Neues Baugebiet „Hornau-West“: Wohnraum, Infrastruktur – und viele Fragen Der Frankfurter Bogen

Kelkheim (ju) – In Kelkheim steht ein Projekt an, das die Stadt für viele Jahre prägen dürfte: Mit dem Baugebiet „Hornau-West“ will die Kommune nicht nur dringend benötigten Wohnraum schaffen, sondern zugleich zentrale Infrastruktur wie eine neue Feuerwache und eine Kita auf den Weg bringen. Schon jetzt ist klar: Die Pläne werden die Kelkheimer Politik und Bürgerschaft intensiv beschäftigen.

Das rund 8,9 Hektar große Areal zwischen der Bahnlinie und der Fischbacher Straße soll Platz für rund 238 Wohneinheiten bieten – genug für etwa 570 Menschen. Geplant ist eine Mischung aus Mehrfamilienhäusern, Reihen-, Doppel- und Einfamilienhäusern. Wie Bürgermeister Albrecht Kündiger auf einem Pressetermin deutlich machte, kann es zu einer noch dichteren Bebauung kommen – heißt: Statt der bisher geplanten 40 Wohneinheiten pro Hektar könne auf bis zu 60 nachverdichtet werden. Hintergrund ist der neue Regionale Flächennutzungsplan (RegFNP), der vorsieht, Flächen in Mittelzentren wie Kelkheim effizient zu nutzen und die Verdichtung in bereits ausgewiesenen Baugebieten zu fördern. Durch die Verdichtung können mehr Wohnungen auf weniger Fläche entstehen, ohne dass zusätzliche Flächen im Außenbereich bebaut werden müssen. „Wir müssen mit den vorhandenen Flächen effizient umgehen und gleichzeitig den großen Bedarf an Wohnraum decken“, erläutert das Stadtoberhaupt.

Nicht alle drei Wehren stehen zur gemeinsamen Feuerwache

Ein Herzstück des neuen Quartiers soll die Feuerwache werden, die die Wehren aus Hornau, Mitte und Fischbach unter einem Dach vereinen soll. Die Gebäude der genannten Wehren gelten als nicht mehr zeitgemäß; ein Neubau ist seit Jahren ein dringendes Anliegen der Feuerwehr. Wobei auch hier keine Einigkeit herrscht: Die Fischbacher Wehr äußerte schon mehrmals den Wunsch, an ihrem alten Standort verbleiben zu können. Ergänzt wird das Gebiet durch Flächen für eine Kita, eventuelle Einrichtungen für Senioren sowie Grünbereiche, die als Treffpunkte und Erholungsräume dienen sollen. Bürgermeister Albrecht Kündiger macht deutlich, dass „Hornau-West“ eines der letzten großen Neubaugebiete im Außenbereich sein werde. „Danach ist Schluss – wir müssen den Flächenverbrauch begrenzen.“

Hitzige Diskussion im Ausschuss

Am vergangenen Dienstag rückte das Projekt erneut in den Fokus: Bei der Sitzung des Ausschusses für Planen und Bauen waren viele Zuhörerinnen und Zuhörer anwesend, um sich über den Stand der Planungen zu informieren. Stadtplaner Ronald Uhle und Verkehrsplaner Holger Ebert stellten das aktuelle Bebauungskonzept auf Basis der Variante 14 B vor (diese hatte das Parlament beschlossen), das unter anderem die Anbindung an die Fischbacher Straße, den Gagernring und die Regenwasserentwässerung und damit einhergehende verkehrstechnische Probleme genau untersucht hat.

Das Konzept

Das Konzept sieht Infrastruktureinrichtungen (Gemeinbedarfsflächen) wie zentralen Feuerwehrstandort, Kita, Seniorenwohnen von rund 14.000 m² vor, während für Wohnbebauung etwa 35.000 m² vorgesehen sind. Der Kindergarten und die geplanten Flächen für Seniorenwohnen sind laut Bürgermeister aktuell Platzhalter; ihr endgültiger Bedarf wird noch geprüft. Sollte die geplante Verdichtung stattfinden, könnten insgesamt rund 360 Wohneinheiten entstehen.

Zur Bewältigung von Regenwasser sollen zwei Rückhaltebecken angelegt werden, um die Niederschlagsmengen sicher in den Liederbach ableiten zu können. Außerdem sieht das Konzept eine neue Fuß- und Radwegeverbindung zwischen Möhrike Straße und Berliner Ring vor, um das Gebiet besser an die bestehende Bebauung und die Bahnhöfe anzubinden.

Im Bereich Verkehr hat sich gezeigt, dass ein Kreisverkehr an der Fischbacher Straße grundsätzlich realisierbar ist. Erste Abstimmungen mit Hessen Mobil ergaben keine grundsätzlichen Bedenken, allerdings muss die Leistungsfähigkeit des Knotens im weiteren Verfahren noch nachgewiesen werden. Auch ein Kreisverkehr mit Unterführung am Gagernring kann gebaut werden, allerdings sind aufgrund des Grundwassers spezielle Bauweisen nötig, die auch die Verlegung bestehender Kanäle erfordern, wie Verkehrsplaner Holger Ebert erläuterte. So müsse zum Beispiel aufgrund der Grundwasserverhältnisse das Unterführungsbauwerk als dichte Wanne ausgeführt werden, was so erheblichen Baumaßnahmen, aber auch zu erheblich höheren Kosten führen könne.

