Vom Taunus an die Isar: Kaplan Hemsteg verlässt Pfarrverbund

Am Samstag wird Kaplan Hemsteg nach drei Jahren offiziell verabschiedet.

Foto: Kaplan Hemsteg

Hochtaunus (war) – Jetzt läuft bereits der Countdown für Kaplan Moritz Hendrik Hemsteg. Schließlich heißt es Ende August, der Pfarrei Maria Himmelfahrt in Königstein nach genau drei Jahren Lebewohl zu sagen, zu deren Pfarrverbund bekanntlich auch die katholischen Kirchengemeinden Glashütten und Kronberg einschließlich ihrer Stadtteile gehören.

Die nächste Station für Hemsteg wird München sein, um hier seine theologischen Studien fortzusetzen. In Hemstegs Pass ist zwar Wesel am Niederrhein als Geburtsort eingetragen, aber er kam schon in jungen Jahren nach Hofheim wegen einer beruflichen Veränderung seines Vaters. „Weniger durch meine Familie, sondern eher durch engagierte Priester wurde bereits während meiner Schulzeit das Interesse an theologischen Fragen in mir geweckt. In der Oberstufe stand für mich dann fest, dass ich Priester werden wollte“, so Hemsteg. Folglich nahm er an der Theologischen Hochschule Sankt Georgen in Frankfurt-Oberrad das Studium der katholischen Theologie auf und ist sich bis heute sicher, dass diese Entscheidung für ihn die richtige war. Einzig den Weg zum „fertigen“ Priester empfindet der 1993 geborene Hemsteg mit weit über zehn Jahren theoretischer und praktischer Ausbildung als zu lange.

Den „Ist-Zustand“ der katholischen Kirche sieht Hemsteg durchaus kritisch: „In gewisser Weise kommt mir diese manchmal wie ein Geisterschiff vor, das planlos dahin dümpelt und ich frage mich dann: ,Wer steuert das Schiff überhaupt hierzulande?‘“.

Das hohe Abstimmungsbedürfnis, es möglichst vielen recht machen zu wollen, stellt für den Kaplan einen Schwachpunkt der heutigen Kirche da. Auch weniger Anpassung an den Zeitgeist wäre ihm durchaus recht, denn für ihn muss sich die Kirche nicht permanent rechtfertigen. So ist für ihn die Ehe nach wie vor schützenswert, aber dennoch sollte die Kirche seiner Meinung nach für alle Menschen, ganz gleich ob hetero- oder homosexuell veranlagt, ein offenes Ohr haben. Die Verfolgung von Missbrauch durch Pfarrer sollte weiter intensiviert werden.

Als Priester ist es ihm wichtig, den Gläubigen auf ihrem Weg zu Gott hin christliche Orientierung zu geben: „Meiner Meinung nach ist Religion und Glauben keine menschengemachte Erfindung, sondern uns vielmehr von Gott als Gnade mitgegeben und der Glaube ist für mich keineswegs unvernünftig.“ Jeder Mensch müsse aber letztlich selbst für sich persönlich entscheiden, ob er dieses göttliche Gnadengeschenk annehmen will oder nicht, denn echter Glaube könne nicht per Zwang vermittelt oder „quasi eingeimpft“ werden. Niemand könne für einen anderen glauben. Diesen Schritt auf Gott hin müsse jeder selbst gehen. Folglich sei ein tragfähiger Glaube Ergebnis einer bewussten, freiwilligen Einwilligung auf Gott hin mit entsprechenden Konsequenzen.

Die Kirche kann dabei „lediglich“ Unterstützung anbieten, so Hemsteg weiter. „In dieser Hinsicht ist es für mich eine der anspruchsvollsten Tätigkeiten, Heranwachsende für Gott zu begeistern und in ihnen das Feuer des Glaubens zu entfachen. Da erzeugt bei jungen Menschen die Auseinandersetzung mit religiösen Sinnfragen oft die entsprechende Reibung wie bei einem Streichholz.“

Interessanterweise bezweifelt Hemsteg, ob es einen wirklichen Priestermangel in der katholischen Kirche in Deutschland gibt: „Doppelt so viele Priester bedeutet nicht automatisch, dass dadurch doppelt so viele Gläubige ,generiert’ werden. Nur mehr Priester kann nicht die Lösung sein. Letztlich vertraue ich auf Gott, stets genügend Seelsorger zu berufen“, so Hemstegs Ansicht.

Verabschiedung am Samstag

Am Samstag, 15. August, feiert die katholische Kirche alljährlich das Fest Maria Himmelfahrt. Passend dazu wird Kaplan Hemsteg in Königstein in der Pfarrkirche St. Marien (Kirchstraße) an diesem Tag während der Vorabendmesse um 18 Uhr im Rahmen des Pfarrpatroziniums offiziell verabschiedet.



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