Von Heidelberg bis Amsterdam: eine Reise durch die frühe Orgelmusik

Königstein (kw) – Wer wissen möchte, wie sich die Orgelmusik in Europa zwischen Renaissance und Barock entwickelte, kann am Sonntag, 27. September, in der evangelischen Immanuelkirche Königstein auf eine besondere musikalische Zeitreise gehen. Um 17 Uhr lädt Carmenio Ferrulli zu einem Orgelkonzert unter dem Titel „Geschichte der Orgelmusik von 1500 bis 1625“ ein.

Im Mittelpunkt stehen charakteristische Werke aus verschiedenen europäischen Ländern und ihre Komponisten. Den Anfang macht Arnolt Schlick, der blinde Orgelmeister aus Heidelberg, der bereits 1486 anlässlich der Königswahl Maximilians I. im Frankfurter Dom spielte. Auch der spanische Organist Antonio de Cabezón war blind und brachte es bis zum Hoforganisten Kaiser Karls V. Mit dem kaiserlichen Hofstaat reiste er durch Europa und lernte so die musikalischen Traditionen verschiedener Länder kennen.

Von Rom führt die Reise weiter nach Frankreich und England. Girolamo Frescobaldi wirkte am Petersdom in Rom und prägte mit seinen fantasievollen Toccaten die europäische Tastenmusik des 17. Jahrhunderts. Jean Titelouze arbeitete an der Kathedrale von Rouen und gilt als Begründer der französischen Orgelschule. John Bull wiederum gehörte als „Gentleman of the Chapel Royal“ zum Hof von Königin Elisabeth I. von England, die sein Orgelspiel bewunderte und möglicherweise sogar Unterricht bei ihm nahm. Nach ihrem Tod musste Bull als Katholik England verlassen und wurde später Domorganist in Antwerpen.

Von Amsterdam nach Halle

Eine zentrale Rolle in der Entwicklung der europäischen Orgelmusik spielte auch Jan Pieterszoon Sweelinck. 44 Jahre lang war er Organist an der Oude Kerk in Amsterdam und galt als einer der bedeutendsten Orgellehrer seiner Zeit. Zu seinen Schülern gehörte der Deutsche Samuel Scheidt, der drei Jahre bei Sweelinck lernte und später in seiner Heimatstadt Halle als „Director musices“ wirkte.

Scheidt veröffentlichte 1624 seine „Tabulatura Nova“, eine mit knapp 60 Stücken für ihre Zeit außergewöhnlich umfangreiche Sammlung von Orgelmusik. Sie markiert damit zugleich den Schlusspunkt der musikalischen Zeitreise, die das Konzert von den Anfängen um 1500 bis in die frühe Barockzeit führt.

Bevor die Musik erklingt, gibt Carmenio Ferrulli in einem etwa 15-minütigen Einführungsvortrag einen Überblick über die Orgellandschaften Europas im 16. und 17. Jahrhundert. Anschließend werden die ausgewählten Werke auf der Johannus-Digitalorgel der Immanuelkirche gespielt, die mit zahlreichen Samplesets historischer Orgeln unterschiedliche Klangwelten dieser Zeit hörbar machen kann. Der Eintritt zum Konzert ist frei.



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