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Familie Zehe: Auf den Spuren der Vorfahren in Königstein

Geschenk an das Stadtarchiv: Antonie Zehes Aquarell von 1897 zeigt die Burgruine vom Rande des heutigen Kurparks aus. Fotos: Colloseus

Königstein (mc) – Wir schreiben das Jahr 1642. Johann Adam Zehe aus Hainert bei Haßfurt in Franken wird in Königstein ansässig. Über mehrere Generationen hinweg betrieben die Zehes ihr Handwerk der Rot- oder Lohgerber in Königstein. Jakob Zehe (1781-1861) war zudem Ratsherr der kleinen Stadt. Spätere Generationen hinterließen bis zum Aussterben der männlichen Linie im Jahr 1912 ihre Spuren als erfolgreiche Kaufleute. Spuren, die in Königstein bis heute nicht verwischt sind.

Jetzt waren mit Roswitha Busch-Hofer aus Benediktbeuern und Sarah Kobler aus Regensburg Nachfahrinnen in der Stadt. Mit Manfred Colloseus, seinerseits einer alteingesessenen Königsteiner Familie angehörend, tauchten sie zwei Tage lang tief in den Brunnen der Vergangenheit ein.

Die 1873 in Königstein geborene und hier mit ihren vier Schwestern aufgewachsene Antonie Zehe, Großmutter von Frau Busch-Hofer, war mit dem Kunstmaler und Bildrestaurator Robert Hieronymi verheiratet, der 1909 das große Bildnis des Hl. Josef in der kleinen gleichnamigen Kapelle nahe des Friedhofs am Breulsweg schuf. (Über Hieronymi und sein Schaffen wird zu einem späteren Zeitpunkt informiert – heute sollen die beiden letzten Generationen um Martin und Jean Zehe im Mittelpunkt der Betrachtung stehen.)

Grundlage hierfür sind Aufzeichnungen der 1877 geborenen Margarethe (Meta) Zehe. Metas Ehemann, Dr. Carl Herrmann, und später deren Sohn Kurt waren über lange Jahre Chefärzte des St. Josef-Krankenhauses. Aus Metas 1947 verfassten Erinnerungen, sie starb 1971 hochbetagt, erfahren wir:

„Unser Großvater Martin Zehe (1810-1893) war eine allgemein angesehene und geachtete Persönlichkeit, streng, aber gerecht, sehr gebildet, sprach gut französisch.

Er hat durch Fleiß und Sparsamkeit die großen Vermögen und viel Grundbesitz erworben. Außer den beiden Häusern in der Hauptstraße (heute Rolly und Metzgerei Bender) gehörten ihm der ‚Geisberg‘, den er etwa 1880 an Herrn Albert Andreae verkaufte.“ Bei den beiden Häusern in der Hauptstraße handelt es sich um Haus Nr. 25 (heute u.a. Ladengeschäft „Obsteck“ mit Innenhof und früherem Garten bis zum Kurpark) und um Haus Nr. 18 (Herrenmoden Ernst).

Es folgt die Aufzählung weiterer Flurstücke in Zehes Besitz, ehe die Chronistin fortfährt: „Glanzpunkt war der wunderbare Garten zwischen Limburger Straße und Ölmühlweg, ein Paradies für uns Kinder … Da, wo jetzt der große freie Platz vor dem kürzlich abmontierten „heroischen“ Kriegerdenkmal ist, war ein alter tiefer Weiher mit Karpfen und ein kleinerer mit Goldfischen. Als wir nach Vaters Tod (Jean Zehe lebte von 1840 bis 1912) das ganze Terrain an die Stadt verkauften, wurden die Weiher zugeworfen und neue Promenadenwege angelegt.“ Zur Erläuterung sei vermerkt, dass es sich bei dem Garten um die heutige Hubert-Fassbender-Anlage handelt. Der auf einer alten Ansicht zu sehende Weiher befand sich auf dem Platz vor dem jetzigen Ehrenmal mit Opferschale. Die beiden erhaltenen Platanen haben sich zu zwei wunderschönen Exemplaren entwickelt.

„Im Magazin hinter dem Haus in der Hauptstraße war ein großes Lager von Öfen und Herden, Stab- und Bandeisen, Garten- und Ackergeräten, sogar Leder wurde verkauft, später kamen viele Haushaltsartikel dazu, Emaillegeschirr in allen Größen und Formen, eiserne Pfannen und Bräter und alle möglichen Maschinen. Alle Kolonialwaren gab es nach wie vor in besten Qualitäten, ebenso Zigarren und Tabak. Von den Dörfern des hinteren Taunus und der ganzen Umgegend kamen die Leute gerne zum Einkaufen hierher.“

Die Kindheitserinnerungen Meta Zehes vermitteln ein eindrucksvolles Bild Königsteins im 19. Jahrhundert: „Wenn man mit dem vom alten Boller gelenkten gelben Postwagen den vereisten Sodener Berg hinunter fuhr, konnte man allerlei Abenteuer erleben. Wenn eins von uns Kindern Mama auf einer Einkaufstour begleiten durfte, so war das ein großes Ereignis und der Höhepunkt war, wenn wir bei Butschly auf dem Goetheplatz Chokolade mit Schlagrahm und einen dicken Mohrenkopf oder eine Portion Eis verzehren durften. Hier in Königstein gab es ja weder ein Café noch eine Konditorei … Als ich schulpflichtig wurde, gab es nur die Volksschule, aber nachdem ich diese ein Jahr lang besucht hatte, wurde die Ursulinenschule gegründet, zu deren ersten Schülerinnen ich zählte. Infolge des Kulturkampfes durften die Ordensfrauen ihr Klostergewand nicht tragen, sondern gingen in einfacher weltlicher Kleidung bis zum Jahr 1891. – Dass ich selbst 1877 hier nicht getauft werden konnte, was erst einige Monate nach meiner Geburt in Bad Soden nachgeholt wurde, war eine Folge der harten Bedrückung der katholischen Geistlichen.“

Zehes waren sehr gottesfürchtig. Dekan und Kirchenrat Martin Staudt, ein Onkel Martin Zehes, war von 1804-1842 Königsteiner Stadtpfarrer. Als das Kapuzinerkloster per Dekret des protestantischen Landesherrn, Herzog Friedrich August von Nassau, 1813 aufgehoben wurde, war es die Familie Zehe, die den aus dem Kloster vertriebenen Guardian, Pater Servatius Therbu, bis zu seinem Tod bei sich aufnahm. Sein auf dem Kirchhof von St. Marien erhaltenes Grab wird bis heute von Mitgliedern der Kolpingfamilie gepflegt.

Frau Busch-Hofer übergab Manfred Colloseus als Gastgeschenk ein Aquarell ihrer Großmutter Antonie Zehe aus dem Jahr 1897. Es zeigt die kleinen Fachwerkhäuser am Rande des Kurparks und im Hintergrund die Burg-ruine. Das Bild wird in den nächsten Tagen in den Besitz der Stadt bzw. des Stadtarchivs übergehen.

Jean Zehes Auto war eines der ersten auf Königsteins Straßen. Das Foto von 1902 zeigt ihn am Steuer. Dazu mit Hut Schwiegersohn Robert Hieronymi, drei der fünf Töchter und auf der Kühlerhaube Enkel Kurt Herrmann.

Roswitha Busch-Hofer und Sarah Kobler vor der St. Josef-Kapelle.

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