Musiksschule vor großer Herausforderung

Von Felix Biner

Friedrichsdorf. „Ohne uns wird’s still“, so war der Titel eines ganz besonderen Konzertes der Musikschule Friedrichsdorf. Was auf der Bühne als beeindruckende Vielfalt aus Klassik, Pop und Jazz erklang, war zugleich ein Hilferuf – ein musikalischer Appell an Politik und Öffentlichkeit.

Der Anlass des Konzertes im Forum Köppern war das Herrenberg-Urteil. Durch diesen Beschluss des Bundessozialgerichts vom 28. Juni 2022 müssen zukünftig Musikschulen ihre bisher auf Honorarbasis arbeiteten Musiklehrkräfte sozialversicherungspflichtig anstellen. Dadurch entstehen für die Musikschulen hohe Mehrkosten. Alleine die Musikschule Friedrichsdorf rechnet mit jährlichen Mehrkosten von etwa 140 000 Euro.

Wie der eingetragene Verein dies stemmen soll, fragt sich auch der Vorsitzende Frank Gollas, der die zahlreichen Gäste begrüßte. Zuvor eröffnete das Saxophonensemble, bestehend aus Malte Bernhardt, Milena Herpolsheimer, Marcel Walther und Mikalai Zastsenski, den Samstagabend. Das Quartett spielte „Concerto Grosso“ von Antonio Vivaldi. „Auf der Bühne können sie schon sehen, wir haben heute viel vor“, versprach der Schulleiter Peer-Martin Sturm, bevor er David Henning und Robin Romberg auf dem Klavier begleitete. Die zwei jungen Erwachsenen sangen die Songs „She Said She Said“ und „Because“ von den Beatles. Ebenso gespannt lauschte das Publikum dem Trio mit Diana Filipova am Klavier, Farida Chulak auf der Flöte und Alexios Tassis am Violoncello. Alle drei sind Lehrer an der Musikschule. „Eine Angebotskürzung und Entlassungen sind für uns keine Option“, informierte der Vorsitzende Frank Gollas, „Wir wollen die Notlage der Musiklehrer nicht ausnutzen, sondern faire Gehälter zahlen.“ Er finde eine soziale Absicherung für die Musikschullehrer gut, jedoch bräuchte es eine höhere öffentliche Förderung von Kreis und Land. Die Stadt habe schon ihre Förderung erhöht, was aber bei weitem nicht reiche, um die hohen Mehrkosten zu decken. „Wir sind gezwungen, die Mitgliedsbeiträge zu erhöhen“, erklärte der Vorsitzende, „Zudem müssen wir die Organisation unserer Musikschule umstellen, da wir nun ein großer Arbeitgeber werden.“ Das Jazzensemble aus Knut Wagner am Klavier, Leon Binder am Saxophon und Dimitri Frenkel am Schlagzeug präsentierte „Don’t Get Around Much Anymore“ von Duke Ellington. Bei „Night And Day“ von Cole Porter wurden sie von Lisa Wendel und bei „Bad, Bad Leroy Brown“ von Jim Croce gesanglich von Peer-Martin Sturm begleitet. Für ihre großartige Darbietung ernteten sie reichlich Applaus. Ebenfalls beeindruckt war das Publikum von Corvin Jonas mit seiner Oboe. Er spielte eine Komposition von Amilcare Ponchielli und wurde dabei von Musikschullehrerin Soo-Hyun Ahn am Klavier begleitet.

Aufgrund des Herrenberg-Urteils stehen die deutschen Musikschulen vor einer großen Herausforderung, vor einer Zeitenwende, wie Frank Gollas betonte. Ob die Musikschule Friedrichsdorf diese hohen Mehrkosten, die auf sie zukommen, stemmen kann und wie Stadt, Kreis und Land sie unterstützen werden, wird sich in den kommenden Monaten zeigen. Weitere Infos erhalten Interessierte oder Menschen, die helfen wollen im Internet unter www.musikschule-friedrichsdorf.de.

Das vierköpfige Saxophonensemble eröffnet das besondere Konzert „Ohne uns wird’s still“ der Musikschule Friedrichsdorf. Malte Bernhardt, Milena Herpolsheimer, Marcel Walther und Mikalai Zastsenski spielen „Concerto Grosso“ von Antonio Vivaldi und stimmen damit das Publikum für diesen wundervollen musikalischen Abend ein.Foto: bin

Die drei Musiklehrkräfte, Diana Filipova am Klavier, Farida Chulak auf der Flöte und Alexios Tassis am Violoncello, haben bisher auf Honorarbasis gearbeitet. Foto: bin

Das Jazzensemble mit Knut Wagner am Klavier, Leon Binder am Saxophon und Dimitri Frenkel am Schlagzeug präsentiert „Night and Day“ von Cole Porter. Gesanglich werden die Musiker von Lisa Wendel begleitet.Foto: bin

Das Schüler-Lehrer-Orchester besteht aus Schülern und Lehrern. Aufmerksam lauscht das zahlreiche Publikum der Symphonie Nr. 8, 1. Satz von Franz Schubert.Foto: bin

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