Schwanzmeisen in Nachbars Garten Über diese gefiederte Nachbarn berichtet Klaus Schurian
Vor ein paar Tagen sahen wir zufällig in unserem Garten zwei Schwanzmeisen, wie sie von einem Busch kleine Ästchen abtrennten und dann davonflogen. Es war uns sofort klar, die beiden wollen ein Nest bauen.
Im Winter sahen wir die possierlichen kleinen Vögel manchmal an den aufgehängten Meisenknödeln picken. Es konnte vorkommen, dass bis zu fünf, in einem Fall waren es sogar mal sechs Stück sich gleichzeitig Futter holten. Dabei wurden sie fast immer von den viel aggressiveren Blau- oder Kohlmeisen nach kurzer Zeit vertrieben, auch wenn sie in der Überzahl waren.
Schwanzmeisen tun sich im Winter zusammen und fliegen in größeren Trupps ihnen bekannte Futterstellen ab, um sich gütlich zu tun. Das ändert sich dann jedoch im Frühjahr. Die Fortpflanzung erledigt man am besten nur zu zweit.
Lange sahen wir die kleinen Vögel gar nicht, bis sie, jetzt im Garten Nistmaterial sammelten. Diese Meisenart nimmt in der Regel keine Nistkästen an und steht damit auch nicht in Konkurrenz zu den Blau- und Kohlmeisen, gegen die sie auch keine Chance hätten, einen Kasten zu erobern. Nein, die putzigen Kerle mit dem langen Schwanz bauen ein eigenes, kompliziertes Nest.
Es war gar nicht so einfach, herauszubekommen wo die beiden Vögel ihren Nistplatz hatten. Denn sie kommen an die gleiche Stelle zurück, um Nistmaterial einzusammeln, denn sie fliegen mal hierhin und mal dorthin, um sich zu bedienen. Nach einiger Zeit hatten wir ermittelt, dass die Vögel immer wieder eine Tanne in Nachbars Garten anflogen und dort verschwanden. Es handelte sich um einen fast waagrecht abstehenden Ast eines großen Baumes in etwa 5 Metern Höhe. Im Abstand von einigen Minuten sahen wir das Pärchen mit dem verschiedensten Nistmaterial. Nach „Wikipedia“ (de.wikipedia.org/wiki/Schwanzmeise) kommen die folgenden Materialien zur Verwendung: „Das Nest besteht außen aus fein verflochtenem Moos, Flechten und Spinnweben, aber auch Halme, Fasern sowie andere Pflanzenbestandteile, Federn, Wolle und Haare werden verbaut.“ Für das komplizierte Gebilde brauchen die Vögel 4 Wochen oder sogar mehr. Der Bau wird fest in die bestehende Unterlage verwoben, damit er Wind und Wetter standhält. Das dauert seine Zeit.
Heute waren bei unserem Paar Federn dran (Bild: Der Vogel bringt Federn), sodass wir davon ausgehen, dass der Innenausbau gerade fertiggestellt wird. Ganz offenbar hatten wir von dem Treiben der unscheinbaren Vögelchen mit dem wippenden Schwanz ganz in unserer Nähe zunächst nichts mitbekommen. Dies hängt sicher auch damit zusammen, dass ihr Gesang viel leiser und weniger charakteristisch erklingt, als der ihrer anderen Verwandten und man sie daher – als Nichtspezialist – akustisch kaum bemerkt.
Da sie so eifrig fliegen, wollte ich natürlich ein paar Bilder machen. Doch das war gar nicht so einfach. Ruhig sitzen bleiben und sich fotografieren lassen, das geht gar nicht. Die kleinen Vögel scheinen immer in Eile zu sein. Mal landen sie auf diesem Ästchen, um dann im Gezweig, wo das Nest entsteht, zu verschwinden, mal auf einem anderen. Ohne „Tele“ ist da nichts zu machen. Doch bis man den Fotoapparat am Auge hat, sind die Vögel schon wieder woanders. Einige Stunden, in denen ich mich langsam immer näher schlich, waren nötig, um auf eine einigermaßen brauchbare Entfernung für ein Bild zu kommen. Denn die Vögel sind scheu. Und es soll vorkommen, dass sie den Nestbau aufgeben, wenn man ihnen zu sehr auf den „Pelz“ rückt. Aus etwa 5 – 6 m Entfernung entstanden die beigefügten Bilder, doch sie sind keineswegs optimal.
Ich musste daher einen Kollegen bitten, mir mit einer Porträtaufnahme auszuhelfen (Porträtaufnahme, U. Eidam, Frankfurt).
Wie es weitergeht? Hoffen wir, dass die Vögel durch den Menschen, Eichhörnchen oder Raubvögel nicht weiter gestört werden und mit dem eigentlichen Brutgeschäft beginnen.
Das Weibchen legt durchschnittlich 8 – 12 Eier, es wurden aber auch schon 16 gezählt!
Da kommt es gelegen, dass die Eltern manchmal von sogenannten „Helfern“, das sind mit dem Elternpaar verwandte Geschwister, die aus irgendeinem Grund nicht zum Brüten kamen, unterstützt werden und so in die Aufzucht der Jungen mit einbezogen werden.
Wir würden uns jedenfalls sehr freuen, wenn wir es erleben würden, wie die kleinen Schwanzmeisen in Nachbars Garten schlüpfen, um später eifrig das „Ungeziefer“ auch an unseren Pflanzen zu vertilgen.
Porträt der Schwanzmeise (Foto: U. Eidam)