Kelkheim (ju) – In unserer heutigen Wegwerfgesellschaft gewinnt Upcycling immer mehr an Bedeutung. Es ist nicht nur eine umweltfreundliche Praxis, sondern auch eine Möglichkeit, unsere Kreativität zu entfalten und aus vermeintlich nutzlosen Materialien etwas Neues zu schaffen. Dass das gut funktioniert, bewiesen jetzt einige Jugendliche, die dem Angebot der Mobilen Jugendarbeit gefolgt waren und in der vergangenen Woche „aus alt mach neu“ praktizierten.
Kreative Werkstatt
Der Jugendtreff Mitte wurde so für einen Tag zur kreativen Werkstatt. Leon hatte sein altes Skateboard mitgebracht. „Mir hat die alte Folie, die unten drunter war, einfach nicht mehr gefallen“, gestand er. Also schnappte er sich Schraubenzieher und Schmirgelpapier und machte sich an die Arbeit. Räder ab, Fläche geschliffen und schon konnte es an den künstlerischen Teil gehen. „Wir hatten noch Spraydosen von einer früheren Aktion da, die hat sich Leon genommen und dann ganz eigenständig sein Board gestaltet“, berichtete Betreuerin Katrin. Mit dem Ergebnis war der 13-Jährige durchaus zufrieden, vor allen Dingen, weil er mit seinen eigenen Händen etwas geschaffen hat. Die Aktionen, die die Jugendarbeit während der Ferien für Teenager anbietet, findet Leon klasse. Er war schon mit im Kletterwald und hat sich fest vorgenommen, auch nach den Ferien öfter im Jugendclub vorbeizuschauen.
Schmuck selbst gestalten
Auch Ida (12) und Alisa (13) waren an dem Tag nicht untätig. Die beiden Schülerinnen hatten so einige Sachen mitgebracht, die nicht mehr so gefielen, aber durchaus noch aufgehübscht werden konnten. So zeigte Ida ganz stolz das orangefarbene T-Shirt, das total langweilig war und von ihr in eine Weste mit schicken Applikationen umgewandelt wurde. Auch eine alte Jeanshose bekam ein Makeover und wird von ihr jetzt wieder öfter getragen. Außerdem hatte sie von zu Hause Schmuck mitgebracht, der so von ihr nicht mehr getragen wurde. Aber mit den Materialien, die von der Jugendarbeit zur Verfügung gestellt wurden, und mit viel Geschick machte sie aus einem alten Armband ein tolles neues Schmuckstück. „Schmuck machen ist mein Hobby, ich bastel auch daheim viel selbst, von daher fand ich es toll, hier meine Kreativität einbringen zu können und aus Dingen, die ich nicht mehr nutze, etwas Neues zu kreieren“, freute sie sich. Alisa war ebenso mit Feuereifer dabei. Sie knüpft am liebsten Armbänder, aber auch sie hatte sich an die Um- und Neugestaltung von altem Schmuck gemacht. So werkelten die Mädels den ganzen Tag vor sich her und waren am Ende mächtig stolz auf das, was sie geschaffen haben. „Kelkheim ist eine Fairtrade-Stadt und deswegen liegt es uns am Herzen, auch den Jugendlichen klarzumachen, dass es nicht immer neu, neu, neu sein muss, sondern dass man aus Sachen, die man zu Hause hat, etwas Neues schaffen kann – für sich selbst oder eventuell sogar als Geschenk für Freundinnen oder die Mama“, erklärte Katrin den tieferen Sinn der Upcycling-Aktion.
Was ist Upcycling?
Viele denken jetzt vielleicht, was ist das nun wieder für ein neumodisches Wort und was versteckt sich konkret hinter Upcycling?
Upcycling ist nichts anderes als die Kunst, aus alten oder kaputten Gegenständen etwas Neues und Wertvolles zu machen. Im Gegensatz zum Recycling, bei dem Materialien in ihre Grundbestandteile zerlegt werden, geht es beim Upcycling darum, vorhandene Produkte aufzuwerten und anders zu verwenden. Hier sind einige Ideen:
Möbel und Dekoration:
• Aus alten Holzpaletten können stilvolle Gartenmöbel oder Regale gebaut werden.
• Aus alten Fensterrahmen können tolle Bilderrahmen oder Spiegel entstehen.
• Ausgediente Obstkisten machen sich hervorragend als Aufbewahrungsmöbel.
Kleidung und Accessoires:
• Aus alten Jeans lassen sich neue Taschen oder Rucksäcke schneidern.
• Alte T-Shirts können mit Stoffresten verziert und so zu einem einzigartigen Kleidungsstück werden.
• Aus alten Krawatten können trendige Haarbänder oder Schlüsselanhänger entstehen.
Kunst und Dekoration:
• Alte Gläser, Flaschen oder Dosen können als Vasen oder Kerzenhalter herhalten.
• Aus Zeitschriftenausschnitten oder alten Buchseiten können tolle Collagen gestaltet werden.
• Skulpturen können aus Metall- oder Holzresten gebaut werden.
Warum?
Doch warum ist Upcycling so wichtig? Weil es gleich drei Bereiche abdeckt – Umweltschutz, Kreativität und bewussten Konsum. Upcycling reduziert den Bedarf an neuen Rohstoffen und verringert somit die Umweltbelastung. Es verhindert, dass wertvolle Materialien auf der Mülldeponie landen. Außerdem können wir beim Upcycling unserer Fantasie freien Lauf lassen, es sind keine Grenzen gesetzt. Jedes Stück wird einzigartig und spiegelt die eigene Persönlichkeit wider. Und Upcycling ermutigt uns, bewusster mit unseren Besitztümern umzugehen. Wir schätzen Dinge mehr, wenn wir sie selbst gestaltet haben.
Insgesamt ist Upcycling eine Win-win-Situation: Die Umwelt wird geschont und wir haben gleichzeitig Spaß beim Erschaffen neuer Dinge. Also, einfach der eigenen Kreativität freien Lauf lassen und die Welt damit ein kleines Stückchen besser machen.


