Interessante Einblicke in die Falkensteiner Kirchengeschichte

Obwohl die Kirchengeschichte Falkensteins nur sehr lückenhaft dokumentiert wurde, ist es Hermann Groß gelungen, viele interessante Quellen ausfindig zu machen und aus ihnen eine interessante Geschichte der örtlichen Kirchengemeinde zusammenzustellen. Mit seinen humorvollen Alltagsgeschichten „am Rande“ ließ er eine alte Zeit aufleben, die für die Menschen sicher nicht leicht, aber aus heutiger Sicht sehr interessant war. Ob es kleine Anekdoten aus dem täglichen Leben oder die Herkunft vieler Straßennamen betraf, wer den Ausführungen von Hermann Groß lauschte, nahm – wie so oft – einen veränderten Blick auf den „Ort am Berg“ mit nach Hause. Foto: Scholl

Falkenstein (gs) – Vor nunmehr 730 Jahren fand erstmalig ein Pfarrer in Falkenstein (damals „Nürings“) Erwähnung. Die katholische Pfarrgemeinde Christkönig nahm dieses Ereignis zum Anlass, den allseits beliebten Falkensteiner Heimatforscher Hermann Groß einzuladen. Im Gemeindesaal referierte er über „Die kirchlichen Verhältnisse in Falkenstein vom Mittelalter bis zur frühen Neuzeit“. Hinter diesem etwas sperrigen Titel verbarg sich ein informativer Vortrag, der sich ausführlich mit der etwas komplizierten, aber auch erstaunlich interessanten Kirchengeschichte im Bergdorf Falkenstein beschäftigte.

Wenig Bekanntes

Neuzeitlich ausgestattet mit Notebook und Beamer warf er zunächst einen Blick zurück ins Mittelalter, wobei er vorausschickte, dass es nur wenige Dinge gäbe, die genau bekannt seien, man sich aber sehr viel aus den bekannten Quellen herleiten könne. So tauchte Groß erzählerisch in das 11. bis 13. Jahrhundert ein und eröffnete einen Blick auf die mittelalterliche Siedlungsgeschichte.

Damals standen die Kirchen im Mittelpunkt der Ansiedlungen und die „Friedhöfe“ hießen deshalb „Kirchhöfe“, weil sie direkt neben den Kirchen angelegt wurden und sich somit ebenfalls im Zentrum des Ortes befanden. Die Welt der Lebenden und der Toten lag in früher Siedlungszeit nahe beieinander und die Menschen wurden dort begraben, wo sie gelebt hatten. Die ersten Pfarreien entstanden, in denen den Gläubigen ein Recht auf die Sakramente und andere kirchliche „Dienstleistungen“ eingeräumt wurde. Als Gegenleistung erhielt der Pfarrer Zuwendungen und Abgaben von den Bürgern der Pfarrei. Diese Dienste des Pfarrers waren es, die die Menschen an die Pfarrei banden und so zu einer „Glaubensgemeinschaft“ führten.

Exakte Daten über die Anfänge der Pfarrgemeinde Nürings/Falkenstein sind nicht überliefert. Die Anfänge dürften im 11. Jahrhundert gelegen haben, sind aber nicht belegt. Eine erste urkundliche Erwähnung findet sich in einer Schenkungsurkunde aus dem Jahr 1289, in der ein Ortsgeistlicher namens „Ludwig, Pfarrer von Nürings“ als Zeuge fungierte.

Chaos und Reformation

Einige Zeit später, im 15. Jahrhundert, herrschten im damaligen Deutschen Reich chaotische Zustände. Im Vorfeld der Reformation nahm die Kritik an der Kirche deutlich zu, was sich auch in der Falkensteiner Pfarrgemeinde bemerkbar gemacht haben dürfte. Der Pfarrer musste sich als Kirchenvertreter vor Ort der Kritik der Gläubigen stellen, wobei er eine besondere Stellung im Dorf einnahm. Er war einer der wenigen Bürger, der schreiben und lesen konnte, so dass die Menschen ihm vertrauen mussten.

