Kelkheim(ju) – Vor einigen Wochen stand vor allem eine Frage im Raum: Kann eine Gemeinschaft einer Familie in einer Situation helfen, in der niemand die Krankheit aufhalten kann, aber viele Menschen etwas dazu beitragen können, die verbleibende Zeit leichter zu machen? Heute gibt es darauf eine Antwort.
Als die Kelkheimer Zeitung vor einiger Zeit über die Situation von Estafanie Schmidt berichtete, war die Resonanz groß. Viele Leserinnen und Leser spendeten, teilten die GoFundMe-Kampagne oder warfen Geld in das Sparschwein, das im Tuttolomondo aufgestellt worden war. Die Hoffnung war, Entlastung zu schaffen. Entstanden ist weit mehr als das.
Am Donnerstag wurde Estafanie 48 Jahre alt. Und ihre Familie hatte sich etwas Besonderes ausgedacht.
Damit sie nichts ahnte, wurde sie von ihrer Schwägerin nach Kelkheim zu Kaffee und Kuchen eingeladen. Währenddessen liefen die Vorbereitungen für eine Überraschung, die ihr Ehemann Miguel gemeinsam mit Familie und Freunden organisiert hatte. Im Tuttolomondo versammelten sich nach und nach die Menschen, die ihr besonders nahestehen: Schwägerinnen mit ihren Familien, ihre beste Freundin Antonella und deren Mutter, Tante und Onkel aus Frankfurt, die Schwester aus Hamburg sowie weitere enge Wegbegleiter.
Als Estafanie schließlich den Raum betrat, warteten dort all jene Menschen, die sie seit Monaten begleiten, mittragen und unterstützen. Es wurde gelacht, umarmt und natürlich auch geweint.
Besonders emotional wurde der Moment, als ihre Schwester Marcela das bekannte Sparschwein überreichte. Jenes Sparschwein, von dem viele Menschen in den vergangenen Wochen gelesen hatten und das im Tuttolomondo mit zahlreichen kleinen und großen Spenden gefüllt worden war. Mit dieser Überraschung hatte Estafanie nicht gerechnet.
Geschlachtet wurde das Schwein übrigens nicht. Es handelte sich um eine Leihgabe des Sohnes von Marcela. Die Aufgabe, den Inhalt zu bergen, übernahm schließlich Estafanies beste Freundin. Am Ende kamen allein im Sparschwein 1.010,77 Euro zusammen. Noch beeindruckender ist die Bilanz der gesamten Hilfsaktion. Auf der Plattform GoFundMe sind bis heute 10.030 Euro eingegangen. Eine Summe, die zeigt, wie viele Menschen die Geschichte von Estafanie berührt hat.
Für die Familie bedeutet diese Unterstützung ganz konkrete Möglichkeiten. Estafanie kann nun einen PET-Scan auf eigene Kosten durchführen lassen. Außerdem wird es möglich sein, Physiotherapie in Anspruch zu nehmen, um die Beschwerden und Belastungen der Chemotherapie besser abzufedern.
Und auch der Wunsch, gemeinsame Zeit zu schaffen, rückt in greifbare Nähe. In den Sommerferien wird die Familie für eine Woche nach Hamburg fahren. Dort haben Estafanie, ihr Mann Miguel, die Kinder, ihre Mutter und sogar der Familienhund ein Ferienhaus gemietet. Auch Marcela wird mit ihrer Familie dazustoßen. Es sind genau solche Momente, von denen bei der Spendenaktion von Anfang an die Rede war. Nicht große Wünsche, keine spektakulären Anschaffungen. Sondern Zeit miteinander. Erinnerungen. Augenblicke, die bleiben.
Als der ursprüngliche Aufruf veröffentlicht wurde, stand dort der Wunsch, dass Estafanie nicht nur kämpfen müsse, sondern auch leben dürfe. Die vergangenen Wochen haben gezeigt, dass viele Menschen diesen Gedanken geteilt haben.
Die Familie bedankt sich deshalb ausdrücklich bei allen, die gespendet, die Aktion weitergetragen oder auf andere Weise unterstützt haben. Aus einem Aufruf ist eine bemerkenswerte Welle der Hilfsbereitschaft geworden.
Und aus vielen einzelnen Gesten wurde etwas, das sich kaum in Zahlen ausdrücken lässt: das Gefühl, auf diesem Weg nicht allein zu sein.
