Kronberg (pf) – Nicht die Zahl der ausgestellten Fotos, sondern die Geschichten dahinter waren es, die am Freitagnachmittag bei der Ausstellungseröffnung das zahlreich erschienene Publikum im oberen Foyer des Altkönig-Stifts faszinierten. „Kronberg Alt / Neu“ war Titel der Ausstellung, in der der Kamera Klub Kronberg sieben alte und neue Fotos bekannter Kronberger Gebäude einander gegenüberstellt. Die historischen Aufnahmen sind Abzüge von noch auf Glasplatten überlieferten Negativen, die dem Klub vor vielen Jahren geschenkt wurden. Die neuen Fotos haben Mitglieder des Kamera Klubs Kronberg erst in jüngster Vergangenheit gemacht, zur gleichen Jahreszeit vom gleichen Standpunkt aus.
Hans Robert Philippi, zwar kein gebürtiger Kronberger, aber ein ausgewiesener Kenner der Kronberger Geschichte, ein Vierteljahrhundert aktiv in der Kommunalpolitik, mit der Ehrenplakette der Stadt Kronberg und dem Ehrentitel Stadtältester ausgezeichnet und in zahlreichen Kronberger Vereinen engagiert, überraschte beispielsweise mit der Tatsache, dass das älteste Kronberger Gasthaus „Zum Löwen“ in der Eichenstraße, ein Mitte des 15. Jahrhunderts erbautes Gebäude, nichts mit dem Löwen, dem Symboltier des Evangelisten Markus, zu tun hat. Der Name stammt vielmehr von einem Adeligen Löw zu Steinfurth, der eine der Töchter der Herren von Kronberg heiratete, für sie tätig war und in dem Haus seinen Amtssitz hatte. Erst später wurde es zum ersten urkundlich erwähnten Kronberger Gasthaus, das stattliche 260 Jahre lang Gäste bewirtete und beherbergt.
Das Fachwerkhaus in der Pferdstraße, das als einziges Bild im Hochformat in der Mitte der Ausstellung hängt, kam erst nach dem Brand von Kronberg in die Burgstadt, erzählte Philippi. Der Besitzer des bei diesem verheerenden Feuer zerstörten Hauses in der Altstadt war reich und erstand es in einem Ort im Rheingau, ließ es dort fachgerecht niederlegen und in Kronberg wieder aufbauen.
Dass die Stadthalle, zweites Bild von rechts, früher der Speisesaal der Lungenheilstätte des Arztes Dr. Dettweiler in Falkenstein war, dort ebenfalls beim Abriss der Klinik fachgerecht abgebrochen und in Kronberg als Turnhalle der benachbarten Schule wieder aufgebaut wurde, wissen inzwischen schon viele Menschen in der Stadt. Warum es aber einen Turm auf dem Gebäude gibt, den sogenannten Juliusturm, konnte erst Philippi erklären: Julius Neubronner, berühmter Kronberger Apotheker, seinerzeit Besitzer der Streitkirche und Fotopionier, war damals Stadtverordneter und setzte sich mit seiner Forderung, das Gebäude müsse unbedingt einen Turm haben, gegen viele Andersmeinende durch.
Das Kronberger Rathaus, als erstes Foto ganz links in der Ausstellung zu sehen, Sommersitz der reichen Frankfurter Bankiersfamilie Bonn und daher bis heute als Villa Bonn bekannt, erstand die Stadt Kronberg 1922 für 750.000 Mark. „Ein gutes Geschäft für die Stadt“, berichtete Philippi, denn ein Jahr später begann die Hyperinflation, in der das Geld in Deutschland rasend schnell an Wert verlor. Schon im November 1923 lag der Gegenwert für einen US-Dollar bei 4,2 Billionen Mark und ein Glas Apfelwein kostete Ende des Jahres bereits schwindelerregende 100 Milliarden Reichsmark.
Die Ausstellung in der Galerie im oberen Foyer, übrigens die erste des Kamera Klubs Kronberg im Altkönig-Stift, ist noch bis Sonntag, 31. August, täglich zu sehen.
Stadtältester Hans Robert Philippi erzählte kenntnisreich die Geschichten der Gebäude auf den Fotos. Fotos: Wilfried Schumacher
