Auf das Leben! Hospizgemeinschaft Arche Noah feiert 25-jähriges Bestehen

Ehrengast Landrat a.D. Dr. Jürgen Banzer (li.), Bettina Gerlowski-Zengeler und Herbert Gerlowski feierten gemeinsam das 25-jährige Bestehen des Hospiz-Vereins.Foto: Esther Schaller

„Arche Noah“ Lebens- und Schutzraum im Angesicht von Sterben und Tod

Königstein (es) – Wer in die Gesichter derer schaute, die die Hospizgemeinschaft seit 25 Jahren leiten, begleiten und fördern, der konnte an den Festtagen des Jubiläums nur Dankbarkeit, Freude und auch Tränen des Glücks darin entdecken. Am vergangenen Wochenende konnten die Besucherinnen und Besucher eine Bestandsaufnahme und einen Rückblick dieses besonderen Lebens- und Schutzraumes im Hochtaunuskreis erfahren. Das Hospiz Arche Noah in Niederreifenberg und der dazugehörende Ambulante Hospizdienst mit Palliativberatung in Königstein hatten an zwei Tagen eingeladen, um sich gemeinsam zu erinnern – und dies in Dankbarkeit und Stolz über das, was „als kleines Pflänzchen begann und nun als starker Baum mit schützender Krone festverwurzelt steht“. So äußerte sich der Gründervater und 1. Vorsitzende Herbert Gerlowski in seinem Grußwort in der lesenswerten Festschrift.

Humor im Angesicht des Todes

Dass das Leben im Hospiz und der Umgang mit Tod und Sterben auch mit Humor getragen werden sollen und können, ist ihm ein besonderes Anliegen. Aus diesem Grund heraus war es nicht verwunderlich, dass das Jubiläumsfest am Freitagabend mit Lachen begann. Darf man über den Tod lachen? Ja, man darf! Dies unterstrich der Komiker Globo alias Alfred Gerhards in seinem Vortrag „Das Lächeln am Fuße der Bahre“ mit einer Vielfalt an Geschichten und Witzen, mit denen er unterhaltsam durch den Abend führte. Neunzig Minuten parlierte er durch den schwarzen Humor, ließ den Tod „alt“ aussehen. Er konfrontierte die Zuhörer im voll besetzten Saal behutsam mit Aussagen berühmter Persönlichkeiten zu ihrem bevorstehenden Tod. Er las märchenhafte Geschichten vor über den Gevatter Tod – wie dieser zu früh kam und nochmal weggeschickt wurde – und brachte mit Wortschöpfungen durchs Beamtendeutsch und kuriosen Todesanzeigen das Publikum zum Schmunzeln.

So hielt er die ganzseitige Todesanzeige Loriots ins Publikum und erntete prompt herzhaftes Lachen über: Lieber Gott, viel Spaß! Oder eine andere Anzeige lautete: Ich bin umgezogen, Grab Nr. 35 Gang B. Über Besuch freue ich mich. Einen Zeitungsbericht unter der Überschrift: „Ein Friedhof kämpft ums Überleben“, der Komiker Laurel Hardy meinte einmal: Wer bei meiner Beerdigung traurig ist, mit dem lache ich nie wieder! Und Woody Allen: Vorm Sterben habe ich keine Angst, ich will nur nicht dabei sein. Ein Priester mit der Urne in der Hand entscheidet bei Glatteis: Jetzt wird gestreut …

Zwischen all diesen kleinen Geschichten erzählte er glaubwürdig von sich und seinem Lernen, dem Tod mit Respekt und Humor zu begegnen. Früh als Clown in Krankenhäusern unterwegs, erfuhr er am Krankenbett, wie heilsam das Lachen für den Patienten ist. Erste Gehversuche mit seinem humorigen Programm an unterschiedlichsten Spielstätten, auch in Bestattungshäusern, brachten ihm noch wackelige Knie. Aber schon bald stellte er sich das Publikum als Selbsthilfegruppe vor, die mit Milliarden von Menschen eines gemeinsam hat: Wir müssen sterben, das ist unausweichlich. Der Tod ist uns sicher, da gibt’s nichts zu nörgeln! So lautet sein Fazit.

Ein Hospiz ist der Ort, wo alle Emotionen ihren Platz haben, ob sie todtraurig sind oder zum Lachen. Da werden letzte Wünsche erfüllt, so kurios sie auch sein mögen. In der schützenden Gemeinschaft wird mit Sterbenden, ihren Angehörigen und Pflegenden gelacht und geweint. Dass er diese Erfahrung in seinem Leben machen durfte, dass dies abseits von kalten, gefühllosen Krankenzimmern möglich ist, erfülle ihn mit Bewunderung für die Hospizarbeit. Globos feine, heitere Vortragskunst kam beim Publikum bestens an. Vom unsicher verzögerten bis zum schallenden Lachen – an diesem Abend war beides möglich. Ein herzhafter Applaus am Ende dankte es ihm.

