Mit den Mainzer Hofsängern durch alle Höhen und Tiefen

Links am Flügel sitzt Michael Christ und kommuniziert als künstlerischer Leiter mit seinem Chor. Dessen zwölf Sänger gruppierten sich wie beiläufig – sortiert nach Stimmlage – um vier Mikrofone im Hintergrund, reihum traf aber ein jeder auch an das fünfte weiter vorne, um dem jeweiligen Stück seine persönliche Note zu verleihen. Große Klänge im Haus der Begegnung!Foto: Friedel

Königstein (hhf) – Die Akustik im großen Saal des Hauses der Begegnung war schon dem Architekten ein besonderes Anliegen und so ist es stets lohnend, sich dort Musik anzuhören. Das ist auch der Kulturgesellschaft Königstein bewusst und so haben deren Organisatoren im Rahmen ihres Jahresprogrammes tief in die Tasche gegriffen, ihre Angel über den Rhein ausgeworfen und die Mainzer Hofsänger an Land gezogen – die nach eigenem Bekunden recht gerne in Hessen auftreten, da einige der Sänger ohnehin auch in diesem Bundesland zu Hause sind.

Erwartungsgemäß kamen die Zuhörer in den Genuss höchster Sangeskunst, die sich stimmungsvoll mit einem Sonnenuntergang nach regnerischem Tag vor der großen Fensterfront des Hauses mischte. „Aquarius/Let the sunshine in“ oder „Somewhere over the rainbow“ gewannen so eine optische Emotion dazu.

Musical und Pop

Aber: Dieser Männerchor kann auch ABBA, Beatles und Sinatra und brachte damit das Publikum in rhythmisches Klatschen, zwischen den einzelnen Vorträgen gab es natürlich auch reichlich Applaus. „Die Lieder, die wir singen, haben Sie schon gehört –aber nicht so“, erklärten die Vokalisten, jedes einzelne Stück wird für den Chor und seine Stimmlagen extra angepasst, profimäßig eben. Dabei gibt es allerdings auch viel zu tun, denn die Hofsänger decken mehr als drei Oktaven ab und jeder Einzelne bringt noch einmal seine besondere Tonlage mit, die dann auch im fliegenden Wechsel zum jeweils passenden Lied in den Vordergrund tritt. Zu „Hey Jude“ bekam sogar ein jeder seinen Part, während „Ich singe immer tiefer“ natürlich dem Bass gehörte, für die Tenöre blieb ja mit Udo Jürgens‘ ehrenwertem Haus oder „Dein ist mein ganzes Herz“ genug übrig.

Viel mehr als Karneval

Was die Rheinländer in Königstein zu Gehör brachten, war ihr „weltliches“ Repertoire, das wie die weiteren Arrangements zu Kirche und speziell Weihnachten in der öffentlichen Wahrnehmung stets hinter dem karnevalistischen Part verblasst – zu Unrecht! In den kurzen Moderationen, die tatsächlich kein Wort zu viel enthielten, aber doch genau das zum Inhalt hatten, was man gerne über den Chor wissen wollte, war zu erfahren, dass der Männerchor 1926 gegründet worden ist, Fern der Bütt am Konservatorium, also gewissermaßen als Hochschulsänger. Zu Hofsängern, die die Hofhaltung von Prinz Karneval stimmlich verfeinerten, wurden sie erst in den 1930er-Jahren.

„Wir sind ein recht bunter Haufen“ bekennen die rot-schwarz befrackten Tonkünstler heute und beantworten die Frage, ob sie Profis oder Amateure seien, mit einem klaren Jain – es gibt beide Varianten im Chor und dazwischen fließende Übergänge. Eine entsprechende Gesangsausbildung bringt aber auch der Baumaschinenführer mit.

Spundekäs‘

250 Stühle, 150 Zuhörer – wer da war, hat es nicht bereut, von den anderen mag sich der eine oder die andere nun ärgern. Nicht zuletzt, weil auch das kulinarische Rahmenprogramm der Kulturgesellschaft – ebenso genial wie schlicht gehalten – voll ins Schwarze getroffen hatte. Sowohl vor der Veranstaltung als auch in der Pause gab es mit Blick auf „Ol‘ man river“ Rhein Weck, Worscht und Wein aus dessen gesegneten Gebreiten und das I-Tüpfelchen setzte der Spundekäs‘ drauf, den Traude Boller nach einem Rezept von Renate Minola hergestellt hatte – er wurde in kleinen Weckgläsern zu Laugenstangen serviert.

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