Königsteiner Kurbad: Kräfte für den Erhalt formieren sich

Gehen neue Wege, um den Bürgerwillen zu erfassen und durchzusetzen: v.li. Tilmann Stoodt, Kerstin Jäckel, Dr. Ilja-Kristin Seewald, Thomas Villmer. Bürgermeister Leonhard Helm (re.) nimmt die Unterschriftensammlung entgegen. Ganz hinten Mitte: Horst-Günther Falkenhan, flankiert von den Herren der jeweiligen Crowdlending Firmen. Foto: Stehle

Königstein (dea) – Vergangenen Mittwoch war es endlich soweit. Die von langer Hand im Vorfeld gut vorbereitete Unterschriftensammlung zum Zwecke eines Bürgerbegehrens hatte die notwendige Zehn-Prozent-Marke der wahlberechtigten Königsteiner Bürger mit 1.279 Unterschriften ausreichend gesprengt und war damit endlich übergabereif. Doch die Initiatoren der Aktion, Dr. Ilja-Kristin Seewald, Horst-Günther Falkenhan, Tilmann Stoodt, Kerstin Jäckel und Thomas Villmer, hatten noch zwei weitere Asse im Ärmel. Die Funktion zweier jungen Herren, die der Übergabe beiwohnten, wurde aber erst später im Laufe der Übergabeaktion bekannt gegeben.

In der Ansprache von Dr. Ilja-Kristin Seewald an den Bürgermeister, wies diese explizit darauf hin, dass diese Initiative mit dem Zweck, ein rechtlich bindendes Bürgerbegehren als Resultat zu liefern, nichts mit Parteipolitik zu tun habe, sondern man als Königsteiner Bürger mehr dazu beitragen wolle, als nur mit Ja oder Nein eine simple Entscheidung der Bürger zu dokumentieren. Um das Kurbad Königstein, welches aus der Sicht dieser Initiative ein wichtiger Baustein der Daseinsvorsorge darstellt, zu retten, habe man sich dafür entschieden, hier Nägel mit Köpfen zu machen. Nachdruck verleihen, wolle man darüber hinaus auch der Tatsache, dass weitaus mehr als die erforderlichen zehn Prozent der Unterschriften im Ordner übergeben wurden. Dazu Dr. Seewald: „Da sehr viele Gäste und Besucher der Stadt sich ebenfalls in unsere Listen eintragen wollten, um mit ihrer Unterschrift, ihrem Wunsch Ausdruck zu geben, dass das Bad erhalten und saniert wird, haben wir extra Listen (Sympathisanten-Listen) für sie erstellt. So kommt es, dass wir 4.013 Unterschriften insgesamt abgegeben haben, wovon 2.734 Unterschriften von nicht wahlberechtigten Bürgern stammen.“

Im Bürgerbegehren – als demokratisches Instrument, dem Willen des Bürgers Ausdruck und Nachdruck zu geben und diesen an wichtigen Entscheidungen direkt zu beteiligen – sollte auch herausgefunden werden, ob in diesem Zusammenhang die geplante „Paketlösung“, bestehend aus Wiesengrundstück neben dem Kurbad und weiteren Grundstücksverkäufen – ohne den Verkauf von sozialen Einrichtungen (wie z.B. dem Jugendhaus), vom Bürger gewünscht ist, um eine Finanzierung zu realisieren. Da immer wieder die negativen Erfahrungen mit Finanzierung des Hauses der Begegnung (HdB) als klassisches Argument der Kurbadgegner ins Feld geführt würden, wollten die Vertrauenspersonen dieser Initiative wissen, ob man sich als Bürger mit im Vorfeld festgelegten zehn Millionen Euro arrangieren könne. Doch damit nicht genug, kamen die Königsteiner Kurbadbefürworter noch auf die Idee, den Landrat, Ulrich Krebs, zu fragen, ob zur Kurbadfinanzierung Darlehen privater Natur generell möglich seien. Das „Go“ vom Landrat für diese Finanzierungsform sei daher definitiv als großer Erfolg zu werten, freute sich Dr. Seewald bei der offiziellen Vorstellung der Ergebnisse dieser bisher einzigartigen Aktion.

Neue Wege gehen konnte man aufgrund dieser Erlaubnis „von oben“, auch was die Form der privaten Finanzierung betrifft. Ebenfalls noch nie dagewesen sei in diesem Zusammenhang die Einbindung von Fachkräften, die mit dem Thema „Leih deiner Stadt Geld“ oder auf Englisch „Crowdlending“ bereits positive Erfahrung sammeln konnten. Genauer gesagt wurden die Firmen „Crowddesk“ und „bettervest“, ins Spiel gebracht, die sich mit der Königsteiner Finanzierungsproblematik im Vorfeld beschäftigt haben und dazu in der Lage sind, diese zusätzliche „private Säule“ in der Kurstadt zu einem stabilen Träger zu machen. Mehr zu diesem Thema wolle man die Öffentlichkeit in wenigen Wochen explizit informieren.

Was die bereits erwähnte bürgerfinanzierte Säule betrifft, so informierte Horst-Günther Falkenhan, dass diese Idee nicht neu sei, denn Leonhard Helm brachte bei der Finanzierung des Hauses der Begegnung diese bereits ins Gespräch. „Wir haben nun die große Chance, dass es jetzt zustande kommt“, konstatierte er voller Hoffnung.

Für den Königsteiner Bürgermeister Leonhard Helm war die Unterschriftenübergabe aus Sicht einer Pro- und Kontra-Entscheidung für Erhalt und Sanierung des Kurbades kein rotes Tuch: „Wir haben ja bereits bei der Stadtverordnetenversammlung 2014 die Erhaltung grundlegend besprochen“, so Helm. „Spannend“ fand er allerdings die Idee der Bürgerfinanzierung und fand lobende Worte für diese Idee: „Ich bin froh, dass es junge Leute gibt, die anpacken und neue Wege gehen. Aus meiner Sicht ist das sehr positiv.“ Zuversichtlich äußerte er sich auch über den Erfolg des Bürgerbegehrens: „Aus der Summe der Dinge können wir sicher eine gute Gesamtlösung hinbekommen, da es keinen Widerspruch zwischen Bürgerwunsch einerseits und den Stadtverordneten und dem Magistrat andererseits gibt.“ Zusammenfassend formulierte der Rathauschef: „Ich halte es für besser und möglich, dass eine Lösung vor dem Entscheid gefunden wird, um den bisher dokumentierten Bürgerwillen zu erfassen und umzusetzen.“



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