Brücken bauen und offen halten: Neujahrsempfang des Förderkreises der Städtepartnerschaft

Das Symphonische Orchester, eine Neugründung der Musikschule Königstein, sorgte mit Dirigent Clemens Schlemmer für die musikalische Einrahmung. Fotos: Baumgartl

Königstein (iba) – Dirigent Clemens Schlemmer hob den Taktstock, und um kurz nach 11 Uhr am vergangenen Sonntag spielte sein Orchester eine bekannte Melodie, die manchen im Saal wahrscheinlich wieder in die Kindheit zurückversetzt hat: Die Europahymne wurde gespielt, so wie einst vor dem „Grand Prix Eurovision de la Chanson“ (der inzwischen in „Eurovision Song Contest“ umbenannt wurde), vor „Verstehen Sie Spaß“ mit Kurt und Paola Felix oder vor „Wetten dass...?“ mit Frank Elstner. Der Neujahrsempfang des Förderkreises der Städtepartnerschaft Königstein–Le Cannet war hiermit offiziell eröffnet.

Diplomatie von unten

Alexander Hees, der Vorsitzende des Förderkreises, ist offensichtlich kein Freund von Schönfärberei, in seiner Eröffnungsrede legte er den Finger in die politische Wunde und verwies auf die Unverzichtbarkeit solcher Städtepartnerschaften wie die von Königstein und Le Cannet.

„Gerade heute, in einer Welt voller Spannungen, Trump im Westen, Putin im Osten, sind Städtepartnerschaften wichtiger denn je. Sie sind die ‚Diplomatie von unten‘. Städtepartnerschaften sind Friedensarbeit im Alltag. Sie bauen Brücken, wo andere Mauern errichten. Sie zeigen: Unterschiede trennen nicht – sie bereichern.“

Erster Stadtrat Jörg Pöschl stieß ins selbe Horn: „Wir sind global vernetzt, somit sind auch unsere Konflikte global. Konflikte werden militärisch ausgefochten, in Lieferketten, in Handelskriegen. Umso wichtiger sind solche Städtepartnerschaften, um zu zeigen, dass es in Europa nicht nur ein Gegeneinander, sondern auch Miteinander gibt.“

Kriegsende vor 80 Jahren

Viel hat sich getan seit 1945, das Ende des Zweiten Weltkrieges jährte sich nunmehr zum 80. Mal, die 1972 etablierte Städtefreundschaft zwischen Königstein in Deutschland und Le Cannet in Frankreich hält mittlerweile über 50 Jahre – und soll natürlich fortgesetzt und weiter gelebt werden.

Hees gab einen Ausblick darauf, worauf sich die Mitglieder und Freunde des Förderkreises 2026 freuen können:

Am Samstag, 9. Mai, ist Europatag, dann findet ein Treffen in Steinbach statt, selbstverständlich wird der Förderkreis dabei sein, „sichtbar, offen, engagiert“, wie Hees betont.

Die deutsch-französische Wanderwoche vom 7. bis zum 14. Juni wird alle Frischluftenthusiasten dieses Jahr ins Stubaital (im österreichischen Tirol) führen. Zwar ist die Wanderwoche eigentlich schon ausgebucht, allerdings gibt es für Kurzentschlossene und potenzielle Nachrücker eine Warteliste.

Am Sonntag, 9. August, wird das jährliche Lavendelfest gefeiert, selbstverständlich am Le-Cannet-Platz.

Es wird also wieder viel getan werden für Freundschaft und für Völkerverständigung, gerade in solchen Zeiten, in denen es darauf ankommt, die europäische Fahne hochzuhalten. Jörg Pöschl machte mit dem Schlusssatz seiner Rede klar, worum es ihm geht, nämlich trotz aller Widrigkeiten mit Optimismus auf 2026 blicken zu können: „Ich möchte im Idealfall, dass wir nächstes Jahr wieder hier sitzen und uns sagen können: ‚Das Jahr 2026 war doch nicht so schlecht, wie es angefangen hat‘.“

Ode an die Freude

Zum Abschluss des offiziellen Teils gab es noch einmal Musik, Dirigent Schlemmer und seine Musiker vom Symphonischen Orchester der Musikschule Königstein spielten passenderweise das Europalied, immerhin die offizielle Hymne der Europäischen Union und des Europarates, die auf dem Thema der „Ode an die Freude“ aus Ludwig van Beethovens neunter Sinfonie basiert. Der Text wurde auf die große Leinwand über der Bühne projiziert, die Anwesenden sangen fleißig mit. Und mit „Freude, schöner Götterfunken...“ im Ohr schlenderten die Gäste dann langsam, aber sicher Richtung Buffet. Nun konnte geschwatzt und gespeist und Freundschaften konnten gepflegt werden – die 2026 gerne weit überdauern dürfen.

Weitere Artikelbilder



X