Politisch ging es nach der Vorstellung des Konzeptes hoch her. Dabei stand der geplante neue Regionale Flächennutzungsplan im Fokus der CDU. Jürgen Schnabel und Thomas Horn monierten, dass die vom Magistrat vorgelegten Pläne nur die ehemals geplanten 240 Wohneinheiten vorsehen. „Wir würden gern Pläne sehen, auf denen die eventuelle weitere Verdichtung deutlich wird“, forderte Schnabel. Horn hingegen wies darauf hin, dass man sich nicht an einem Plan orientieren solle, der aller Voraussicht nach erst gegen Ende des Jahrzehnts beschlossen werde. „Ich verstehe das als vorauseilenden Gehorsam“, so seine Kirtik. Dem erwiderte Kündiger, dass man, wenn man schon ein neues Baugebiet schaffe und Fläche versiegele, „auch so effizient wie möglich baue“. Jeder Quadratmeter, der versiegelt werde, solle sorgsam geplant sein. Er wies auch auf das städtebauliche Konzept des Frankfurter Bogens hin, dem sich Kelkheim angeschlossen hat, das eine nachhaltige, soziale, verdichtete Bebauung auf ausgeschriebenen Flächen vorsieht.

Patrick Falk (FDP) lenkte den Fokus auf die finanzielle Stemmbarkeit dieses Vorhabens, gerade im Hinblick auf die Verkehrsführung. „Die Straße und die Unterführung müssen wir selbst zahlen, da geht kein Weg dran vorbei“, mahnte er. Für ihn und seine Partei sei es essentiell, ob die Finanzierung überhaupt möglich sei, „denn wir wollen verantwortungsvoll mit den Steuergeldern unserer Bürger umgehen.“ Dieser Punkt war auch für Robert Wintermayr ausschlaggebend. „Es sind etliche Fragen offen, gerade was die Verdichtung anbelangt und hinzu kommt, dass wir nicht sagen können, wie die Finanzierungssicherheit aussieht.“

Wie schon erwähnt, steht auch weiterhin der gemeinsame Feuerwehrstandort zur Disposition: Fischbach möchte nicht mit, die Kosten sind nicht abschätzbar. Richte man den Blick nach Bad Soden, könne man sehen, wie Kosten für ein Feuerwehrhaus aus dem Ruder laufen können, gab Kündiger zu bedenken. Auch der angedachte Ausbau zu einem „Katastrophenschutzzentrum“ mit Polizei, Rettung und eventuell THW stehe weiterhin zur Diskussion. Die Polizei hatte sich dahingehend schon geäußert, dass man in Kelkheim froh sein könne, wenn die derzeit bestehende Direktion überhaupt erhalten bleibe. Aus dem Landratsamt kommt die Ansage, dass es zumindest bis 2030 keine Planung für ein solches Zentrum in Kelkheim gebe.

Dass eine Verdichtung kein ganz so großes Problem darstellen würde, gab Planer Uhle dem Ausschuss zu verstehen. „Wir würden bei der Erschließungsstruktur bleiben, allerdings würden ein paar Einfamilienhäuser wegfallen und der Geschossbau etwas höher werden“, so seine Expertise.

Am Ende einigte sich der Ausschuss, dass die Verwaltung einen 2. Plan erstellen lasse, in dem die Verdichtung eingeplant sei. Somit vertagte man sich auf die nächste Ausschusssitzung.

Fazit

Am Ende geht es bei „Hornau-West“ also um mehr als nur neue Wohnungen. Das Baugebiet bündelt zentrale Themen der Stadtentwicklung: die Versorgung mit Wohnraum, Investitionen in wichtige Einrichtungen wie Feuerwehr und Kita, die Umsetzung des Regionalen Flächennutzungsplans durch Verdichtung sowie die Debatte um einen nachhaltigen Umgang mit Flächen und die ungelöste Frage nach einem finanzierbaren Verkehrskonzept. Die gestrige Ausschusssitzung hat gezeigt, dass die Planungen in die finale Phase gehen, zugleich aber noch viele Details – etwa zu Verkehr und Infrastruktur – sorgfältig geklärt werden müssen.

Der Frankfurter Bogen ist ein städtebauliches Leitbild bzw. eine Planungsstrategie, die in der Region FrankfurtRheinMain angewendet wird. Kurz zusammengefasst lassen sich folgende Grundsätze festhalten:

Kurz gesagt: Der Frankfurter Bogen setzt auf intelligente Verdichtung, gute Infrastruktur, ökologische Nachhaltigkeit und lebenswerte Quartiere, anstatt das Umland weiter auszudehnen.



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