Elektrisch und vernetzt: Die Mobilität von morgen

Selbst Supersportwagen fahren zunehmend elektrisch: der Lotus Eletre Hyper SUV hat Rennwagen-DNA und mindestes 612 PS. Foto: Schramm

Das Kettcar-Rennen auf der Georg-Pingler-Straße sorgte wieder für jede Menge Spaß, die schnellsten erhielten Gutscheine. Stefan Hüttel (re.)erklärte den Streckenverlauf und kommentierte am Mikro.

Königstein (as) – Es begann zäh, wurde aber noch richtig gut. In den ersten beiden Stunden wurde die Mobilitätsmesse Königstein mit verkaufsoffenem Sonntag in der Stadtmitte noch von Regenschauern getroffen, was sich natürlich auf die Stimmung und den Andrang an den Verkaufsständen auswirkte. Dann kam aber doch noch die Sonne zum Vorschein, was auch die Mobilität der Menschen beflügelte. Die Genussmeile im hinteren Teil der Hauptstraße wurde zur späten Mittagszeit richtig voll und wieder zum beliebten Treffpunkt der Einheimischen, und es stiegen auch viele Interessierte auf Fahrräder und in die Autos der Messeaussteller.

„Wir sind zufrieden“, sagte Udo Weihe vom Gewerbeverein HGK, der die Messe, die früher Autoschau hieß, bereits zum 50. Mal organisiert hatte. Dass es heute längst nicht mehr bei Autos bleiben kann, hat natürlich mit einem veränderten Mobilitätsverhalten zu tun, dem Rechnung zu tragen ist, gleichwohl sind es noch immer die Autos, die bei einem solchen Anlass die meisten Blicke auf sich ziehen, vor allem wenn man neben Top-Marken wie BMW, Audi, VW, dem weltweit größten Autohersteller Toyota auch noch einen echten Hingucker wie Lotus und BYD zu bieten hat, einen der größten Hersteller von Elektroautos, dessen Name „Build Your Dreams“ frei übersetzt ja wirklich Träume entstehen lassen will.

Apropos Elektro: Nicht erst durch die hohen Benzinpreise, aber sicher beschleunigt durch diese, sind die Elektroautos derzeit stärker gefragt als Verbrenner, das wurde am Stand mehrerer Autovertreter bestätigt. Beim Autohaus Marnet hieß es, dass der A6 etron (ein reines Elektroauto) und der A5 e-Hybrid, beide zudem nach „Facelift“ erneuert, die derzeit gefragtesten Autos aus dem Hause Audi sind. Und – interessant – dass die Kombiversion, die bei Audi Avant heißt, aktuell die SUV-Modelle ein wenig abgehängt hat in der Publikumsgunst. Ein Trend oder vielleicht auch eine Reaktion der Kunden darauf, dass Straßen und Parklücken (auch in Königstein) immer enger werden. Bei Toyota Nix sind die aktuellen Favoriten derzeit der kompakte Kleinwagen Yaris Cross, der als Vollhybrid in der Publikumsgunst weit vorne liegt, zusammen mit dem vollelektrischen SUV bZ4x. Am Stand wurde ausführlich informiert, vor allem Fragen zur Reichweite und dem in Europa quasi flächendeckend vorhandenen Ladenetzwerk wurden gestellt und beantwortet. „Wir sehen die Veranstaltung als Erfolg“, sagte Verkaufsmitarbeiter Marek Agasvari. „Der große Punkt ist, dass man gesehen wird.“

Genau das ist der Punkt, den auch der Gewerbeverein Königstein immer wieder herauszustellen versucht: An einem verkaufsoffenen Sonntag informieren sich die Gäste, die im besten Falle Kunden werden. Verkauft wird dann in den Wochen danach.

Darauf hoffen auch die vertretenen Fahrradhersteller wie Lenz E-Bikes, schon 2025 auf der Messe sehr präsent, und Multicycle, dem CUBE-Store Hofheim, der seine Premiere feierte. Denn ihnen wurde die Bude nicht wirklich eingerannt. Elektrisch angetrieben ist anscheinend auch der dauerhafte Trend bei den Zweirädern. Multicycle-Filialleiter Peter Heinzmann berichtete selbst bei einer klassisch sportlichen Marke wie Cube, dass die teureren E-Bikes gegenüber den Bio-Bikes mittlerweile nicht nur vom Umsatz, sondern auch von den verkauften Stückzahlen vorne lägen. „Weil die Kunden älter werden und weil das Radfahren so möglich bleibt.“ Gerne zeigte er seinen aktuellen „Bestseller“, das Kathmandu Hybrid C62 mit dem SX-Motor von Bosch mit 60 Newtonmetern Leistung und Carbonrahmen. Mit 18,3 Kilogramm und fest eingebautem Akku derzeit das leichteste E-Bike der Marke, man muss es ja auch mal in den Keller oder am Bahnsteig die Treppen hoch- und runtertragen können.

