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Kronberger Ballettschule begeistert mit Victoria Kaiserin Friedrich: „Ein Leben in Bewegung“

Kronberg (mw) – Zum zehnjährigen Bestehen der Ballettschule Kronberg hatte sich die Ballettpädagogin Andrea Wappenschmidt, die mit ihren Ballettkindern, Jugendlichen und Erwachsenen bereits mehrere erfolgreiche Aufführungen in die Säle Kronbergs gebracht hat, von einer berühmten Persönlichkeit inspirieren lassen, an der man in Kronberg nicht vorbeikommt: Von Victoria Kaiserin Friedrich. Mittels Bildprojektionen erhielten die sich zahlreich eingefundenen Ballett-Gäste der rund 140 Ballett-Schüler im Festsaal der Altkönigschule zunächst einen Einblick in das Wirken der vormals englischen Kronprinzessin am preußischen Hof und deutschen Kaiserin, die auf dem Schloss Friedrichshof in Kronberg im Jahre 1894 ihren Witwensitz bezog. Als Initialzündung für die Aufführung dienten die Räumlichkeiten der Kronberger Ballettschule, vernahmen die Gäste im AKS-Saal mittels Lautsprecher und der Stimme von Werner Reinke. Die Räumlichkeiten in der Hartmuthstraße 1 beheimateten Ende des 19. Jahrhunderts eine Schmiedewerkstatt. Zum Kundenkreis des Firmeninhabers, Hufschmied und Wagenbauer Johann Christian Heinrich Kunz gehörte damals auch Victoria. Nachdem er ihre Lieblingsstute von einer Hufkrankheit heilte, wurde Kunz als Ausdruck ihrer Dankbarkeit zum Hoflieferanten ernannt. „So kam es, dass durch das heutige Eingangstor unserer Ballettschule einst die Kutschen der deutschen Kaiserin fuhren“, so Reinke. Doch wie setzt man Geschichte in eine anmutige Ballettchoreografie um? Andrea Wappenschmidt, die die Aufführung ihrer im vergangenen Jahr verstorbenen Ballettmeisterin Alice Kaluza gewidmet hat, hat sich dieser Herausforderung gestellt und die Aufgabe bravourös gemeistert. Entstanden ist ein Ballettstück in 15 Szenen, das quasi durch Spotlights das Leben und Wirken der Kaiserin Victoria nachzeichnet. Die Zuhörer erfuhren zunächst noch, dass die politisch liberal gesinnte Victoria Kronberg zu großer Bekanntheit und Attraktivität verhilft, indem sie den europäischen Hochadel in das beschauliche Kronberg lockt. Kronberg erhält dank Kaiserin Friedrich frühzeitig Zugang zur Elektrizität, sanitäre Anlagen, Krankenhaus, Schule und Bücherei und die Kaiserin lässt die Burg Kronberg und die Johanniskirche sanieren.

Über die sich nun nahtlos anschließenden Szenen aus dem Leben und Wirken Victorias, lernte das Publikum schließlich diese bemerkenswerte Visionärin aus einer anderen Zeit, mit ihren Lieblingshobbys als Malerin und Naturliebhaberin kennen und schätzen. Und ganz selbstverständlich wirkten alle Ballettschülerinnen und -schüler mit: Jede Gruppe hatte einen bestimmten Part einstudiert, einige wirkten sogleich in mehreren Szenen mit, allen voran die junge Victoria (Katie Zöttl) und die Kaiserin Victoria (Lucia Castano), denen in ihren Rollen tänzerisch einiges abverlangt wurde. Katie Zöttl, als junge Victoria, begann beispielsweise mit einem ausdrucksstarken „Port de bras“, tanzte ein sehr hohes „Développé à la seconde“, ein „Pas de basque sauté“ und ein „Pas de chat“, wie die künstlerische Leiterin Andrea Wappenschmidt verriet. Kaiser Friedrich, getanzt von Sheila Bauch, begann mit einer Sprungkombination, „Fouetté en tournant“, „Sissonne en croix“, „Jeté“, „Assemblé“ und mit der erwachsenen Victoria (Lucia Castano), tanzte er ein „Pas de deux“, während sie anmutig eine „Arabesque penchée“ auf Spitze zeigte, eine „Attitude tour“, eine Drehung und ein „Piqué arabesque“ vollführte.