In dieser Zeit gehörte Falkenstein zum Herzogtum Nassau und wurde als Lehen vergeben. Elf Familien teilten sich die Herrschaft auf der Burg, wobei der „Burgfrieden“ als eine Art Hausordnung für das Zusammenleben der Menschen von großer Bedeutung war. Für das Jahr 1472 ist überliefert, dass die Falkensteiner gegen den Pfarrer aufbegehrten, so dass die Burgherren (von Kronberg) vermitteln mussten und 1473 eine schriftliche Vereinbarung trafen, die erstmalig die Rechte und Pflichten des Pfarrers regelte. In dieser Vereinbarung finden sich unter anderem Regelungen zur Falkensteiner Fronleichnamsprozession und Regelungen zu Anrecht und Verteilung der örtlichen Einnahmen.

Arme Pfarrer

Nun darf man sich die Pfarrer in der damaligen Zeit nicht als reiche Bürger vorstellen. Oft lebten sie in ärmlichen Verhältnissen, die ihnen zustehenden Abgaben bestanden zum Teil aus Naturalien und die Wohnverhältnisse, die von der Gemeinde gestellt wurden, waren oft ärmlich.

Zu Beginn der Reformation befand sich die Falkensteiner Kirche unter der Schutzherrschaft des Grafen Eberhard von Eppstein, der mittels eines Bettelbriefes Gelder für den Erwerb zweier Kirchenglocken sammelte. Die Kirchenglocken hatten damals eine weitreichende Bedeutung, denn sie luden nicht nur zum Gottesdienst, sondern waren weithin hörbar und informierten auch die Bauern auf den Feldern oder die Arbeiter über ihre Arbeits- und Pausenzeit. Auch der Begriff „Sturm läuten“ war in dieser Zeit wörtlich zu nehmen, denn die Glocken warnten die Bürger vor Unwettern oder Bränden.

Cuius regio, eius religio

Welchen Einfluss die Reformation im Einzelnen in Falkenstein hatte, ist bedauerlicherweise nicht überliefert. Im Jahr 1555 kam es jedoch zum Augsburger Religionsfrieden, der regelte, dass Gemeinden die Religion anzunehmen hatten, welcher der jeweilige Landesherr angehörte. Dieser „Zwangsreligion“ widersetzten sich die Falkensteiner, als 1581 Königstein zum Kurfürstentum Mainz überging: Die Falkensteiner verteidigten „ihre“ Religion und blieben evangelisch.

Während des folgenden 30-jährigen Krieges wurde die Burg Falkenstein im Winter 1631/32 besetzt – der alte Ort ging im Krieg sehr wahrscheinlich unter und wurde später neu aufgebaut, denn die ältesten Häuser rund um das alte Rathaus stammen aus dem Jahre 1670. Der Kirchenneubau erfolgte um das Jahr 1725, wobei es im Ort damals 31 Häuser mit 230 Einwohnern gab.

Für Kirchenverhältnisse war das Jahr 1778 ein besonderes in Falkenstein. Unter der Herrschaft der Herren von Nassau erhielt die evangelische Kirche erstmalig ein Haus auf dem Hainberg, das als Schul- und Bethaus genutzt wurde. Einige Jahre später entstand in Falkenstein außerdem eine Synagoge im Unteren Bergweg. Die älteste Fotografie der Gegend um Falkenstein zeigt das Dorf mit der Burg und der Kirche und stammt etwa aus dem Jahre 1785. Aus dem gleichen Jahr stammt auch die überlieferte Einigung über Kirchenangelegenheiten, die unter der Regie von Karl-Friedrich von Erthal und Carl Wilhelm von Nassau entstand und maßgeblich für den dann geltenden Religionsfrieden in Falkenstein war.

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