E-Bike-Verleihstationen kommen

Das Thema E-Bikes wird auch in der Stadt Königstein demnächst ein noch größeres. Mobilitätsmanagerin Clara Scheffler informierte am Stand der Stadt, dass im kommenden Jahr fünf Nextbike-Verleihstationen aufgebaut werden: in der Stadtmitte, am Bahnhof sowie je einer in den Stadtteilen. Überall wird es fünf E-Bikes zum Leihen geben und jeweils (abgesehen vom Bahnhof) ein Lastenrad. Beschaffung und Installation würden zu 90 Prozent vom Land Hessen gefördert, nur für den weiteren Betrieb muss die Stadt selbst aufkommen. Die vernetzte Mobilität in Königstein schreitet also voran. Auch die Zwischenergebnisse des integrierten Mobilitätskonzepts wurden präsentiert. Scheffler sagte zum weiteren Zeitplan, dass im nächsten Schritt die aus der Bürgerbeteiligung abgeleiteten Maßnahmen gemeinsam mit den Stake-Holdern entwickelt würden. Im Sommer sei dann wieder die Öffentlichkeit am Zuge, um die konkreten Maßnahmen zu priorisieren.

Auch in der Geschäftswelt gab es Neues zu entdecken: Esther Stella Scherer hat mit ihrem Label „Stella Esvara“ für drei Monate die Räume von Wohnkultur Klautke in der Hauptstraße gemietet. Die Woche bis zum verkaufsoffenen Sonntag war für sie, die zuletzt drei Jahre einen Store in Frankfurt hatte, der Neustart in ihrem Heimatort. Die Mode-Kollektion aus Seide oder Kaschmir, komplett von ihr selbst von Hand gezeichnet und gestaltet, sorgt beim Betrachter für einen wahren Farbrausch. Der nächste Schritt ist jetzt, die zumeist floralen Muster auf Teppiche zu übertragen, berichtete Esther Stella Scherer. Erste Beispiele liegen in ihrem Pop-up-Store aus, in dem sie zwei Veranstaltungen, meist über drei Tage pro Monat, geplant hat.

In Anns Teeladen gab es zur Einstimmung auf den Sommer Cold Brew Mocktails. Im Ausschank waren Matcha-Erdbeere und „Touchdown“, ein Fruchtmix aus Maracuja und Mango. Weitere Sorten sind vorhanden. Die Tees werden tatsächlich mit kaltem Wasser aufgegossen und haben einen intensiven Geschmack, sind aber nicht so süß wie „Ice Teas“. Ideal für heiße Temperaturen. Die Mocktails wurden eifrig getestet, Inhaberin Anna Schwabe konnte sich Zeit für jeden nehmen. „Ein wunderschöner Laden, ich war noch nie hier“, meinte eine Kundin, die auch gleich eine Tüte mitnahm, Draußen neben der Tür stand Lucas Schleß, der wie Anna Schwabe aus Hofheim kommt, mit Weinen aus seinem Depot „Vino d’ Italia“, bekannt von einer der Schlenderweinproben des HGK im vergangenen Jahr. Er kündigte Spannendes für den weiteren Jahresverlauf an: „Wir haben neue Ideen, einen Prosecco-Aperitif mit Tee-Essenzen zum Beispiel.“ Zur Mittagszeit gönnte er sich nach Wasser und Tee von nebenan auch gleich mal ein „Weinchen“ – einen alkoholfreien Sauvignon Blanc, wie er betonte. Sorgfältig ausgewählt aus 100 alkoholfreien Weinen, die er in den vergangenen Jahren probiert habe. Nur weil etwas ein „Trendthema“ sei, heiße es noch nicht, dass alle Produkte gut seien, so die Einschätzung von Lucas Schleß.

Seine zu dieser Zeit einzigen Kundinnen Tamara und Pia entschieden sich dagegen für die alkoholische Variante mit einem Lugana vom Gardasee und einem Pinot Grigo aus den Abruzzen. Um die Ecke auf der Genussmeile wurde auch einiges Alkoholisches genossen zur frühen Stunde kurz nach 14 Uhr. Bei „Auweinna“, an der Taunus Braumanufaktur oder bei den „Taunushelden“, ebenfalls eine Genießer-Manufaktur, wo es zum Riesling aus dem Rheingau auch die schon berühmte Kreation Handkäs-Liebe mit Apfel-Balsamico und Olivenöl aus Griechenland gab. Hier traf sich auch die Politik, aber eher zufällig: SPD-Frau Tina Blome ist bei den Taunushelden mit von der Partie, Bürgermeisterin Beatrice Schenk-Motzko machte hier auf ihrem Rundgang einen Stopp und auch Landrat Ulrich Krebs, der aber schon beim Eis angekommen war und nicht mehr zurückwollte zum Handkäse, kam vorbei. „Die Veranstaltung ist schön geworden“, lautete seine Einschätzung, nachdem er zuletzt vor einigen Jahren auf der Autoschau zu Gast war.

Was nicht ging auf der Mobilitätsmesse, war in diesem Jahr das Probefahren, da die Autos alle im Kurpark aufgestellt worden waren. Wer fahren wollte, schwang in ein „Pedcar“, ein modernes Kettcar, und wagte sich auf den nicht ganz einfach zu bewältigenden Kurs mit „Schumacher-S“ und „Hüttl-Gerade“ in der gesperrten Georg-Pingler-Straße vor der Fahrschule Hüttl. Auf der Strecke war nicht ganz so viel los wie bei der Premiere im vergangenen Herbst in der Kirchstraße, aber die Stimmung war mit Moderation und Livemusik klasse. Und das italienische Fingerfood in Form von Arancini, Panzerotti und Co., das der italienische Supermarkt Vivo (bis vor kurzem Giovo) beisteuerte, passte bestens zum entspannten Flair an diesem Sonntagnachmittag in Königstein.

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