Berlioz und Blues Brothers, Atlantis und Sweetwater,Richard Wagner und Elvis Presley

Beim Konzert der Kingstruments war die Aula der St. Angela-Schule bis auf den letzten Platz besetzt. Fotos: Baumgartl

Königstein (iba) – Wenn Hobbymusiker sich zusammensetzen und darüber sinnieren, was sie denn nun beim Winterkonzert kurz vor Heiligabend zum Besten geben wollen, kann das Ergebnis je nach Anspruchsdenken und je nach Gusto recht formalistisch und schwer verdaulich werden. Beim Konzert selbst sitzen dann mitunter sehr korrekt dreinblickende Musiker und Musikerinnen in sehr korrekt sitzenden Anzügen und Kostümen über sehr korrekt geschriebenen Noten und ertränken die Mitmenschen im Zuschauerraum unter Kaskaden von Zwölftonmusik.

Ganz im Gegenteil die Hobbymusiker der Königsteiner „Kingstruments“. Als sie sich zusammensetzten und ihr Winterkonzert in der St. Angela-Schule in Königstein planten, hatten sie zum Glück genau einen Begriff auf der To-do-Liste stehen: Spaß!

Spaß am Musizieren, Spaß an Variation, Spaß am Kostümieren, möglichst viel Spaß und Unterhaltung für die zahlreichen Gäste.

Da wurde gemischt und arrangiert (in Ermangelung der Streicher, die ja irgendwie ersetzt werden wollen), quer durch die Jahrhunderte, quer durch die Geschmäcker und quer durch die Genres.

Klassik vor der Pause,Hollywood nach der Pause

In der ersten Hälfte des Programmes gaben sich Richard Wagner („The Pilgrim‘s Chorus“ aus „Tannhäuser“), Hector Berlioz („Suite from Symphony Fantastique“), Gustav Holst („First Suite in Eb for Military Band“) und Alexander Reuber („Atlantis“) die musikalische Klinke in die Hand – letzterer klang durchaus schon ein wenig nach Filmmusik, so dass man sich fragen musste, ob Jerry Goldsmith („Patton – Rebell in Uniform“) oder James Horner („Apollo 13“) eigentlich Fans von Reuber gewesen sein mögen.

Italo-Western und Chicago-Blues

Nach einer rund viertelstündigen Pause schaltete das Konzert im zweiten Teil dann endgültig auf den Filmmusik-Modus um, nun kamen die Cineasten voll auf ihre Kosten.

So wie einst in der Schlusseinstellung von Sergio Leones Western-Oper die Kamera am Ortseingang hochfuhr und ganz Sweetwater zeigte, so fuhren Instrumente und Lautstärke langsam, aber sicher hoch, mancher sah vor seinem geistigen Auge wohl Charles Bronson in den Sonnenuntergang reiten. „Moment for Morricone“ nennt sich der von Johan de Meijs für Blasorchester arrangierte Soundtrack-Mix, der sich aus Versatzstücken von „Spiel mir das Lied vom Tod“ und „Zwei glorreiche Halunken“ zusammensetzt.

Anschließend gab es Auszüge aus „Encanto“ für die Disney-Fans, „Selections from All Shook Up“ für die Elvis-Presley-Fans (immerhin spielte der gute Mann mehr Hauptrollen als Steve McQueen oder Michael J. Fox) und als Abschluss „The Blues Brothers Revue“ für die John-Landis-Fans, arrangiert von Jay Bocook. Ein passender Abschluss für ein Konzert in der Aula einer katholischen Schule, immerhin waren Jake und Elwood im Namen des Herren unterwegs!

Für 2026 sind bis dato noch keine Auftritte der „Kingstruments“ angekündigt, aber Konzert-Enthusiasten sollten regelmäßig Augen und Ohren offenhalten, der nächste Königsteiner Eventsommer kommt mit Sicherheit.

Und spätestens um Weihnachten 2026 herum sollte man sich rechtzeitig auf den Weg in die St. Angela-Schule machen, der Andrang war groß und die Aula schon lange vor Beginn bis auf den letzten Platz gefüllt, sodass die Helfeshelfer noch in letzter Minute eine zusätzliche Stuhlreihe aufbauen mussten.

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