Doch im Zentrum des rund eine Stunde dauernden Stückes mit dem Titel „Ein Leben in Bewegung“ stand nicht der Schwierigkeitsgrad der Darbietungen, sondern das Gemälde, das sich im Laufe des Nachmittags vor den Augen der Zuschauer und zur Musik der Komponisten Edward Elgar, J. Offenbach, Shostakovich, Bizet, E. Grieg, Glazunow, Liadow, Schubert, Paul Hindemith und Gounod wob. Ein Gemälde, das den Zuschauern liebevoll bis ins letzte Detail, angefangen von der Musikauswahl über die Choreografie der vielen verschiedenen Tänzen bis zur Farb- und Kostümgestaltung und der Maske, Ausschnitte aus dem Leben von Victoria präsentierte.

Zum besseren Verständnis gab es ein Programmheft an die Hand, das die Szenen leichter einordnen ließ: Angefangen beim Tanz Vickys mit ihren Geschwistern – eindeutig glückliche Kindheitstage. Gefolgt von der Weltausstellung 1891, bei der die zehnjährige Vicky dem neunzehnjährigen Prinzen Friedrich Wilhelm von Preußen das erste Mal begegnete – ein steifer höfischer Tanz der Gäste mit Vicky und Friedrich in ihrer Mitte.

Weiter ging es mit dem Spitzentanz zur Hochzeit und bildhübschen Brautjungfern, über ein Tänzchen unzähliger kleiner golden glitzernden Victorias (stellvertretend für die goldene Figur der Siegessäule in Berlin nach dem Abbild der Künstlerin). Auch hier hatte Lucia Castano wieder einen tänzerischen Part. Außerdem tanzten die kleinen Burgfräulein äußerst entzückend, gefolgt von einem Tanz der Frauen als Malschülerinnen Anton Burgers, dessen Gast die Kaiserin oft war.

Eine weitere Gruppe von Mädchen mimte die Handwerker, die die Kaiserin bei ihren vielen Renovierungsarbeiten unter der Bauleitung des Baurat Louis Jacobi (Anna Maria Neumann) beschäftigte. Die Mädchen durften, nach ihrem polterigen Bauarbeiter-Ausdruckstanz, später noch einmal in eine völlig andere Rolle schlüpfen: Sie wurden zu den Nachtigallen, die sich Naturliebhaberin Victoria eines Tages hatte in den Schlosspark liefern lassen.

Die Gruppen können an dieser Stelle nicht alle genannt werden. Doch alle Tänzerinnen und Tänzer meisterten ihre Einsätze erstaunlich souverän und hatten, wie Andrea Wappenschmidt betonte, sich alle mit Einsatz und Disziplin auf den großen Tag der Aufführung vorbereitet. Natürlich waren Eltern und Großeltern besonders entzückt ob der kleinen tanzenden Röschen im weinroten Tutus, mit zwei größeren Thujas in Grün gemeinsam tanzend. Tänzerisch gelungen waren jedoch alle 15 Szenen, die sogar mit dem Tanz der „Maschinen“ modernes Ballett zeigten. Und sie zeichneten ein umfassendes Bild aus dem Leben einer starken Persönlichkeit. Herrlich anzusehen war auch die Choreografie zur 12. Szene, „die Teegesellschaft im Hause Schrödl“, ideenreich und tänzerisch wunderschön inszeniert: Dort versammelten sich die Hofdamen und die Kaiserin Victoria, dort das Ehepaar Schrödl, und schon tanzten mitten auf der Bühne eine herrlich anzusehende Teekanne (Mia Althaus) mit unzähligen um sie herumwirbelnden „Teetässchen“, die sie schließlich mit Tee zu befüllen hatte.

Als am Ende der Vorhang nach der Malszene im Schlosspark fiel, wurden alle Mitwirkenden noch einmal auf die Bühne gebeten. Der Applaus war ihr Lohn, und für die Leiterin der Ballettschule, Andrea Wappenschmidt gab es von den Eltern eine Torte als Überraschung. Bereits vor der Aufführung war sie von ihrem Sohn mit Luftballons mit einer stolzen Zehn, vor allem jedoch mit anerkennenden und Respekt für ihre Arbeit zollenden Worten bedacht worden.

Andrea Wappenschmidt im Kreise ihrer Ballettschülerinnen und -schüler

Die Hochzeitsszene
Fotos: Westenberger

Tanz der Maschinen

Teegesellschaft

Tanz der jungen Vicky mit ihren Geschwistern

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