Mammolshain (as) – Der Wahltag ist im Dorfgemeinschaftshaus in Mammolshin ein Großkampftag. Zehn Stunden lang ist es am Sonntag geöffnet für die Wähler, dazwischen parallel noch drei Stunden die Dorfstube des wiederbelebten Heimatvereins im Stockwerk darüber (s. Seite 3). So richtig ruhig wird es in diesem größten Wahlkreis der Stadt am Sonntag nie, und nach Schließung des Wahllokals geht die Arbeit für den Wahlausschuss noch weiter mit dem Auszählen der Stimmen für das Trendergebnis. „Wir haben 1.400 Wahlberechtigte“, sagt Maik Albers, der stellvertretender Wahlvorstand ist. Während sich die anderen Königsteiner Ortsteile jeweils in zwei Wahlkreise aufteilen und auch die in der Kernstadt jeweils kaum mehr als 1.000 Wahlberechtigte einem Wahlkreis zugeschlagen werden.
Mit acht Helfern „wuppt“ der Mammolshainer Wahlausschuss die Aufgabe. Schichten sind nicht angesagt, alle machen durch – und das gerne. Neben den Brötchen von der Stadt haben sie sich selbst versorgt für diesen Tag, ein Wähler bringt zudem traditionell Gebäck vorbei. „Du bist hier auf dem Dorf, man kennt die Wähler und hat was zu schwätzen“, so Maik Albers. Obwohl es um 15 Uhr gerade wie beim „Brezelbacken“ ist. Wähler um Wählerin drängen ins Wahllokal, das Team kommt kaum noch nach beim Abhaken der Wahlberechtigungen und beim Aushändigen der drei Wahlscheine für den Kreis, die Stadt und den Ortsbeirat. Manchmal muss auch nur der kleine blaue Zettel für die Wahl des Ausländerbeirats ausgehändigt werden, und EU-Ausländer erhalten sogar alle vier. Im Moment gehe es sogar noch, meint Albers bei zehn Wartenden vor den drei Kabinen. „Vorhin mussten wir sogar eine kleine Pause machen.“ Es bringe ja nichts, noch mehr Leuten Wahlzettel in die Hand zu drücken, wenn die Schlange schon bis in den Flur reicht.
Platznachbar Christoph Kammerer vermeldet derweil schon drei Stunden vor Ende der Wahl eine gute Wahlbeteiligung. „Mit der Briefwahl sind wir schon bei über 50 Prozent“, sagt er, aber das sei eigentlich immer so. Die Beteiligung in Mammolshain sei immer sehr hoch, erzählen sie, Wahlhelferin Kirsten Reichelt-Färber spricht vom „kleinen gallischen Dorf“, dessen Bewohner ihre Geschicke gerne selbst in die Hand nähmen. Am Ende sind es sogar etwas mehr als 60 Prozent. „Unsere Arbeit heute ist ein kleines Engagement für die Demokratie“, sagt Christoph Kammerer.
Es seien viele Wähler, die lange brauchten für das Wählen, erzählen die Helfer. Bei neun Stimmen für den Ortsbeirat, 27 in der Stadt und 71 im Kreis kann das Mitzählen der Kreuzchen durchaus anspruchsvoll sein. „Es kommen viele Fragen zum Kumulieren und Panaschieren“, sagt Maik Albers, vor allem die, ob man denn alle Stimmen verteilen müsse. Einer fragt gerade, ob er denn auch den großen rosa Zettel ausfüllen müsse, die Kreiswahl scheint ihn nicht so zu interessieren. Die Antwort auf beide Fragen lautet nein. Um solche und ähnliche Fragen beantworten zu können, waren Albers und Wahlvorstand Thilo Maier noch bei einer Schulung im Rathaus gewesen, zudem liegt ein Schulungsheft parat – und bei wirklich kniffligen Fragen steht Wahlamtsleiterin Katya Hengen telefonisch zur Verfügung.
Das Mammolshainer Team hat in diesem Jahr noch junge Verstärkung bekommen. Erstmals dabei ist Theo Wachs, Sohn des früheren Bürgermeisterkandidaten Kai Wachs. Er studiert in Marburg Politikwissenschaften. Einen solchen Praxistag findet er sehr interessant als Ergänzung zu seinem eher wissenschaftsgetriebenen Studium, in dem das Thema Kommunalwahl gar nicht vorkomme. Dafür darf er in Marburg öfters in einem Saal Platz nehmen, in dem der bekannte Philosoph Jürgen Habermas habilitiert wurde, erzählt er begeistert. Habermas war am Vortag im Alter von 96 Jahren verstorben. In Mammolshain und an anderen Orten lebt am Sonntag dafür die Demokratie wieder auf, mit einem engagierten Team, jungen Leuten wie Theo Wachs, einer guten Wahlbeteiligung und vor allem einem friedlichen Verlauf.
