Kreativ, bunt und voller Bewegung: Mädchen drehen Trickfilm im Jugendzentrum

Mit viel Fingerspitzengefühl sind Zoey und Clara bei der Sache. In ihrem Film geht es um vier „Ausreißer“ die sich im Wald verlaufen und so einiges erleben.Fotos: Judith Ulbricht

Kelkheim (ju) – Das Licht flackert, Stifte kratzen über Papier, kleine Figuren wackeln auf einem Tisch, hier und da wird noch eine Requisite zurechtgerückt – und dann ein Klick: die Kamera des iPads schießt ein Bild. Wieder Klick. Wieder. Ein leises Kichern, wispernde Ratschläge und konzentriertes Murmeln erfüllt den Raum. Malyia (9), Zoey (14), Clara (10), Pia (10) und Hailey (10) stehen um ihre Trickkiste herum, jeder Handgriff sitzt, die Mädels wissen genau, was sie tun. So sah es aus an diesem Nachmittag im Kelkheimer Jugendzentrum Mitte, wo Mädchen im Alter von 9 bis 14 Jahren ihren eigenen Trickfilm erschufen.

Demokratie, Trickfilm und jede Menge Spaß

Das Workshop-Wochenende richtete sich an junge Filmemacherinnen, die hinter die Kulissen eines Trickfilms blicken wollten. Unter Anleitung von Sybille Schmitt vom Amt für Jugend und Integration und Jugendarbeiterin Katrin Dörr lernten die Mädchen, wie man aus einfachen Zeichnungen und kleinen Figuren bewegte Bilder macht. Die Trickfilmkisten, massive Holzkisten mit Beleuchtung und Innenausstattung, wurden vom Hofheimer Medienzentrum zur Verfügung gestellt. So richtige Laien waren wenige der Mädchen, viele hatten schon in Grundschule oder Ferienspielen Kontakt mit der „Trickfilm-Produktion“ gehabt – und Blut geleckt. Doch der erste Tag stand ganz im Zeichen des Handwerks, denn ohne die Gestaltung von Figuren, Requisiten und Equipment läuft gar nichts. Doch vor allem steht die Geschichte. Diese muss zunächst gemeinsam entwickelt werden: Welche Figuren spielen mit? Welche Abenteuer erleben sie? Dann entstanden Storyboards, die den Ablauf der Handlung skizzierten – quasi die Landkarte des Films. „Natürlich denken wir uns auch ein bisschen was dabei, wenn wir sich eigentlich fremde Mädchen zusammenbringen und sie sich gemeinsam einigen müssen auf eine Idee. Das ist ein Stück weit Demokratiebildung, hier lernen sie, aufeinander einzugehen, Ideen abzuwägen und eventuell einen Kompromiss zu schließen“, erläutert Petra Bliedtner, Leiterin des Amtes für Jugend und Intergration. Natürlich alles mit einer gehörigen Portion Spaß.

Ist dieser Prozess abgeschlossen, geht es ans Basteln und Animieren. Figuren aus Papier, liebvoll gestaltet, und kleine Requisiten werden in der Trickfilmbox arrangiert, ein iPad fixiert jede Bewegung. Jede winzige Veränderung der Figuren wird fotografiert – Bild für Bild, um später die Illusion von Bewegung zu erzeugen. Zwischendurch probierten die Mädchen verschiedene Kamerawinkel aus, experimentierten mit Licht und Hintergrundkulissen und entdeckten dabei, wie viel Geduld und Kreativität in einem Trickfilm stecken. Ein paar der Mädchen ziehen sich kurz mal an den Kicker zurück – Schaffenspause.

Stories mit Hintergrund

Im Nebenraum haben sich die etwas älteren Mädels eingerichtet. Sie sitzen gerade an ihren Sprechrollen, denn nach der Animierung müssen noch die einzelnen Charaktere eingesprochen werden. „Erst dann ist der Trickfilm richtig rund“, weiß Laura (12). Gemeinsam mit Valentina (12), Lillian (12) und Sophie (13) entstand „Der Spiegel der Seele“, ein Trickfilm über den Tod und die Erinnerung. Mehr sei noch nicht verraten, denn beide Trickfilme werden sich bei der Visionale Hessen 2027 bewerben, dem ältesten und größtem JugendMedienfestival in Hessen.

Jetzt müssen die Mädels aber nochmal ran. Die nächste Szene steht auf dem Storyboard: Mit jedem Klick rücken die Figuren ein Stück weiter, eine Bewegung hier, eine Bewegung dort, bis die Geschichte endlich zum Leben erwacht. „Wir haben jetzt eine Filmlänge von ungefähr 2.40 Minuten, das sind 775 Bilder, fünf Fotos sind eine Sekunde“, erklärt Lillian ganz abgeklärt. Am Ende eines langen Tages konnten die Teilnehmerinnen stolz ihren fertigen Kurzfilm auf dem Bildschirm sehen – ein kleines Meisterwerk aus Fantasie, Teamarbeit und technischem Können.

Der Workshop zeigte nicht nur, wie Trickfilme entstehen, sondern bot den Mädchen auch einen Raum, eigene Ideen umzusetzen, Geschichten zu erzählen und gemeinsam kreativ zu sein. „Ich fand, es war Wochenende voller Spaß, Konzentration und beeindruckender Ergebnisse“, zeigt sich Zoey zufrieden – und nicht nur sie scheint angekommen in der Welt des Films.

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