Ehrenamt und neue Leitung

Im weiteren Verlauf des Abends wurde in Anwesenheit aller Ehrenamtlichen auf der Bühne des katholischen Gemeindezentrums von der Rind’schen Bürgerstiftung durch Kuratoriumsvorstand Hans-Dieter Homberg ein Scheck über 5.000 Euro überreicht. Sichtbar gerührt nahmen Herbert Gerlowski und seine Tochter Bettina Gerlowski-Zengeler dieses Geschenk entgegen. Dass die Arbeit im Hospiz seit 25 Jahren immer wieder durch Spenden getragen wird, ist für sie eine „unfassbare Freude“. Zuvor hatte Gerlowski allen Ehrenamtlichen seinen besonderen Dank ausgesprochen. Ohne sie wäre diese wichtige Arbeit mit Sterbenden nicht zu leisten. Das Schöne an ihrem Tun ist, dass es ein Geben und Nehmen ist. Zu erleben, wie letzte Tage noch von Zufriedenheit bestimmt sein können, berühre das eigene Herz und trage durch das Schwere der Aufgabe hindurch. Dass er seiner Tochter, die von klein auf wie selbstverständlich im Hospiz ein- und ausging – denn auch seine Frau unterstützte den Betrieb – die Leitung des Hospizes übergeben konnte, ist für ihn ein ganz großes Glück. Sie nahm die Herausforderung als dreifache (mittlerweile vierfache) Mutter vor drei Jahren an und führt die Einrichtung in seinem Sinne mit neuen, innovativen Ideen in die Zukunft.

Musikalisch umrahmt wurde der Abend durch den Akkordeonisten Radu Laxeang, ein langjähriger Freund der Familie. Von ihm erklangen bekannte Melodien der klassischen Akkordeonliteratur mit hervorragender Spiellust und er unterstrich damit diesen fröhlichen Einstieg ins Jubiläum.

Ohne Gott geht gar nichts

Der Sonntag begann früh mit einem Gottesdienst in der Kirche der St. Angela Schule. Diakon Herbert Gerlowski hielt selbst eine Predigt darüber, dass Gott hier auf Erden unter uns ist. Im Gegensatz zu Reinhard Meys Lied „Über den Wolken muss die Freiheit grenzenlos sein“ sei es möglich, in der göttlichen Freiheit hier auf Erden unterwegs zu sein. Nur mit dieser Gewissheit und Zuversicht könne die Arbeit im Hospiz gelingen. Musikalisch begleitet wurde der Gottesdienst von einem Ensemble, bestehend aus Trompete, Geige, Klarinette, Querflöte und Cachon.

Auf das Leben!

Danach machte sich die Gemeinde auf den Weg zum katholischen Gemeindehaus in der Georg-Pingler-Straße. Dort erwartete die Gäste ein festlich geschmückter Saal. Blauweiße Farben, Fahnen und Luftballons deuteten an, dass mit Oktoberfestcharakter weiter gefeiert wurde. Zünftig spielte die Egerländer Blaskapelle aus Vockenhausen, und der Saal füllte sich. Mit Brezel und Obazda, Fleischkäse sowie Wurst im Brötchen mit süßem Senf konnte die erste Stärkung erfolgen. So mancher ließ sich aber auch gleich vom reichhaltigen Kuchenbuffet und Kaffee verführen. Die vom Rotary-Club gebackenen Waffeln dufteten in den Raum. An verschiedenen Ständen wurde Kunst und Handwerkliches angeboten, dessen Verkauf zum Teil in den Spendentopf wanderte.

Dann der erwartete Fassanstich! Mit vereinten Kräften gelang es dem Ersten Stadtrat Jörg Pöschl, den Zapfhahn ins Holz zu schlagen. Und schon floss das Bier. „Auf das Leben“ – mit diesem Spruch Gerlowskis prostete man sich zu auf weitere Jahre der guten Hospizarbeit.

Grußworte

Zuvor hatte Pöschl in seinem Grußwort die fest verankerte Zusammenarbeit von Hospiz und Kommune betont, die nun seit bereits 25 Jahren in christlicher Nächstenliebe hervorragend funktioniert. Er überbrachte auch die Grüße der Königsteiner Bürgermeisterin Beatrice Schenk-Motzko, die sehr bedauerte, nicht dabei sein zu können. Nur der Grund eigener Geburtstagsgäste hätte ihr Kommen verhindert.

