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„Die Menschen glauben heute anders“

Das Team Maria Himmelfahrt im Taunus unterwegs. Rechts im Bild Gemeindereferentin Elisabeth Buddeus-Steiff, die ihr 25-jähriges Dienstjubiläum feiert.

Königstein (el) – Heutzutage ist alles in Bewegung und doch sehnen sich die Menschen nach Stille und nach Orten, an denen sie sich geborgen fühlen und neue Kraft für ihr weiteres Leben tanken können. Für manche kann die Kirche ein solcher Ort sein, aber nicht ausschließlich. Das ist etwas, was Elisabeth Buddeus-Steiff den Menschen, die sie aufsuchen, versucht zu vermitteln. „Es geht mir darum, Menschen dahingehend zu begleiten, dass sie das finden, was sie brauchen“, so die Gemeindereferentin. Dabei gehe es nicht nur um die Anwesenheit in der Kirche, sondern den Menschen dabei behilflich zu sein, herauszufinden, welche Räume es noch für sie gibt, die ihnen gut tun und die sie stärken. Buddeus-Steiff zu ihrem Auftrag, der stark geprägt ist von den Lebensumständen unserer Zeit: „Die Worte ‚muss‘ und ‚sollte‘ fallen weg.“

Dieses ehrliche Interesse an den Menschen und ihren Sorgen und Nöten hat Elisabeth Buddeus-Steiff schon früh als eine Art Aufgabenstellung an sich selbst und erst später im Sinne der Gemeinde empfunden. Aufgewachsen in einem kirchlich-katholisch geprägten Elternhaus im Frankenland, hatte sie schon in frühen Jahren viel Freude an der kirchlichen Kinder- und Jugendarbeit, sammelte fleißig für die Caritas in ihrer Heimatstadt Hof. Zwei Jahre nach ihrer Erstkommunion habe die Mutter entschieden: „Jetzt kannst Du alleine gehen.“ Die Freude am Helfen war ihr innerer Begleiter und Antrieb zugleich, sich auf den Weg zu machen. Als sie auch noch der örtliche Kaplan stets mit den Worten konfrontierte, „das interessiert ja nur Dich“ verstand sie es als eine Herausforderung, die angenommen werden musste.

Was folgte, war eine dreijährige Ausbildung zur Gemeindereferentin an der katholischen Fachhochschule in Mainz. Der Anfang eines Berufsweges, der jetzt, am 15. August, um 18.30 Uhr im Rahmen des Pfarreigottesdienstes von Maria Himmelfahrt mit der Verleihung der silbernen Bistumsmedaille zum 25-jährigen Dienstjubiläum gekrönt wird. Die Verleihung wird von Diözesanreferentin Angelika Brodherr vorgenommen.

Der Weg nach der Ausbildung war ein klar strukturierter. Nach dem Abschluss, der sie als Religionspädagogin FH auswies, folgte die Aussendung als Gemeindereferentin. Den Satz, der weite Strecken ihrer beruflichen Laufbahn prägen würde – „Ich sende Dich und jetzt geh“ – und vor 23 Jahren bei ihrer Aussendungsfeier gefallen ist, hat sie verinnerlicht und zu so etwas wie ihrem Credo gemacht. Sie habe losgehen wollen, um auf andere Menschen zugehen zu können, erklärt die Gemeidereferentin, die vor der Aufgabenstellung in Königstein mit Wiesbaden (St. Andreas), Idstein (St. Martin) und Waldems (St. Thomas) drei weitere Stationen durchlief. Aber keine Angst: Alle, die Elisabeth Buddeus-Steiff als Ansprechpartnerin mit Herz kennen und schätzen gelernt haben, werden auch weiterhin ihr Angebot der Einzelseelsorge wahrnehmen können. Denn trotz Heirat vor wenigen Wochen wird sie auch weiterhin der Pfarrei Maria Himmelfahrt und ihren Gemeindemitgliedern treu bleiben. So viel ist sicher.

Schließlich werden sie und das gesamte Team an Seelsorgern in Zukunft gebraucht. Ihr Aufgabengebiet ist breit gefächert und es ist einiges in den vergangenen Jahren hinzugekommen.

