Falkenstein begrüßt den Mai mit Tanz, Gaudi, einer super Stimmung – und Königin Victoria I.

„Lilo“ Majer-Leonhardt holte für ihren Tisch am TSG-Weinstand bei Ötztürk Görgülü und Robert Glässer eine Flasche Grauburgunder.

Falkenstein (as) – Der Wonnemonat Mai wird in Königstein standesgemäß begrüßt. Da reichen keine zwei Großveranstaltungen am Feiertag in Mammolshain! Nein, da tanzt man auch noch richtig zünftig, bayerisch hinein in den Mai. Der Tanz in den Mai der Falkensteiner Vereine in ihrem Bürgerhaus gilt als die größte Saalveranstaltung des Jahres in der Stadt, noch vor der Fastnacht. Sie verbindet allerlei Gaudi, Jahrmarktstände mit gutem Essen und Trinken und erreicht damit alle Generationen. 260 Erwachsene und 140 Kinder und Jugendliche wollen in diesem Jahr wieder dabei sein: ausverkauft! Auch einige Dirndel und Trachtenanzüge wurden gesichtet. Selbst ein kleiner Maibaum fand in der von rund 30 Helfern der Vereine hübsch herausgeputzten „Gud Stubb“ Falkensteins Platz. Gegenüber den meist süddeutschen Maibaumfesten fehlte es an nichts!

Befürchtungen, dass der Feiertag am 1. Mai und das lange Wochenende zum Kurzurlaub einladen würden und sich auf die Besucherzahl bei der elften Auflage des Fests auswirken könnte, waren offenbar unbegründet. „Ich hatte Bedenken, dass alle über die Berge sind“, lachte Michael Danzer, 1. Vorsitzender des Mandolinenclubs Falkenstein, und ließ sich gerne eines Besseren belehren. Vielmehr waren die Leute oben auf dem Berg und auch am Stand der Mandoliner, wo Tegernseer Hell ausgeschenkt wurde, zum Brez’n, für Hartgesottene auch Jägermeister. Nebenan bei der Freiwilligen Feuerwehr gab es die feste Grundlage. Um halb zehn waren von den 60 Frikadellen nur noch vier übrig, von den 160 Rindswürsten auch schon mehr als 100 weg. „Es läuft gut“, freute sich Wehrführer Ulrich Hofmann. Und auch die leckeren Quiches – klassisch oder mit Spinat – beim Partnerschaftsverein Falkenstein–Le Mele verkauften sich blendend. Kein Wunder, dass bei „Wahnsinn“ von Wolfgang Petry oder „Daddy Cool“ von Boney M. – live gesungen vom wandlungsfähigen Trio Extrem – auch schon zu „früher“ Stunde die ersten Tänzchen gewagt wurden.

Wer etwas Ruhe brauchte, wechselte an die Weinbar der TSG im Nebenraum. Da war die Bürgermeisterin Beatrice Schenk-Motzko mit Familie zu sehen oder auch die frühere Ortsvorsteherin Lieselotte Majer-Leonhard. „Die Veranstaltung gehört einfach dazu all die Jahre“, sagte „Lilo“ und freute sich, „welche Stimmung und Atmosphäre in einem an sich nüchternen Raum entstehen kann.“

Zur Stimmung gehört das Spiel, der Wettbewerb und der Kampf um die Ehre. An den Spielstationen hatten nicht nur die scheinbar nimmermüden Kinder ihren Spaß, sondern auch viele Ältere. Dosenwerfen beim Heimatverein, Schießen beim MGV Falkenstein (nur mit ausdrücklicher Erlaubnis der Eltern selbstverständlich) und Bierkrugschieben beim Bund der Vertriebenen. „Die Preisschießen haben bei uns Tradition, auch bei unseren Kellerfesten auf der Burg haben sie immer stattgefunden“, erzählte Markus Schleicher, Vorsitzender des MGV, als er das Gewehr an Alex weiterreichte und mit der Hand ein wenig fixierte. Prompt traf der Siebenjährige aus Falkenstein mitten ins Schwarze bzw. in die weiße Hülse in der Mitte des Zielkreises und durfte – zu recht stolz wie Oskar – ein Kunststoff-Blumensträußchen mit nach Hause nehmen. Auch mit dem Bierkrug stellten sich die Kinder, ihr Zielkreis auf der nachempfundenen Curlingbahn war bereits auf halber Strecke. Die Erwachsenen mussten natürlich die komplette Bahnlänge von rund sechs Metern überwinden, was aber – Selbsttest des Reporters – durchaus zu schaffen war. Für das Treffen des „Hauses“ gab es dann einen Schnapskrug zum Umhängen, als Trostpreise Gummibärchen.

Der protokollarisch einzige Programmpunkt des geselligen Abends wurde dann etwas nach vorne verlegt von Mitternacht auf kurz nach 22 Uhr. Jörg Pöschl hatte die Aufgabe, Falkensteins neue Maikönigin zu verkünden. Beim royalen Regieren in Königstein hat das Bergdorf seit zwei Jahren etwas mitzureden. Neue Maikönigin ist Victoria I., bürgerlich Victoria Schleicher, sie kam flankiert von ihren beiden Vorgängerinnen Tamara I. und Julia I. (aus Schneidhain) auf die Bühne und ist, am Namen unschwer zu erkennen, die Tochter des MGV-Chefs. „Es wird ein gutes Jahr, es ist eine große Ehre“, sagte die 32-Jährige, die sich darauf freut, bei vielen Feiern anderer Vereine in ihrer offiziellen Rolle dabei sein zu können. Darauf wurde mit einem Glas Crémant, gereicht von Steffi Schulte, der Chefin des Partnerschaftsvereins, angestoßen.

Und gleich darauf spielte Extrem die Partyhymne „Sweet Caroline“, ein passender Song zum Vornamen Victoria war nicht verfügbar, was aber auch niemanden störte, denn jetzt war endgültig Partyzeit – bis weit hinein in den 1. Mai.

Was noch ein Gesprächsthema war an den Tischen und bei den Vereinen: Alle hoffen, dass das Bürgerhaus doch noch nicht direkt nach der Fastnacht im kommenden März abgerissen wird, sondern auch zwei Monate später noch verfügbar ist. „Mal schaun, in sechs Wochen wissen wir mehr“, meint einer, der es am ehesten wissen muss, Erster Stadtrat Jörg Pöschl. Dass sein Herzensfest – wo auch immer – auch 2027 stattfinden wird, da kann man sich schon fast sicher sein.

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