Kronberg (mw) – Die Pracht der Obstblüte lässt sich in diesen Maitagen rund um Kronberg am besten bei einem Spaziergang erleben. Doch auch das Museum Kronberger Malerkolonie wartet seit einigen Tagen mit eindrucksvollen neuen Landschaftseindrücken auf: Darunter ebenfalls ein Blütenbild von Fritz Wucherer, das der Stiftung Kronberger Malerkolonie gerade erst zum 15. Bestehen gestiftet wurde. Hans Robert Philippi, Vorstandsvorsitzender der Museumsgesellschaft Kronberg, freute sich über die zahlreichen Gäste, die anlässlich der neuen Bilderschau im Museum Kronberger Malerkolonie, die „die Geschichte der Kronberger Künstlerlolonie – von Pose bis Wucherer“ chronologisch aufzeigt, zum Muttertag den Weg in das Malermuseum gefunden hatten. Für ihn als auch Helmuth Artmann, dem Vorsitzenden der Stiftung war es der richtige Zeitpunkt, um zu dieser Jubiläumsschau ein großes Dankeschön an alle Spender, Stifter, Dauerleihgeber und in diesem Rahmen auch speziell in Richtung der Hessischen Hausstiftung und dem Frankfurter Städel zu schicken. Denn sie sind es, die dafür sorgen, dass es in dieser neuen Bilderschau über die über 100-jährige Geschichte der Kolonie von der spätromantischen Malerei bis zum frühen Impressionismus viel Neues zu entdecken gibt.
Viel Applaus gab es außerdem von allen Seiten für die Kuratorin Dr. Ingrid Ehrhardt. Bürgermeister Klaus Temmen, der auch der Museumsgesellschaft Kornberg als Partnerin in der Stiftung für die hervorragende Zusammenarbeit dankte, lobte ihre „hervorragende Arbeit“, die sie in ihrer wissenschaftlichen Begleitung und der Vorbereitung der zahlreichen Ausstellungen seit vielen Jahren leistet. „Was für mich nach all den Dankesworten bleibt, sind die Bilder“, befand die Kuratorin, und schon begab sie sich mit ihrem interessiert lauschendem Publikum zurück in die 40er-Jahre des 19. Jahrhunderts, in denen es den Künstlern der Kronberger Malerkolonie um den Blick auf die unverfälschte Natur ging, „die Einheit zwischen Mensch und Natur und zwar diesmal auch zu Wasser nicht nur zu Land“. Dazu gesellen sich Porträts und Genreszenen des bäuerlichen Lebens, erklärte sie und wies in diesem Zusammenhang auf das strickende Bauernmädchen im ersten Raum des Museums hin, das dank der Taunus Sparkasse, die das Gemälde von Philipp Rumpf zusammen mit dem benachbarten Aquarell von Jakob Becker dauerhaft der Stiftung Kronberger Malerkolonie zur Verfügung gestellt hat, dort zu sehen ist. Rumpf (1821-1896) hatte sich seinerzeit hauptsächlich mit dem Bild der Frau beschäftigt, seltener malte er Kinder, nur vereinzelt Männer. Die Erklärung für seine Bildwahl machte er selbst: „Ich bin der Maler meiner Familie, im eigenen Hause habe ich alle Motive für meine Bilder gefunden. Früher malte ich meine Frau in ihren Beziehungen zu den kleinen Kindern, jetzt sind die Buben und Mädchen groß geworden und ich male sie in dem harmlosen Leben und Weben, das ihren Jahren eigen ist.“
„Bei dem Bauernmädchen handelt es sich allerdings noch nicht um eines seiner insgesamt zehn Kinder, die er späterhin gemeinsam mit seiner Ehefrau, Christine Melzer aus Fulda haben sollte“, verriet die Kuratorin. Dieses Gemälde folge noch den klassizistischen Prinzipien, das bedeute, Farb- und Lichtgebung folgten nicht der Natur, sondern den Ansprüchen einer harmonischen Bildvorgabe. Das bäuerliche Leben sei zudem noch idealisiert dargestellt. Passend zum Muttertag und Rumpfs Ansichten von Familie, geprägt von Intimität, Liebe und Wärme, wie Ehrhardt beschrieb, „als Gegenpol zu dem Außen, das der männlichen Domäne vorbehalten bleibt“, gab sie Einblicke in die Aufgaben der Frau im 19. Jahrhundert, in dem sie aus einem Lehrbuch von 1853 zitierte, in dem es heißt: „Die Frau ist das milde Gestirn am häuslichen Himmel, von dem aus sich Wärme und Anmuth in alle Radien verbreiten ....Sie ist die Ordnerin des Hauses und schmückt und ziert es unablässig mit ihrem Sinn.“
Auch auf die über der Näharbeit eingeschlafene Hausfrau des Frankfurter Künstlers Johann Jakob Hoff räumlich in Nachbarschaft zum Bauernmädchen wies sie hin. Zwar erinnere hier das Thema an vergleichbare Darstellungen der niederländischen Malerei des 17. Jahrhunderts, doch fehle jegliche moralische Anklage etwa der faulen Magd, die sich ihrer hausfraulichen Aufgabe entzieht, aber auch der Ausdruck weiblicher Sinnlichkeit trete „hinter der Wirkung einer friedlichen Momentaufnahme in idyllischer Umgebung zurück“.