So übernimmt Buddeus-Steiff außer der bereits erwähnten Seelsorge für Einzelne alles, was mit Gemeindearbeit zu tun hat, beginnend mit der Organisation der Hauskommunion in der Pfarrei, das Senioren- sowie das Frauenpastoral, das Diakonische Pastoral, die Eine-Welt-Arbeit, die Flüchtlingshilfe und die Begleitung der Freiwilligen in der Pfarrei. Allein 30 Beerdigungen hat sie im vergangen Jahr vom Kondolenzgespräch bis hin zur Trauerfeier und Beisetzung übernommen. Um mit den vielfältigen Aufgaben Schritt halten zu können, ist auch das Team an Seelsorgern größer geworden.

Waren anfangs nur der Pfarrer und Elisabeth Buddeus-Steiff für die Gemeindemitglieder zuständig, so steht heute ein siebenköpfiges Team zur Verfügung. Schließlich müssen im Rahmen der Caritas- Arbeit bzw. des Diakonischen Pastorals auch Besuchsdienste geleistet werden. Dabei kann auf ein großes Netzwerk zurückgegriffen werden. Und das ist auch gut so, denn wer denken würde, dass es hier in der Gegend nicht so viele arme Menschen gibt, der irrt, so die Gemeindereferentin. Die Armut habe hier nur einen anderen Namen, sagt sie. Hier besteht ihre Aufgabe darin, die betroffenen Menschen aus ihrer Armut herauszuholen, mit ihnen einfühlsame Gespräche zu führen, die Trost spenden und ihnen wieder Hoffnung geben.

Ihr gehe es darum, Menschen an den Glauben heranzuführen. Dabei sei sie jedoch kein „Therapeut“, wie die Jubilarin betont. Was sie biete, sei eine biblische Ansprache für die jeweilige Lebenssituation. Wer für andere da ist, wie es Elisabeth Buddeus-Steiff bereits ein Vierteljahrhundert lang praktiziert, der muss auch auf sich selbst achten und seine eigenen Bedürfnisse wahrnehmen. Deswegen nimmt sie auch regelmäßig an Exerzitien teil, die ihr zu einer intensiven Begegnung mit Gott verhelfen.

Diese Tiefe brauche sie für ihre Arbeit.

Oftmals würden Menschen zu ihr sagen: „Beten Sie für mich.“ Dahinter steckt die Hoffnung, dass das Gebet noch besser wirken würde, wenn es bei einem anderen gut aufgehoben sei. Auch wird sie oftmals gefragt: „Wo erleben die Menschen Gottesdienst?“ Die erstaunliche Antwort: „Nicht nur in der Kirche.“ Eine ähnlich spirituelle Erfahrung könne auch eine Stunde im Altenheim mit sich bringen. Denn das Antlitz Gottes sei überall und Gott sei in jedem Menschen lebendig.

Kontaktfreudigkeit, echtes Interesse an den Menschen – all diese Eigenschaften hat Elisabeth Buddeus-Steiff in ihre damalige Ausbildung eingebracht und kann auch heute noch davon schöpfen. Damals sei auch die Studienzeit eine andere gewesen – eine Zeit des Frauenaufbruchs, ein Bild, das heute selbstverständlich geworden sei. Bedauerlich sei allerdings, dass in diesen Tagen zwar circa 20 neue Auszubildende an der Fachschule in Mainz begrüßt würden, darunter jedoch keine aus dem Bistum Mainz.

In Zukunft wird es ihr und dem Team an Seelsorgern innerhalb der Pfarrei auch darum gehen, Menschen Räume zu öffnen, wo sie Gott und sich selbst begegnen können – auch außerhalb der Kirche. Die Erkenntnis ist da: „Heute wird anders geglaubt.“ Sie möchte die Menschen begleiten, damit sie das finden, was sie brauchen, sagt die Gemeindereferentin.

Es gehe nicht nur um die Anwesenheit in der Kirche, sondern vielmehr um die Frage „welche Räume gibt es noch?“, deren größtes Vorbild in der kirchlichen Arbeit eine ehemalige evangelische Dekanin ist, mit der sie zusammen einen Hospiz-Verein in Idstein gegründet hat.

Übrigens: Wer Elisabeth Buddeus-Steiff zu einem Gesprächstermin aufsuchen möchte, der muss einfach nur zum Hörer greifen und die Telefonnummer 06174/2550530 wählen. Feste Sprechzeiten gibt es nicht. Die seien auch nicht mehr zeitgemäß, sagt sie.

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