Naturbetrachtungen von Kelkheim und Umgebungdie „Hexen-Buchen“ in Kelkheim suchen

Sie sind auch bei uns zu finden: die Süntel-Buchen. Oberhalb des Reis stehen einige Exemplare.Foto: Klaus Schurian

Kelkheim (kez) – Kürzlich las ich eine Meldung über „Süntelbuchen“, aber mit dem Begriff konnte ich auch als Biologe spontan nichts anfangen. Auch eine Nachfrage bei Nachbarn ergab immer wieder ein „noch nie gehört“. Das machte mich stutzig. Doch im „Netz“ ( Wikipedia) war bald eine Antwort gefunden „Die Süntel-Buche, Fagus sylvatica var. Suentelensis, Schelle (1903)…“….“ ist eine seltene Varietät der Rotbuche“, also der Buche, die bei uns in jedem Wald zu finden ist. Sie zeichnet sich dadurch aus, dass die Bäume einen kurzen Stamm, verkrüppelte Äste, eine pilzförmige Krone und allerlei weitere Besonderheiten besitzen. Manchmal liegen Naturwunder direkt vor unserer Nase und wir gehen daran vorbei, ohne sie wahrzunehmen. Doch wie sieht bei uns die Süntelbuche aus? Gibt es sie? Ja, diese seltsamen Bäume kommen auch bei uns vor, nördlich von Hornau oder westlich der Sportanlagen am Reis und sind sogar eines der größten Vorkommen in ganz Deutschland.

Geht man von den Tennisplätzen nach Westen, dann stößt man bald auf die ersten Bäume. Sie sind sofort zu erkennen, denn sie wurden von HessenForst Beamten mit Bändchen gekennzeichnet. Der Name geht auf ein Vorkommen in Niedersachsen, auf einen Höhenzug im nordwestlichen Weserbergland, dem „Süntel“ zurück. Dort wurden die seltsamen Buchen jedoch vor langer Zeit ausgemerzt, da man mit ihrem Holz nichts anfangen konnte, sie taugten nicht einmal zu Brennholz.

Doch schon lange hatten die seltsamen Bäume das Interesse der Menschen geweckt. Denn ein ganz besonderer Baum war die Tilly-Buche bei Raden am Süntel, die Künstler zu Gemälden, Dichter zu Fabeln und Gedichten anregte. Sie ist wohl 1994 nach mehr als 250 Jahren Wachstum abgestorben und war sicher über lange Zeit die größte und schönste Süntel in ganz Deutschland. Aber der Feldherr Tilly (1559-1632) lebte deutlich früher, ist woanders begraben und kann somit auch nicht unter ihr geruht haben, wie der Volksmund glaubte.

Inzwischen kennt man sogar rotblättrige Bäume, die als Blut-Süntel-Buchen bezeichnet werden. Sie entstehen, wenn man Blutbuche und Süntelbuche miteinander kreuzt. Auch die Wissenschaft hat sich der

Bäume angenommen, wie mir Herr Bickel von Hessen Forst berichtete. Denn immer noch ist die Entstehung der eigenartigen Bäume unklar. Und Nachzuchten aus den Samen gelingen keineswegs immer. Die Forschung an den Hexenbuchen, die ökologische Nischen für Vögel, Insekten und Moose bietet, ist keineswegs abgeschlossen.

Mögen sie weiterwachsen und naturinteressierte Menschen mit ihrem Anblick zum Staunen und Nachdenken bringen.

Klaus Schurian



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