Zwischen Tannenduft und Taktgefühl

Von Christine Šarac

Bad Homburg. Als an diesem Freitag gegen 16.30 Uhr so langsam die Dämmerung heraufzieht, scheint es so, als strahlten die Lichter der Weihnachtsbeleuchtung noch heller. Die meisten Menschen, die einem jetzt auf den Straßen der Altstadt, der Ritter-von-Marx-Brücke und der Louisenstraße begegnen, haben fast alle das gleiche Ziel. Sie zieht es zum Schloss, denn dort eröffnet der Romantische Weihnachtsmarkt.

Die vertrauten Holzbuden, keiner weiß eigentlich so ganz genau, wie alt sie tatsächlich sind, verrät Ketty Urbani vom Stadtmarketing später bei einem Bummel über den Weihnachtsmarkt, leuchten wunderschön. Sie wurden in diesem Jahr erstmals mit beleuchteten Tannengirlanden geschmückt und verleihen dem Markt einen besonderen Zauber. Neben der Einfahrt zur Schlossgarage empfängt ein Rundbogen mit der Aufschrift „Weihnachtsmarkt am Schloss“ die Gäste. Das Kinderkarussell dreht sich schon, und die ersten kleinen Fahrgäste wetteifern darum, wer auf dem goldenen Pferdchen oder dem Polizeimotorrad sitzen darf. Die Eltern stehen am Rand, mit einer wärmenden Tasse Glühwein in der Hand, und winken.

Kurz darauf begrüßt Oberbürgermeister Alexander Hetjes die Gäste auf einer Tribüne im unteren Schlosshof stehend und freut sich „auf einen wunderschönen Weihnachtsmarkt an allen vier Adventswochenenden“. Zur Eröffnung sind weitere prominente Gäste gekommen wie Kurdirektor Holger Reuter, die Pfarrer Andreas Hannemann und Werner Meuer oder die Landtagsabgeordnete Elke Barth.

Die 72 Buden, die sich über den Platz auf der Schlossgarage, dem Parkplatz vor dem Schloss, dem unteren Schlosshof und rund um den Weißen Turm verteilen, lassen keine Wünsche offen. Die Klassiker, wie leuchtende Papier- oder Herrnhuter Sterne, gläserne Windlichter, Bienenwachskerzen, Holzarbeiten und Kinderspielzeug, sind ebenso dabei wie ausgefallener Schmuck, Seifen oder Keramik. Der Duft von auf dem Feuer röstenden Maronen mischt sich mit gebrannten Mandeln. „Die isländischen Lachsburger, die ein Pferdehof aus Wehrheim anbietet, sind auch immer sehr gefragt“, berichtet Ketty Urbani. Aus Spaß hätten sie 2019 begonnen und seien seitdem jedes Jahr dabei. Die Standfläche auf dem unteren Schlosshof, dort wo früher die Krippe aufgebaut war, die seit Corona in der Innenstadt steht, ist allerdings erst seit vergangenem Jahr bespielt. „Wir versuchen zwar, nicht zu viel Bewegung hereinzubringen, so dass jeder möglichst seinen Standplatz behält, aber manchmal geht es auch nicht“, so Ketty Urbani. Die meisten Aussteller seien schon viele Jahre mit dabei. „Die meisten wollen gern rund um den Weißen Turm stehen, aber die anderen Flächen sind auch ganz toll. Es ergeben sich Freundschaften unter den Ausstellern, man hilft sich gegenseitig, passt mal auf den Stand des anderen auf, wenn einer mal zur Toilette muss“, weiß sie.

„Der Homburger Hutsalon mit seinem Stand ist eine Institution“, so Urbani weiter. Einen Steinwurf entfernt gibt es eine Hütte mit vegetarischen Gerichten von „Apfelkern und Kolibri“, die einmal unweit in den Gassen der Altstadt zu finden waren und nun auf den Oberhof gezogen sind. Ja, sogar ein japanisches Restaurant aus der Waldstraße macht mit und bietet unter anderem heißen Sake oder Tee an. Dem Romantischen Weihnachtsmarkt gelingt der Spagat zwischen Tradition und Neuem. Wie aufs Stichwort formiert sich gerade ein musikalischer Walking-Act und spielt einen fetzigen Song, der so gar nichts mit Weihnachten zu tun hat – es muss ja nicht immer „Last Christmas“ sein. Den Leuten gefällt es, und einige tanzen sogar zur Musik.

Ein weiteres Highlight besonders für die Kinder ist die Dampfbahn Toni der Dampfbahngesellschaft Oberursel. Lokführer Peter Auer nimmt nach einem lauten Tuten seine großen und kleinen Gäste mit auf eine Fahrt rund um einen märchenhaften Wald mit geschmückten Tannenbäumen und Holzrehen. „Früher fuhr die Bahn hinter den Holzbuden entlang, doch 2019 hat meine Chefin Nina Gerlach die Bahn vor die Romanische Halle geholt“, berichtet Ketty Urbani.

Wer das gemütliche Ambiente einmal selbst erleben möchte, hat dazu an allen Adventswochenenden Gelegenheit. Freitags öffnet der Markt von 15 bis 21 Uhr, samstags und sonntags von 12 bis 21 Uhr.

Der Romantische Weihnachtsmarkt am Schloss lädt mit seinen festlichen Lichtern und Buden mit allerlei Kunsthandwerk, Geschenken und Kulinarik zum Stöbern und Verweilen ein.Foto: csc

Im oberen Schlosshof rund um den weißen Turm gibt es an den schönen, weihnachtlich geschmückten Buden viel zu entdecken.Foto: csc

Mit der Dampfbahn Toni eine Runde um den Märchenwald zu drehen ist nicht nur für die Kinder ein großer Spaß.Foto: csc

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