Kelkheim (ju) – Wahlsonntag, 18.01 Uhr – die Wahllokale sind geschlossen, die Bürgerinnen und Bürger haben gewählt, für sie ist der Tag beendet. Für die vielen ehrenamtlichen Wahlhelfer beginnt dagegen eine lange Nacht.
Quer durch die Stadt brannten in den Wahllokalen noch die Lichter, während draußen die Straßen längst still wurden. In Schulen, Vereinsräumen und Feuerwehrhäusern herrschte reges Treiben: Wahlurnen wurden geleert, Stimmzettel sortiert und gezählt, Protokolle geführt. Jede Stimme wurde mehrfach überprüft, jede Unterschrift akribisch kontrolliert – minutiöse Arbeit, die keine Fehler zulässt.
So läuft es ab
Im Vereinshaus Hornau war die Arbeit hörbar: das Rascheln der Zettel, das Kratzen der Kugelschreiber über das Papier, das leise Murmeln der Helferinnen und Helfer, die sich gegenseitig Fragen stellten oder neue Aufgaben abstimmten. Vor den sechs Helfern türmte sich ein Stapel aus pinken und grauen Wahlzetteln – pink für den Kreis, grau für das Stadtparlament. Mit geübten Händen wurden die Zettel entfaltet, sortiert und aufbereitet.
Die meisten Helferinnen und Helfer haben schon viele Wahlabende erlebt, doch jeder Wahltag ist neu: unvorhersehbar, spannend und fordernd. Heute geht es nur darum, die Stimmen der Kommunalwahl korrekt zu zählen. Vor den Helfern entstehen vier Stapel: Parteien, kumulieren und panaschieren, nochmal prüfen und ungültig.
Erfahrene Wahlhelfer wie Werner Jakobartl und Volker Dosch geben routiniert Anweisungen und sortieren die Zettel. Nachdem die vier Stapel vorbereitet sind, geht es ans „Eingemachte“: ein Stapel für die CDU, einer für die ukw, einer für die SPD und einer für die FDP. Die ungültigen Stimmen werden gezählt, protokolliert und beiseitegelegt.
Stapel für Stapel wächst der Vorrat an Zetteln, dann beginnt das eigentliche Zählen. In Zehnerschritten werden die Wahlzettel durchgegangen, stets nach dem Vier-Augen-Prinzip, jede Zählung wird von einer zweiten Person überprüft. „Hier herrscht Ordnung, nichts wird dem Zufall überlassen“, wird zwischendurch gewitzelt. Denn auch wenn die Arbeit volle Konzentration erfordert, darf gelacht und geplaudert werden. Und noch eine Information ist besonders wichtig: Jeder Bürger hat das Recht, bei der Auszählung dabei zu sein und sie als Beobachter zu begleiten – eine Chance, die nur wenige nutzen, obwohl sie ein Stück gelebte Demokratie ist.
Unten Ruhe, oben dampfen die Köpfe und Hände
Weiter geht die Reise ins Rathaus. Im Foyer sitzt die neue Wahlleiterin Jeanette Alterino und bedient den Bildschirm, der die neuesten Trends anzeigt. Hier unten herrscht gemütliche Ruhe. Einige Politiker haben es sich auf den Sesseln und Stühlen bequem gemacht, gelegentlich fällt ein Blick auf den Bildschirm. Die Stimmung ist entspannt gespannt, es werden Witzchen gerissen. Michael Trawitzki von der FDP freut sich über die 9 vor dem Komma, die auch am Ende, nach dem Kumulieren und Panaschieren, Bestand haben wird. „Mal so ganz gegen den Bundestrend“, wird gescherzt. Während also im Foyer gute Laune herrschte, herrschte eine Etage drüber das blanke Chaos – konnte man zumindest denken, wenn man den Plenarsaal betrat. Tische über und über mit Briefwahlunterlagen übersät, davor, dazwischen ehrenamtliche Helfer. Öffnen, sortieren, stapeln lautet die Devise. Mittendrin viele Stadtparlamentarier die sich gemeinsam mit Bürgerinnen und Bürgern engagieren. Etwas verzweifelt sieht Michael Hellenschmidt von der SPD aus. Nicht weil ihm das bisherige Ergebnis seiner Partei nicht passt, sondern weil beim auszählen etwas schiefgelaufen ist: mehr Zettel als Briefumschläge, „da stimmt was nicht, und jetzt müssen wir nochmal durchzählen“, so der ernüchterte Lokalpolitiker. Der am Ende dann aber wohl doch noch mit ziemlich guter Laune nach Hause gegangen sein dürfte, denn „seine“ Partei hatte neben der CDU vom ’Nicht-wieder-antreten’ der FW profitiert.
Während also draußen die Stadt schon lange schlafen gegangen war, herrschte in den Wahlräumen konzentrierte Geschäftigkeit, denn eines waren sich alle Helfer bewusst: Jedes Kreuz, jede Stimme war ein kleines Stück Demokratie, das hier mit Geduld und Verantwortung gesichert wurde. Zwischendurch ein kurzer Blick auf die Uhr, ein gemeinsames Durchatmen, ein kurzer Schluck Wasser oder Kaffee – kleine Pausen, die nötig waren, um die Konzentration aufrechtzuerhalten.
Es sind eben diese ehrenamtlichen Helferinnen und Helfer, die den Wahlprozess tragen – still, routiniert, verlässlich. Ohne sie gäbe es keine reibungslose Auszählung, kein korrektes Ergebnis, keinen funktionierenden Ablauf. In jedem Wahllokal wurde deutlich: Demokratie lebt von Menschen, die bereit sind, spätabends noch einmal alles zu prüfen, zu zählen und zu dokumentieren – Menschen, die dafür sorgen, dass jede Stimme zählt.
Der Montag nach der Wahl
Am Morgen danach war aber noch lange nicht Schluss. Jetzt ging es im Rathaus ans Kumulieren und Panaschieren. Eine Aufgabe, die volle Konzentration erforderte. In fast jedem Büro saßen die Teams, vor sich etliche Wahlzettel, Stift und Lineal, um ja kein Kreuz zu übersehen. Einer liest vor, der andere trägt die Anzahl der Kreuze für die Politikerinnen und Politiker der einzelnen Parteien in ein Computerprogramm ein. Dieses fügt am Ende alles zum Großen und Ganzen zusammen und brachte noch leichte Veränderungen zu dem Trend vom Vorabend.

