Mammolshain (iba/as) – „Hauptstadtclub gegen Dorfverein“ wäre übertrieben. Die Ausgangslage vor dem Königsteiner Derby in der Fußball-Kreisoberliga war dennoch klar: der Tabellenführer 1. FC-TSG Königstein mit der besten Offensive der Liga, der FC Mammolshain als 15. noch mit knappem Abstand zur Abstiegszone – allerdings auch mit der vergleichsweise besten Abwehr der Mannschaften, die unten drin stehen. Dazu noch das lang ersehnte Heimspiel vor gut 200 Zuschauern am Hasensprung, vielleicht könnten die Gastgeber ja für eine Überraschung sorgen.
Nach dem Motto „hoch und weit bringt Sicherheit“ versuchte es Mammolshain immer wieder mit langen Bällen, Heiko Ullmann machte vorne viele Wege, hatte aber fast immer zwei Gegenspieler auf den Füßen stehen. Dazu hatte Königsteins Trainer Jonas Grüter zwei Trumpfkarten, die man braucht, wenn man aufsteigen will: Mittelfeldmotor Kaito Shimoda machte in den kompletten 90 Minuten fast keinen Fehler und spielte kaum einmal einen schlechten Pass; Kapitän Velibor Velemir räumte mit der Bierruhe eines alten Hasen viele Bälle weg. Und weil er damit noch nicht ausgelastet war, kurbelte er die Angriffe auch noch mit an.
Lange hielten die Gastgeber auf Augenhöhe mit und schafften es fast mit einem 0:0 in die Pause – aber dann wollte Tim Hilgers unbedingt das Tor des Monats schießen: Freistoß-Abpraller von der Latte, Hilgers hing quer in der Luft, Seitfallzieher, 1:0 (41.). Nach dem Wechsel erhöhte Kapitän Velibor per Foulelfmeter auf 2:0 (50.), bei dem mindestens ein weiterer Königsteiner eigentlich viel zu früh in den Strafraum gelaufen war. Der Versuch hätte eigentlich wiederholt werden müssen.
Die Mammolshainer weiter mit viel Tempo und viel Wucht, aber Königstein spielte im Stile eines Spitzenteams und ließ hinten wenig anbrennen. Ehe die Gastgeber alles in die Waagschale warfen, am Pfosten scheiterten und einmal Nico Grill nach einer schönen Kombination den Abschluss vertendelte. Einmal klingelte es dann aber doch, Bornemann verkürzte mit einem strammen Schuss von der Strafraumgrenze in den Winkel auf 1:2 (74.). Aber in der Schlussphase tippte der Tabellenführer nochmal mit dem Fuß aufs Gas – und spielte die letzten 20 Minuten gnadenlos herunter. Koffi bestrafte einen Ballverlust im Mittelfeld mit dem 3:1 (83.) – schon die Entscheidung. Paulo mit einem sehenswerten 25-Meter-Freistoß (89.), wieder Kofi mit dem aus spitzem Winkel (90.+4) und Yaqub bei einem Abpraller (90.+5) stellten dann noch auf 6:1 für den Favoriten. Ein zu klarer, wenn auch verdienter Sieg, der aber zu hoch ausfiel. Mammolshain war über weite Phasen gleichwertig, hatte nur zu wenig zwingende Aktionen im 16er und haderte zudem auch auf dem Platz mit mancher Entscheidung des Unparteiischen.
Jonas Grüter war verständlicherweise zufrieden. „Wir haben klare Chancen liegen lassen und hätten schon früher höher führen können. Aber es war ein enges, knappes Spiel, der Gegner hat mutig gespielt. Nach dem 2:1 wurde es nochmal brenzlig für uns. Wir konnten dann aber noch von der Bank Jungs mit Qualität und Tempo bringen, das hat uns in die Karten gespielt“, so der Königsteiner Trainer. In der Tat erwies sich der eingewechselte Koffi mit zwei Treffern als Matchwinner, auch der zweite Joker Yaqub stach. Und Auch wenn einige Emotionen von außen gekommen seien, bezeichnete Grüter das Derby als „intensiv und fair“. Und die Aussichten? „Wir haben jetzt noch sechs Endspiele vor uns und werden alles reinhauen, was wir haben“, benannte Grüter den direkten Wiederaufstieg als klares Ziel. Das nächste Heimspiel am Sonntag (15 Uhr) gegen die nur zwei Punkte zurückliegende Teutonia aus Köppern dürfte gleich das wichtigste dieser Endspiele werden. Egal, wie es ausgeht: „Ich habe schon zugesagt für die nächste Saison“, antwortete Grüter auf die Frage zu seinem auslaufenden Vertrag.
Auf der anderen Seite war Trainer Alexander Beulich natürlich bedient von dem zum Schluss viel zu klaren Ergebnis. „Das Ergebnis geht so gar nicht in Ordnung. Wir haben unsere Chancen gehabt und 70 Minuten so gespielt, wie wir uns das vorgestellt haben.“ Auch wenn es einfach sei, auf den Schiedsrichter zu schimpfen, war Beulich mit der Leistung von Stefan Peter Sachse überhaupt nicht einverstanden. „Der Freistoß zum 1:0 und das Elfmetertor, wo ein Königsteiner vier Meter im Strafraum steht, waren geschenkt. Dann kämpfen wir uns wieder rein, worauf wir mega stolz sein können und laufen in einen Konter“, sprach er den offenen Schlagabtausch nach 1:2 an.
Dass man nicht unbedingt damit rechnen konnte, gegen den Tabellenführer im Abstiegskampf Punkte mitzunehmen, kommentierte Beulich so: „Alle, die gegen uns spielen, verstehen nicht, warum wir unten drin stehen. Jetzt müssen wir eben in Ober-Erlenbach punkten, vielleicht haben wir auch mal das Quäntchen Glück! “ An der Situation Mammolshains hat sich vor dem Auswärtsspiel am Sonntag (15 Uhr) nichts verändert. Der SV Seulberg auf dem Relegationsplatz liegt weiterhin zwei Zähler zurück, nur der Abstand nach vorne auf Kronberg hat sich durch das 3:3 des EFC gegen den FC Oberursel auf drei Zähler erhöht.






