Wie der Klimawandel den Wald gefährdet

Waldbesucher, Holzindustrie und Naturschützer – alle haben unterschiedliche Erwartungen an den Friedrichsdorfer Stadtwald.

Revierförster Philipp Gerhardt erklärte den Interessierten bei der Waldführung die Auswirkungen des Klimawandels auf den Friedrichsdorfer Stadtwald und informierte über notwendige Maßnahmen. Für Gerhardt steht bei der Waldpflege vor allem die Nachhaltigkeit im Mittelpunkt. Er lässt weniger Bäume fällen als nachwachsen.Fotos: bin

Felix Biner

Friedrichsdorf. Der Friedrichsdorfer Stadtwald steht durch den Klimawandel vor großen Herausforderungen. Um auf diese Entwicklung aufmerksam zu machen und über notwendige Maßnahmen zu informieren, lud Revierförster Philipp Gerhardt zu einer Waldführung ein. Am Samstagmorgen versammelten sich Interessierte am Sandelmühlweg zwischen Friedrichsdorf und Köppern, um dem Förster zuzuhören und Fragen rund um ihren Stadtwald zu stellen.

„Jeder sieht den Wald durch seine eigene Brille“, erklärte Gerhardt. „Waldbesucher, Holzindustrie und Naturschützer – alle haben unterschiedliche Erwartungen, denen wir gerecht werden wollen.“ Der Klimawandel verlange den Wäldern jedoch einiges ab. Ziel sei es daher, in den kommenden Jahren den Mischwald weiter auszubauen. Künftig solle der Wald flächendeckend aus mindesten drei, idealerweise sogar aus fünf bis sechs verschiedenen Baumarten bestehen.

In den vergangenen Jahrhunderten wurde vor allem die Fichte angepflanzt, da sie wirtschaftlich besonders rentabel war. „Doch die Fichte hat Probleme mit langen Trockenperioden und zunehmenden Extremwettern“, erläuterte der Förster. Deshalb werde ihre Verbreitung reduziert und sie spiele künftig keine Vorrangrolle mehr im Mischwald. Auch die Buche zähle mittlerweile zu den „Verliererbaumarten“ des Klimawandels. Gleichzeitig experimentiere man mit neuen exotischen Arten. In diesem Jahr wurde erstmals Hickory angepflanzt.

Sorge bereitet Gerhardt zudem die Standortswasserbilanz des Waldes. Derzeit gibt es in Friedrichsdorf 50 Teiche, deren Anzahl künftig erweitert werden soll. „Wir wollen Wasser gezielt in die Bestände leiten und uns verstärkt um Durchlässe kümmern“, berichtet Gerhardt. „Wassermangel ist ein ernstes Problem, um das wir uns kümmern müssen.“ Dabei betonte er auch die natürliche Filterfunktion des Walderdbodens für das Trinkwasser.

Der Friedrichsdorfer Wald bietet zahlreichen Wildarten Lebensraum. Auf Nachfrage eines Besuchers berichtete der Förster von Füchsen, Rehen, Hirschen und Wildschweinen, die im Umkreis aktiv bejagt werden. Auf die Jagd von Füchsen verzichte er jedoch bewusst, da diese Mäuse fressen, welche die Wurzeln der Bäume anknabbern. Zudem gebe es eine große Vielfalt an Vogelarten. Die hohe Zahl an Waldbewohnern erkläre sich unter anderem durch die Ruhe in den Abend- und Nachtstunden sowie durch die Gewöhnung der Tiere an Waldbesucher.

„Es ist wichtig, den Bürgern zu erklären, was im Wald passiert und warum bestimmte Maßnahmen notwendig sind“, sagte Philipp Gerhardt, der seit 2020 den 907 Hektar großen Stadtwald verwaltet. „Die regelmäßigen Waldführungen helfen enorm. Ich habe das Gefühl, dass seitdem weniger Beschwerden aus der Bevölkerung kommen. Waldwirtschaft ist ein komplexes Thema, und wenn ich es den Leuten nicht erkläre, können sie vieles nicht nachvollziehen.“

Wertschätzung für den Wald stärken

Für Gerhardt steht bei der Waldpflege vor allem die Nachhaltigkeit im Mittelpunkt. Er lasse weniger Bäume fällen als nachwachsen. Bei jungen Bäumen setze er zunächst auf die Negativauslesung, bei der schwächere Pflanzen entfernt werden. Ab einer bestimmten Größe folge die Positivauslesung, bei der besonders starke und gesunde Bäume gezielt gefördert werden.

„Ich bin gerne draußen im Wald und interessiere mich für die Auswirkung des Klimawandels“, erzählte die Teilnehmerin Agathe Fridmann. „Es ist wichtig, auf dieses Thema aufmerksam zu machen und das eigene Verhalten zu reflektieren. Vielen Menschen fehlt die Wertschätzung für den Wald, was ich schade finde.“

Die Karte der „Baumartenpotentiale“ zeigt, welche Baumarten in Friedrichsdorf und Umgebung besonders stark vom Klimawandel gefährdet sind.

Revierförster Philipp Gerhardt verwaltet seit dem Jahr 2020 den 907 Hektar großen Stadtwald Friedrichsdorf. Auf der Karte ist sein Gebiet eingezeichnet.

Weitere Artikelbilder



X