Italien-Sehnsucht
Ein neuer Aspekt in der Ausstellung, ebenfalls dank der Zustiftungen, stelle die Italien-Sehnsucht dar, verriet Ehrhardt. Zu sehen ist die seitens Restauratorin Moya Schönberg frisch restaurierte Landschaft von Eduard Wilhelm Pose. Pose gehört zu den bedeutendsten Landschaftsmalern der Düsseldorfer Schule. Weiter vertreten ist Italien mit einer „Uferlandlandschaft am Lago Maggiore“ der Kronpinzessin Victoria, die am Westufer des Sees eine Villa gemietet hatte und die, wenn sie dort weilte, neben Empfängen und Spaziergängen am liebsten malte. Es ist eine Ölskizze, die nicht signiert ist, vermutlich weil die Kronprinzessin sie als unvollendet betrachtete, interpretiert die Kuratorin. Die stimmungsvolle Wirkung der Komposition stehe einer heroischen Naturwiedergabe jedenfalls völlig entgegen. Dieses Werk stehe stellvertretend für die Italien-Sehnsucht der Künstler des 19. Jahrhunderts in denen sich „realistische Naturbeobachtung klassischer Motive mit dem Zauber des im Süden vorherrschenden Lichts“ verbänden. Den Künstlern der ersten Generation der Malerkolonie, Burger, Rumpf, Dielmann und auch Becker sei eines gemein: Sie alle schufen „Sehnsuchtsbilder von der unverfälschten Natur und der Idylle in der bäuerlichen Familie, in einem Alltag, der jeglichen Schmutz und Schmerz negiert“. Zu jedem der beinahe 50 Bilder könnte eine Geschichte erzählt werden, bemerkte die Kuratorin, doch sie wollte ihren Gästen an diesem schönen Maitag genügend Zeit lassen, sich selbst ein Bild von den Werken zu machen und fasste sich kürzer als gewöhnlich. Zuvor aber verwies sie die unter anderem auch auf die „einmalig atmosphärische und weitläufige Ansicht von Kronberg“, die Burger im „Blick über die Kronthaler Wiesen auf Kronberg und den Taunus mit dem Altkönig“ von 1846 aus dem Städelmuseum eingefangen hat und schließlich auf die ebenfalls neu gezeigten Werke der Burger-Schüler Philipp Franck, Nelson Gray Kinsley, Lorenz Maas und Fritz Wucherer. Wucherers Werke seien ungewöhnlichen Ansichten seiner Reisen nach Belgien, von Gent bis Ostende. Seine blühende Frühlingslandschaft als auch eine Ansicht von Königstein verdeutlichten einmal mehr sein Ansinnen nach „größtmöglicher Naturwahrheit“.
Wahre Worte sprach der Stiftungsvorsitzende Artmann, der in seinem Grußwort darauf hinwies, was der Museumsgesellschaft und ihrer Stiftung Kronberger Malerkolonie zur Vollendung fehlt: „Wir brauchen dringend neue Mitglieder!“. Verein und Stiftung seien gut aufgestellt, was die inhaltliche Arbeit betreffe und dank der Entscheidung, in die Villa Winter mit dem Museum umzuziehen, dies auch für die Zukunft. Doch die beste Hardware bringe nichts, wenn es an Software mangele. „Wir brauchen Ihre Mitarbeit“, so Artmann, der eindringlich an die Anwesenden appellierte, die Idee der Museumsgesellschaft nach außen zu tragen. Zuvor hatte Bürgermeister Temmen schon darauf hingewiesen, dass sich zu den Kulturplänen, der langfristigen Sicherung des Museums Kronberger Malerkolonie, nichts geändert habe. „Sobald die Villa Winter nicht mehr als Notunterkunft benötigt wird, kann mit dem Umbau zum Kulturhaus begonnen werden“, betonte er. „Das Museum Kronberger Malerkolonie ist und bleibt eine feste Institution in Kronberg. Seine langfristige Sicherung ist unser aller Ziel und ich bin sicher, dass wir dabei erfolgreich sein werden.“

