Der Baum des Jahres 2026: die Zitterpappel (Aspe, Espe)

An einem typisch lichten Randstandort entwickelt die Zitterpappel im Herbst eine leuchtende Färbung.Foto: Schutzgemeinschaft Deutscher Wald / Gregor Aas

Kronberg (kb) – Die Aspe hat ein riesiges Verbreitungsgebiet von Europa über den Ural hinaus bis China und das nördliche Japan, im Norden bis an die Waldgrenze, im Süden und Osten bis an die Steppen und Wüsten östlich des Kaspischen Meeres, und in das Himalajagebirge. In Gebirgen erreicht sie Höhen bis 2.000 Meter.

Die Zitterpappel verdankt ihren Namen der Besonderheit, dass der bis zwölf Zentimeter lange Stiel des Blattes seitlich zusammengedrückt ist, die Blätter deshalb schon auf schwachen Wind mit dem typischen Zittern reagieren und dabei ein hörbares Rascheln erzeugen – „zittern wie Espenlaub“. Die Blätter sind rundlich bis herzförmig, fünf bis sieben Zentimeter lang und breit. Im Herbst leuchten sie goldgelb und bilden mit der silbrig glänzenden Rinde einen schönen Kontrast.

Die Aspe ist „zweihäusig, getrenntgeschlechtlich“, das heißt, es gibt männliche und weibliche Bäume, deren unterirdische Wurzeln ebenfalls einen männlichen oder weiblichen Klon bilden.

Im Frühling erscheinen die Knospen der Blüten vor dem Austrieb der Blätter. Die männlichen Bäume tragen bis zwölf Zentimeter lange, hängende Kätzchen, die weiblichen Bäume dagegen unauffällig grünliche, kleinere Kätzchen. Nach der Befruchtung durch den Wind bilden sich Kapselfrüchte. Diese entlassen nach der Reife im Mai Einzelsamen mit weißer Behaarung, die vom Wind weit transportiert werden.

Die Strategie der Vermehrung durch den Wind sowie die Fähigkeit, aus dem unterirdischen Klon eines Baumes Schösslinge zu bilden, erklären das sehr große Verbreitungsgebiet. Ein einzelner Baum erreicht 100 oder 200 Jahre, der Klon in der Erde kann mehr als tausend Jahre leben. Dazu ist der „Pando“ im US-Staat Utah ein lebendes Beispiel.

Das helle, leichte Holz eignet sich gut für die Zellstoff- und Papierindustrie, für die Produktion von Streichhölzern, Spankörben und Blindholz in Sperrholzplatten. Wegen der Empfindlichkeit gegen Witterungseinflüsse ist das Holz eher für den Innenausbau und für Möbel geeignet.

Die Zitterpappel gilt als Pionierbaumart, die auf sandigen, lehmigen und feuchten Böden wächst. Sie hält sogar längere Trockenperioden und in Städten salzige Standorte aus.

In Waldgebieten besiedelt sie Kahlflächen nach Sturm, Feuer, Insektenschäden rasch und mit hohem jährlichem Zuwachs. Licht braucht sie dazu, kann aber auch geringe Beschattung ertragen. Man findet sie auch als Alleebaum, in Städten und in Parks.

Zu ersten Begrünung der Böschungen in Braunkohleabbau-Gebieten ist sie gut geeignet.

In China gibt es seit 1978 ein Projekt „Grüne Mauer“, das noch bis 2050 fortgesetzt werden soll. Die Desertifikation – die Wüstenbildung durch menschliche Einflüsse –, Übernutzung natürlicher Wälder, Beweidung, landwirtschaftliche Nutzung, auch Schadstoffe aus der Industrieentwicklung – haben zu einem Schwund der natürlichen Wälder seit 1949 mit 2.500 Quadratkilometer pro Jahr geführt.

Im zwischen EU und China vereinbarten Projekt „Grüne Mauer“ sollen durch die Wiederaufforstung bis 2050 noch weitere Flächen von der Größe Deutschlands an neuem Wald gepflanzt werden. Damit sollen die verheerenden Sandstürme aus der Wüste Gobi aus der Mongolei und Nordchina aufgehalten werden, weil sie Siedlungen mit Landwirtschaftsflächen gefährden, und selbst in den Großstädten an der Küste wie in Peking und darüber hinaus in Korea und Japan die Luftqualität stark beeinträchtigen.

Die Zitterpappel und andere dort heimische Pappelarten sind für den schnellen Fortschritt der Aufforstungen zur Grünen Mauer gut geeignet; auch hessische Forstleute waren seit Jahren maßgeblich am Projekt beteiligt.



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