Literatur und Chanson im Rathaus: Mascha Kaléko kehrt für einen Abend zurück

Judith Jakob gibt Mascha Kaléko wieder eine Stimme.Foto: Schnabel

Kelkheim (ju) – Einen poetischen Abend zwischen Melancholie, Witz und Großstadtflair verspricht eine besondere Kulturveranstaltung im Kelkheimer Rathaus: Der Rotary Club Kelkheim lädt gemeinsam mit dem Kulturreferat der Stadt am Donnerstag, 26. März, zu einer musikalischen Lesung mit der Schauspielerin und Sängerin Judith Jakob ein. Beginn ist um 19 Uhr im Plenarsaal.

Im Mittelpunkt des Abends steht die deutsch-jüdische Dichterin Mascha Kaléko – eine der beliebtesten Lyrikerinnen der Weimarer Republik. Unter dem Titel „Die Nachtigall in meinem Garten schweigt“ verbindet Judith Jakob gelesene Gedichte mit vertonten Texten. Am Klavier begleitet sie der Pianist Joachim Jezewski.

Großstadtpoesie zwischen Leichtigkeit und Abschied

Mascha Kaléko, 1907 im damals österreichisch-ungarischen Galizien geboren und in Berlin aufgewachsen, wurde Anfang der 1930er Jahre schlagartig bekannt. Ihre Gedichte erschienen regelmäßig im legendären Berliner Tageblatt und machten sie zu einer literarischen Stimme der jungen Metropole: pointiert, ironisch und zugleich zärtlich. Sie schrieb über Liebe, Einsamkeit, Caféhäuser, kleine Angestellte und das Lebensgefühl einer Generation zwischen Aufbruch und Unsicherheit.

Oft wird Kaléko mit Erich Kästner verglichen – doch ihre Gedichte sind persönlicher, leiser und zugleich von feinem Humor durchzogen. Viele Leser erkennen sich bis heute in ihren Beobachtungen wieder: Alltagsszenen werden bei ihr zu kleinen Lebensweisheiten.

Mit der Machtübernahme der Nationalsozialisten endete ihre Berliner Karriere abrupt. Als Jüdin durfte sie nicht mehr veröffentlichen, 1938 emigrierte sie mit ihrer Familie in die USA, später lebte sie in Israel. Die Erfahrung von Heimatverlust und Exil prägte ihr Werk nachhaltig. Gerade in späteren Texten wird aus der heiteren Großstadtlyrik eine berührende, nachdenkliche Poesie über Erinnerung, Fremdsein und das Festhalten an Sprache.

Eine Stimme, die trägt

Judith Jakob ist nicht nur Rezitatorin, sondern auch ausgebildete Sängerin und erfahrene Bühnenkünstlerin. In ihrem Programm verbindet sie gesprochene Gedichte mit musikalischen Interpretationen. So entsteht kein klassischer Leseabend, sondern eine szenische Collage: mal kabarettistisch leicht, mal berührend still.

Das Zusammenspiel mit dem Pianisten Joachim Jezewski lässt Kalékos Texte wieder wie im Berlin der 1920er-Jahre erklingen – zwischen literarischem Salon, Chansonabend und persönlicher Erinnerung. Gerade diese Verbindung von Wort und Musik gilt als besonders geeignet, die Wirkung der Autorin erfahrbar zu machen, denn viele ihrer Gedichte besitzen einen fast liedhaften Rhythmus.

Rotary setzt Kulturtradition fort

Mit der Veranstaltung knüpft der Rotary Club Kelkheim an seine Reihe kultureller Abende an, die regelmäßig gemeinsam mit der Stadt organisiert werden. Ziel ist es, Kultur niedrigschwellig zugänglich zu machen und gleichzeitig lokale Projekte zu unterstützen. Auch diese Lesung steht im Zeichen bürgerschaftlichen Engagements.

Der Veranstaltungsort – der Plenarsaal des Rathauses – bietet dabei bewusst eine intimere Atmosphäre. Die Besucher sollen nicht nur zuhören, sondern in eine andere Zeit eintauchen: in das literarische Berlin der Zwischenkriegsjahre und in die poetische Welt einer Autorin, deren Texte bis heute erstaunlich modern wirken.

Karten

Die Lesung findet am Donnerstag, 26. März, im Plenarsaal des Kelkheimer Rathauses statt. Einlass ist ab 18 Uhr, Beginn um 19 Uhr.

Karten im Vorverkauf gibt es bei Violas Bücherwurm sowie in der Grünen Apotheke; Restkarten sind an der Abendkasse erhältlich. Der Eintritt beträgt 15 Euro.



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