aber laut Turri kein Vetrauen geschenkt werden könne. Rechts stand ein Sofa mit einem kleinen Tisch. Auf Tisch und Boden lagen Ordner, Hefter und Bücher durcheinander, in denen Turri verzweifelt nach einer Idee suchte. Das Publikum beobachtete ihn aufmerksam. „Förderungswürdig muss das Stück sein - nicht erfolgreich“, murmelte er. Der Direktor telefonierte sämtliche Theaterautoren ab: „Die Namen mit Strich sind verstorben und die mit Kreuz schreiben nur Gedichte und so einen Quatsch“, erklärte er Luise. Als dann auch noch die Dame vom Kulturamt durch das applaudierende Publikum Richtung Bühne marschierte, wurde die Situation noch angespannter. „Ich kenne doch meine Pappenheimer, deshalb komme ich schon einen Tag vorher“, begrüßte sie Luise.
Für Turri schien sein Freund Eismeier, ein Aphoristiker, die letzte Hoffnung. „Das ist ein tolles tschechisches Stück, warum willst du es nicht aufführen“, versuchte Eismeier zu helfen. „Ich habe keine Vorurteile gegen die tschechische Sprache, ich verstehe sie nur nicht“, rechtfertigte sich der Theaterdirektor. Und dann gab es noch das Problem, dass Freundin Luise der Dame vom Kulturamt erzählte, dass vietnamesische Zwillinge im Stück vorkommen werden.
Die Zuschauer fieberten beim Theaterstück „Die Subvention, oder in welche Richtung schaut die Mona Lisa?“ des Vereins „Szenenwechsel“ aus Oberursel mit. Komische Momente und pointierte Witze brachten das Publikum immer wieder zum Lachen. Am Ende feierte es die überaus gelungene Aufführung mit tosendem Applaus.
Der Theaterdirektor hat vor zwei Jahren eine Subvention erhalten und sie vergessen. Mit seiner Freundin Luise und seinem Freund Eismeier beratschlagt er sich, wie sie nun an einem Tag ein Stück schreiben, proben und aufführen sollen.Foto: bin
