Leserbrief Rindenwahnsinn

Zum „Fall“ der Schneidhainer Linde (s. KöWo KW 34) hat TGK-Deutschlehrer Franz-Peter Budde mal wieder ein aktuelles lyrisches Stück verfasst nebst Kommentar:

Hinter einer Linde Rinde

fault das Lindenholz geschwinde

und verfällt auf diese Weise

pilzbefallen, still und leise.

Äste knicken weg vom Winde

ohne Halt in dieser Linde.

Vorgeschädigt taugt die Krone

im Gewitter nicht die Bohne.

Mürbes Holz versperrt die Straße,

harrt dort sicher nicht zum Spaße.

Fakten fordern kein Erwägen.

Handeln müssen Motorsägen.

So mutiert das Lindendenkmal

schnell zum hippen Klimamahnmal.

Mittelfinger grüßt von oben

und die Kerbeborschen toben.

Hoch in einer Blättergaube

gurrte einst die Ringeltaube.

Heim und Hort war diese Linde

für die Made mit dem Kinde.

Kommentar:

Die Linde fehlt jetzt, gelinde gesagt, im Dorfbild und ist gleichwertig nicht zu ersetzen. Das Ortswappen ist nicht mehr zeitgemäß und die Wiesbadener Straße ist mal eine Lindenstraße gewesen. Außerdem weiß man jetzt endlich, hinter welches Baumes Rinde die Made von Heinz Erhardt wirklich gelebt hat. Für die Germanistik ist das eine späte Linderung.



X