Bürgerdialog in Kelkheim: Bund, Land und Kommune im Gespräch über bezahlbaren Wohnraum Förderprogramm „Jung kauft Alt“

Heike Heubach, MdB, erklärte, was bundespolitisch im Bereich Bauen und Wohnen geleistet wird.Fotos: Judith Ulbricht

Kelkheim (kez/ju) – Bezahlbarer und barrierefreier Wohnraum stand im Mittelpunkt eines gut besuchten Bürgerdialogs in der Stadthalle Kelkheim. Unter dem Motto „Bund, Land und Kommunen gemeinsam für mehr bezahlbaren Wohnraum und Inklusion“ diskutierten Abgeordnete auf verschiedenen politischen Ebenen über Herausforderungen, Lösungsansätze und konkrete Perspektiven für Kelkheim und die Region.

Zu Gast waren Heike Heubach (MdB), Mitglied im Bundestagsausschuss für Wohnen und Stadtentwicklung, sowie Elke Barth (MdL), wohnungspolitische Sprecherin der SPD-Landtagsfraktion. Moderiert wurde die Veranstaltung von Bernhard Köppler, Architekt und ehemaliger Stadtrat, der die Entwicklung des kommunalen Wohnungsbaus in Hofheim über viele Jahre begleitet hat. Unter den Gästen befand sich auch die Bundestagsabgeordnete Nancy Faeser.

Hohe Mieten und dringender Handlungsbedarf

Nach der Begrüßung durch den SPD-Ortsvereinsvorsitzenden Michael Hellenschmidt machte die Spitzenkandidatin der SPD Kelkheim, Julia Ostrowicki, deutlich, wie brisant das Thema für die Stadt sei: Hohe Kaltmieten von teils bis zu 16 Euro pro Quadratmeter, ein knappes Angebot und frühere Fehlentwicklungen machten entschlossenes Handeln nötig. „Die soziale Frage und der Zusammenhalt der Gesellschaft werden wesentlich über das Thema Wohnen entschieden“, betonte Ostrowicki unter Applaus der Besucherinnen und Besucher.

Besonders hob sie das Engagement der Kelkheimer SPD für eine kommunale Leerstandsverordnung hervor. Ziel sei es, vorhandenen Wohnraum besser zu aktivieren – ohne pauschale Sanktionen. Beratung, Unterstützung und sozial ausgewogene Regelungen sollen helfen, Leerstände zu reduzieren und schnell zusätzlichen Wohnraum zu schaffen.

Bund und Land setzen Impulse

Bundespolitisch erklärte Heike Heubach, dass Wohnen weit mehr als ein Dach über dem Kopf sei – vor allem für ältere Menschen und Menschen mit Behinderung. Der Bund plane in den kommenden Jahren Fördermittel von über 23,5 Milliarden Euro für den sozialen Wohnungsbau. Zudem würden Baurecht vereinfacht, Mieterschutz gestärkt und Wohngeld angepasst. Barrierefreiheit sei dabei kein Zusatz, sondern ein Gewinn für alle Generationen.

Elke Barth betonte, dass auch das Land Verantwortung übernehme: Mit Investitionsprogrammen, Förderung von barrierefreiem und inklusivem Wohnraum, Hessengeld für junge Familien sowie dem Leerstandsgesetz sollen bestehende Wohnungen schneller wieder nutzbar gemacht werden. Wichtig sei ein Vorgehen mit Augenmaß, da nicht jeder Leerstand spekulativ bedingt sei – häufig handele es sich um ältere Eigentümerinnen und Eigentümer, für die eine Wiedervermietung organisatorisch oder emotional schwierig sei.

Publikum bringt lokale Themen ein

Im weiteren Verlauf beteiligte sich das Publikum aktiv an der Diskussion. Wohnen wurde als zentrale soziale Aufgabe hervorgehoben, und es gab zahlreiche Rückfragen zu konkreten Bauvorhaben in Kelkheim, etwa zu Hornau-West oder dem Berufsschüler- und Studentenwohnen in Kelkheim-Münster. Deutlich wurde dabei die Bedeutung transparenter Planungen, einer guten Umsetzung und weniger Bürokratie im Bauverfahren. Einigkeit bestand darin, dass bezahlbarer Wohnraum eine gesamtgesellschaftliche Aufgabe sei. Besonders hervorgehoben wurde das Mehrgenerationenhaus Kelkheim, bei dem Inklusion bereits konkret gelebt wird. Auf kommunaler Ebene wolle die Stadt die Programme von Bund und Land aktiv nutzen – sowohl für neue Baugebiete als auch zur Aktivierung von Leerstand.

Zusammenarbeit von Bund, Land und Kommune

Zum Abschluss dankten Julia Ostrowicki und Michael Hellenschmidt allen Beteiligten für den offenen und konstruktiven Austausch. Deutlich wurde: Bezahlbarer und inklusiver Wohnraum könne nur entstehen, wenn Bund, Land und Kommune gemeinsam Verantwortung übernehmen und beherzt handeln. Mit Blick auf die Kommunalwahl am 15. März wurde zudem betont, dass die Bürgerinnen und Bürger mit ihrer Stimme darüber entscheiden, wie engagiert und sozial ausgewogen der Einsatz für bezahlbares Wohnen in den kommenden Jahren weitergeführt werde.

Das Förderprogramm „Jung kauft Alt“ ist ein Bundesprogramm, das im September 2024 gestartet wurde und über die KfW-Bank läuft. Es richtet sich an Familien und Alleinerziehende mit mindestens einem minderjährigen Kind und soll den Kauf sanierungsbedürftiger Bestandsimmobilien erleichtern. Gefördert werden zinsverbilligte Kredite, die für den Erwerb solcher Gebäude und ihre energetische Sanierung genutzt werden sollen. Voraussetzung ist, dass das zu erwerbende Gebäude einen Energieausweis der Klassen F, G oder H hat und innerhalb von 4,5 Jahren auf einen höheren Effizienzstandard saniert wird. Die Einkommensgrenzen sind so festgelegt, dass Haushalte mit einem Kind maximal etwa 90 000 Euro zu versteuerndes Einkommen haben dürfen (plus 10 000 Euro je weiterem Kind). Je nach Kinderzahl können Förderkredite von bis zu 125 000 Euro oder mehr beantragt werden. Eine Kombination mit anderen Fördermitteln ist grundsätzlich möglich.

Ziel des Programms ist es, bezahlbaren Wohnraum zu schaffen, vorhandene Gebäude zu reaktivieren und Leerstand zu reduzieren, während gleichzeitig energetisch saniert wird. Das Programm soll eine Ergänzung zu bereits bestehenden wohnungspolitischen Maßnahmen sein und auch Familien mit geringerem Einkommen beim Erwerb eigenen Wohnraums unterstützen.

Wie läuft das Programm bislang? Die praktische Nutzung ist bislang nur mäßig ausgeprägt: Trotz hoher bereitgestellter Mittel sind bis Mitte/Ende 2025 in Deutschland bisher relativ wenige Förderzusagen erteilt worden – lediglich einige hundert Familien machten bislang Gebrauch von „Jung kauft Alt“. Kritiker führen das unter anderem auf die ambitionierten Sanierungsvorgaben und bürokratischen Hürden zurück, die viele Antragstellende abschrecken könnten. Die Bundesregierung hat daraufhin Förderbedingungen angepasst, etwa die energetischen Anforderungen gesenkt, um die Attraktivität zu erhöhen.

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