Kommunalpolitiker Frank Ausbüttel, ehem. Rektor der St. Angela-Schule, betonte, wie nötig es ist, Sterbenden einen Schutzraum zu bieten. Sterben mit Menschenwürde – dafür steht ein Hospiz.

Weitere Spender kamen auf die Bühne und überreichten hohe Geldbeträge auf großen Schecks. Der Förderverein „Taunusfreunde Königstein“ überreichte die stolze Summe von 25.000 Euro. Immer wieder betonte Herbert Gerlowski, dass alle eingehenden Spenden, ob kleine oder große Beträge, das Hospiz Arche Noah weiterhin am Leben erhalten.

Heike und Christoph Schwarzer von der Astro Automaten GmbH spendeten 10.000 Euro, die bei Turnieren, Sportwetten und Geburtstagsspenden gesammelt worden waren. Christoph Schwarzer berichtete von einem berührenden Erlebnis. Ein Gast des Hospizes äußerte den Wunsch, noch einmal in einer laufenden Spielhalle dabei sein zu können. Es wurde möglich gemacht. Im Bett, verladen in einen großen Transporter, konnte der Patient in die Halle transportiert werden. Die Freude und der Dank dafür, ins Gesicht des Sterbenskranken geschrieben, bleibe für ihn unvergesslich, so Schwarzer.

Überraschungsbesuch

Zur großen Freude aller hatte sich auch der ehemalige Landrat Jürgen Banzer zur Festgemeinde gesellt. Ihm galt ganz besonderer Dank, hatte er doch vor 25 Jahren die Idee Gerlowskis und seiner Mitstreiter wohlwollend aufgenommen und unbürokratisch vorangetrieben. Durch ihn hatten sich Türen aufgetan, um das Projekt umzusetzen. Viele Hürden waren zu nehmen. Was inzwischen zum Bewusstsein unserer Gesellschaft gehört, dass das Sterben im Hospiz, unterstützt von individueller palliativer Medizin, eigentlich für jeden Menschen angeboten werden sollte, war vor 25 Jahren noch ein ganz kleines Pflänzchen in der Meinungsbildung. Institutionen mussten davon überzeugt werden, das Krankenhaus galt als alleiniger Vertreter, das Sterben und den Tod des Kranken zu verwalten. Aber das Herzblut Gerlowskis und nun dessen Tochter zeugte und zeugt von unermüdlichem Einsatz für die Sache. Immer wieder wurde dies dankbar betont. Für rund 3.500 Menschen konnten Leitung, Haupt- und Ehrenamtliche in all der Zeit einen Schutzraum bieten auf dem Weg zum Tod.

Es gab weitere überraschende Momente an diesem Festtag. So trat die Königsteiner Musik- und Showband auf und spielte ihre Evergreens. Kinder sprangen herum, denen zuvor ihre Gesichter mit Schmetterlingsmotiven bemalt worden waren. In den unteren Räumen gab es das Angebot, sich mit einer Achtsamkeitsübung vertraut zu machen. Eine Klangschalenmeditation und Massage bereiteten so manchem eine kleine Auszeit. Aromaöle streichelten die Hände.

Diese Behandlungen gehören inzwischen zum Standard im Hospiz Arche Noah, dienen sie doch dem Wohlfühlen auf der letzten Wegstrecke. Dies kann geschehen, da im Hospiz Zeit ein hohes Gut ist. Hektik und Eile bleiben vor der Tür. Auch dies macht einen großen Unterschied zu Pflegeheimen und Krankenhäusern. Das Hospiz ist ein Ort der Ruhe.

Noch lange konnte man ungezwungen den Festtag genießen, Begegnungen pflegen, sich informieren und natürlich spenden. Dazu besteht auch jederzeit die Gelegenheit über das Hospiz Arche Noah-Konto bei der Nassauischen Sparkasse, Kontonummer DE70 5105 0015 0270 0520 53.

Eine gelungene informative Festschrift gibt Auskunft über das Leben und Miteinander von Pflegenden, Gästen und Angehörigen und liegt an entsprechenden Stellen im Stadtgebiet zur Mitnahme aus. Dass es diese Einrichtung verdient hat, weiterhin unterstützt zu werden, ja eventuell in Zukunft erweitert werden zu können, ist ohne Frage ein großer Wunsch. Diese Festtage trugen dazu bei, dies im Bewusstsein der Bevölkerung neu zu verankern.



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