Kelkheim (kez) – Beim Privatgymnasium Dr. Richter (PDR) hat zum 1. September ein neuer geschäftsführender Direktor die Arbeit aufgenommen. Armin Häuser folgt auf Bernhard Heinz, der die Schule mehr als 13 Jahre lang geführt hat und seinem Nachfolger noch bis Ende September beratend zur Seite stehen wird. Aus gesundheitlichen Gründen endet Heinz’ Tätigkeit etwas früher als ursprünglich geplant.
Häuser bringt für seine neue Aufgabe reichlich Verwaltungserfahrung mit. Der 62-Jährige war von 2011 bis 2017 Bürgermeister von Bad Nauheim und zuvor Erster Stadtrat in Bad Nauheim und Nidda. Der CDU-Politiker ist zudem amtierender Vorsitzender des Wetterau-Kreistags. Nach seinem Ausscheiden aus dem Bürgermeisteramt übernahm er die Geschäftsführung des Kompetenzzentrums Telemedizin und E-Health des Landes Hessen.
Nun suchte Häuser noch einmal eine neue Herausforderung. „Ich arbeite gerne mit Menschen und führe gerne unterschiedliche Professionen zusammen“, beschreibt er seine Motivation. Auf das PDR sei er durch die Stellenausschreibung aufmerksam geworden. Dass er mit 62 Jahren noch einmal eine neue Aufgabe übernehme, sieht er mit Humor. Vielleicht, so sein augenzwinkernder Hinweis auf seinen Vorgänger, halte einen dieser Beruf tatsächlich jung.
Auch Bernhard Heinz ist mit seiner Nachfolge zufrieden. Knapp 20 Bewerbungen gingen ein, drei Kandidaten wurden zu Gesprächen eingeladen. Dass die Wahl schließlich auf Häuser fiel, war für Heinz eine gute Entscheidung, auch wenn er seinen Nachfolger vorher nicht persönlich gekannt hatte.
Vier Millionen Euro investiert
Heinz hinterlässt seinem Nachfolger ein gut aufgestelltes Haus. In den vergangenen 13 Jahren wurde am PDR kräftig investiert: Insgesamt kamen nach seiner Schätzung rund vier Millionen Euro zusammen. Mehr als die Hälfte davon floss in die gemeinsam mit der SG Kelkheim errichtete Turnhalle. Hinzu kamen unter anderem energetische Sanierungen, die Modernisierung von Klassen- und Fachräumen sowie der Küche, eine Erweiterung der Mensa, Photovoltaik auf dem Dach und teilweise Klimaanlagen. Auch ein Elektroauto soll künftig zum Fuhrpark gehören.
Weil der Platz knapp wurde, entstanden auf dem Schulgelände zudem vier zusätzliche Klassenräume in Containern. Eine weitere Baugenehmigung steht noch aus – auch damit wird sich der neue Direktor beschäftigen müssen.
Denn eine der größeren Aufgaben wartet bereits: Seit Jahren schwelt der Grundstücksstreit mit den Nachbarn. Das PDR möchte sich räumlich erweitern, unter anderem um den Schulhof zu vergrößern, die Anfahrt zu verbessern und größere Klassen-, Funktions- und Lehrräume schaffen zu können. Die Eigentümer der angrenzenden Grundstücke haben verschiedene Kaufangebote abgelehnt. Ein von der Stadt aufgestellter Bebauungsplan wurde erfolglos beklagt, inzwischen läuft ein Enteignungsverfahren beim Regierungspräsidium Darmstadt.
Häuser will dabei nicht mit großen Versprechen auftreten. „Ich werde sicher keine Wunder vollbringen“, sagt er. Gleichzeitig setzt er auf Gesprächsbereitschaft. Es wäre gut, noch einmal miteinander zu reden, findet der neue Direktor: „Gesprächsbereit sollte man immer sein.“ Eine Lösung, bei der am Ende nicht sämtliche rechtlichen Möglichkeiten ausgeschöpft werden müssten, wäre ihm lieber.
Mehr Schüler durch G9
Auch personell hat sich das PDR unter Heinz weiterentwickelt. Rund 70 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter arbeiten inzwischen an der Schule, viele davon in Teilzeit. Heinz selbst erlebte während seiner Amtszeit drei Schulleitungen: auf Irene Müller folgte Marion Polydore, seit zwei Jahren steht Dirk Wingenfeld an der Spitze.
Rund 640 Schülerinnen und Schüler besuchen derzeit das Privatgymnasium. Weil die Schule wieder zum neunjährigen Gymnasium (G9) zurückkehrt, wird die Schülerzahl bis zum Schuljahr 2030/31 noch um etwa 80 steigen. An der Vierzügigkeit soll sich dennoch nichts ändern. „Die Vierzügigkeit ist für uns ideal“, sagt Heinz.
Sein Nachfolger möchte nun zunächst zuhören und sich mit der Schulgemeinde austauschen. Kleine Klassen sollen ebenso ihren Stellenwert behalten wie ausreichend große und zeitgemäße Räume. Häuser sieht am PDR noch „Entwicklungsmöglichkeiten“ und damit einige spannende Aufgaben. Verwaltungserfahrung dürfte ihm dabei helfen: Als früherer Rathauschef hat er schließlich nicht nur politische und organisatorische Verantwortung getragen, sondern auch Mitarbeiter aus ganz unterschiedlichen Bereichen geführt – von Erziehern bis zum Bauhof.
Bernhard Heinz verabschiedet sich damit nach mehr als einem Jahrzehnt aus der Leitung des PDR. Er habe die Aufgabe stets „mit viel Herzblut“ gemacht. Sein Nachfolger bringt ebenfalls viel Erfahrung mit – und offenbar Lust darauf, noch einmal etwas Neues anzupacken. Als ehrenamtlicher Hospizhelfer und Fußballfan von Borussia Mönchengladbach dürfte Armin Häuser jedenfalls auch außerhalb des Büros einiges an Gesprächsstoff mitbringen.
