Friedrichsdorf (mas). Das Philipp-Reis-Haus bietet seit diesem Jahr regelmäßige öffentliche Führungen an. Bei den Überblicksführungen müssen die Gäste kein Vorwissen mitbringen und erhalten Informationen über den Ursprung der Stadt, dieWirtschaftsgeschichte und den Erfinder des Telefons, Phillip Reis.
Die Hugenotten wurden im 17. Jahrhundert aufgrund ihrer Religion in Frankreich verfolgt. Einige dieser französischen Protestanten flohen über die Schweiz und kamen in Deutschland an. 1687 lud Landgraf Friedrich II. von Hessen-Homburg (1633–1708) sie dazu ein, sich in seiner Landgrafschaft niederzulassen. Mit dieser Geschichte beginnt auch die Führung im Philipp-Reis-Haus.
90 Minuten sind für eine Überblicksführung durch das Museum geplant, erklärt Museumsleiterin Dr. Erika Dittrich. Für den Beginn geht es nach dem Empfang im Foyer in das Obergeschoss. Dort treffen die Gäste als Erstes auf ein Gemälde und eine Büste des Landgrafen Friedrich II., Urenkel von Landgraf Philipp I. von Hessen (1504–1567). Sie tauchen damit mitten in die Gründungsgeschichte des Stadtteils ein, in dem sie sich zu diesem Zeitpunkt befinden. Weiter wird über die Verfolgung der Hugenotten und deren Ankunft in der Landgrafschaft Hessen-Homburg berichtet. Es wird über ihre Religion und ihr damit verbundenes Leben erzählt, wobei etwa auch die Frage beantwortet wird, wie sich die Hugenotten im Deutsch-Französischen Krieg positioniert hatten.
Zudem wird in der Führung über Friedrichsdorf als Wirtschaftsstandort erzählt. Die Stadt war in vielen Branchen erfolgreich. Sei es mit den Färbereien, die Aufträge von den Niederlanden bis zur Schweiz erhielten, der Hutmacherei, die nach der Industrialisierung und Etablierung von chemischen Farbmitteln die Färberei ablöste, der Zwiebackbäckerei, bei der viele Adelige das süße Gebäck bestellten, oder den Haller Nudeln, für deren Ausstellung relativ viele Aufzeichnungen und Originale erhalten sind. Ein Raum im Obergeschoss wird noch Édouard Desor (1811–1882) und Marie Blanc (1833–1881) gewidmet, zwei weiteren Persönlichkeiten dient das Erdgeschoss: Karl Willy Wagner (1883–1953) und selbstverständlich dem namensgebenden Philipp Reis (1834–1874) – alles Friedrichsdorfer.
Das Museum bietet inzwischen einen multimedialen Einblick in viele wichtige Aspekte. Diese werden zwar aufgrund der Gruppendynamik nur teilweise während der Überblicksführung angeboten – doch die Teilnehmer sind dazu eingeladen, nach der Führung oder zu einem anderen Termin alle Angebote auszutesten. Dann können Interessenten beispielsweise weitere Informationen auf Tastbildschirmen entdecken, einem gefilmten Gespräch zwischen zwei Nachfahren von Gründern zuhören oder Hüte anprobieren. Das Angebot wird stetig ausgebaut. Aktuell wird daran gearbeitet, weitere Medien aufzunehmen, die einen interaktiveren Besuch ermöglichen.
Generell setzt Dr. Dittrich darauf, einen persönlichen Bezug aufzubauen: einerseits zwischen den Informationen und den Besuchern, andererseits zwischen dem Museumsführer und den Besuchern. Ein Kontrast zu den heutigen Internetangeboten, zu denen meist (Kurz-)Videos zählen. Die Museumsleiterin habe wahrgenommen, dass „der persönliche Bezug aufgrund der Medien gefragter“ sei. Aus diesem Grund handele es sich auch bei dem neuen Angebot um Dialogführungen. Die Teilnehmer sind von Dr. Dittrich dazu eingeladen, mit ihr über die vorgestellten Informationen ins Gespräch zu kommen. Teilweise gäbe es Fragen von Gästen, die immer wieder gestellt würden. Einige Aussagen auf den Informationstafeln seien absichtlich so formuliert worden, dass sie zur Diskussion anregen. Aber auch an jeder anderen Stelle freue sich die Museumsleiterin darauf, mit ihren Gästen zu reden.
Die nächsten öffentlichen Führungen finden am Donnerstag, 5. Februar, und am Dienstag, 3. März, um jeweils 18 Uhr im Philipp-Reis-Haus, Hugenottenstraße 93, statt. Anmeldungen und weitere Informationen per E-Mail an museen[at]friedrichsdorf[dot]de.
