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Biografie über Bischof Kaller vorgestellt

Autor Prof. Dr. Rainer Bendel übergibt das erste druckfrische Exemplar der Biografie Bischof Maximilian Kallers an Weihbischof Reinhard Hauke. Foto: Scholl

Königstein (gs) – Mit einem Pontifikalamt in der Pfarrkirche St. Marien am Vormittag, der anschließenden akademischen Feier in der St. Angela-Schule und der nachfolgenden Vesper am Nachmittag wurde am vergangenen Sonntag dem 70. Todestag von Bischof Maximilian Kaller gedacht. In Anwesenheit von Weihbischof Reinhard Hauke aus Erfurt, Beauftragter der Deutschen Bischofskonferenz für Vertriebenen- und Aussiedlerseelsorge, erfolgte zum Abschluss der Feierlichkeiten ein gemeinsames Gebet am Grab von Bischof Kaller.

Im Rahmen der akademischen Feier stand die Vorstellung der Biografie über Bischof Maximilian Kaller durch den Autor des Buches, Prof. Dr. Rainer Bendel, im Mittelpunkt. Bischof Kaller war der letzte deutsche Bischof des Bistums Ermland (Ostpreußen), der zum Ende des Zweiten Weltkrieges ebenfalls aus seiner Heimat vertrieben wurde und von 1946 bis 1947 zum päpstlichen Sonderbeauftragten für die deutschen Heimatvertriebenen ernannt wurde. Sein einst aufopferungsvolles Wirken für die Anliegen der Heimatvertriebenen war es, das mittels einer angestrebten Seligsprechung auch in der Zukunft entsprechend gewürdigt werden soll. Der Kommission, die sich um die geschichtliche Grundlagenforschung zum Wirken des Bischofs in Bezug auf die Seligsprechung beschäftigt, gehört auch Prof. Dr. Rainer Bendel an, der gemeinsam mit Dr. Hans-Jürgen Karp den Entschluss fasste, interessierte Mitmenschen an der historischen Aufarbeitung teilhaben zu lassen und aus dem zur Verfügung stehenden historischen Unterlagen die nun vorgestellte Biografie zu erarbeiten. In der voll besetzten Aula der St. Angela-Schule wurde die nun vorliegende Biografie im Rahmen der Gesamtfeierlichkeiten vom Autor selbst vorgestellt.

Nach kurzen Ansprachen von Bürgermeister Leonhard Helm, der auf das Wirken Kallers in Königstein und seine beständige Präsenz in der Stadt (z.B. Bischof-Kaller-Straße) Bezug nahm und von Norbert Bloch (Vorsitzender der Ermlandfamilie e.V.) war es an Prof. Dr. Bendel, sein Werk dem Publikum vorzustellen. Nimmt man die eingängige Erzählkunst von Prof. Dr. Bloch zum Maßstab, so handelt es sich bei der Biografie um ein informatives und umfassendes Werk über das Leben und Wirken von Bischof Kaller. Über die gängige Beschreibung seines Lebenslaufes hinaus befasst sich die Biografie schwerpunktmäßig mit den Nachkriegsthemen Alltagsseelsorge für die Vertriebenen, Sorge um den Priesternachwuchs und die Gesamtdeutung der Nachkriegssituation aus der Sicht Kallers. Maximilian Kaller, selbst als Bischof aus seiner Heimat vertrieben, sorgte sich schon sehr früh um die vertriebenen Deutschen aus den (früheren) Ostgebieten, die nicht nur ihr Hab und Gut, sondern auch ihre Heimat verloren hatten. Er sah es als zentralen Punkt an, den entwurzelten Menschen eine neue, seelische Heimat zu geben, um ihnen ein Leben „in der Fremde“ zu ermöglichen. Der Verlust von Familienangehörigen, die Flucht und das allgegenwärtige Elend hatten die Menschen traumatisiert und Bischof Kaller erkannte früh, dass die Menschen einer seelischen Stütze bedurften, um das erlittene Leid verarbeiten zu können. Er hatte stets ein offenes Ohr für ihre Nöte und half, wo er konnte – mit Worten und mit Taten. Nicht ohne Grund wurde Kaller zum päpstlichen Sonderbeauftragten für deutsche Heimatvertriebene. Ebenfalls große Sorge bereitete ihm der fehlende Priesternachwuchs. Die Notwendigkeit der intensiven Seelsorge forderte auch eine größere Anzahl von Seelsorgern. Sein Wunsch war es, Priester aus den Reihen der Heimatvertriebenen auszubilden, da diese die Sorgen und Nöte ihrer „Landsleute“ besser verstehen und einfühlsamer reagieren konnten. Kallers Deutung der Nachkriegssituation war schon sehr früh eine sehr realistische. Während viele Vertriebene noch lange auf eine spätere Rückkehr in ihre „alte“ Heimat hofften, vertrat Kaller schon früh die Einsicht, dass dies nicht möglich sein würde und strebte deshalb sehr früh die Integration der Vertriebenen in den westlichen Gebieten Deutschlands an. Eine Frage, die sich Kaller immer wieder stellte war die Frage nach der Geisteshaltung der „Deutschen“, die eine Diktatur erst ermöglicht hatte und nun, nach Kriegsende, nicht einfach verschwinden würde. Gedanken an Hass, Rache oder Gewalt galt es zu verhindern und den Menschen – vor allem den entwurzelten Vertriebenen – ein Mitgestaltungsrecht zu geben und ihre Einmischung zu erlauben. Bischof Maximilian Kaller dachte schon damals über Wege nach, die „Seelen der Völker“ zu vereinen und die verfeindeten Gesellschaften in Europa zu befrieden. Die von ihm angestrebte Kombination aus Erinnerungsarbeit und Friedenskultur zeigte auch später große Wirkung. Seine Gedanken fanden sich somit auch im europäischen Gedanken der Völkerverständigung wieder.

Der kurze Einblick, den Prof. Dr. Bendel in die Biografie Bischof Kallers gab, war sehr ergreifend und aufschlussreich. Zeigt sie doch das Bild eines zutiefst entwurzelten Menschen, der die Kraft besaß, seine Trauer um das Verlorene in Energie für den Neuaufbau einer Nachkriegsgesellschaft zu verwandeln. Es bleibt anzumerken, dass die Quelle seiner Kraft einerseits sein tiefer religiöser Glaube, andererseits sein Glaube an die Kraft im Menschen, Gutes zu tun, war. Nur wenige Exemplare des druckfrischen Buches standen am Ende zum Verkauf und die Nachfrage war, sicher auch dank des hervorragenden Vortrages, weitaus größer als das Angebot. Das erste Exemplar überreichte Prof. Dr. Bendel ehrenhalber an Weihbischof Reinhard Hauke, aber auch Bürgermeister Leonhard Helm durfte sich glücklich schätzen, ein Exemplar für das Stadtarchiv – oder viel lieber für die Stadtbibliothek – erhalten zu haben, so dass die Biografie auch den Königsteiner Bürgern in Zukunft zur Ausleihe zur Verfügung stehen wird.

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