Kronberg (kb) – Was als Kammermusikabend im Carl-Bechstein-Saal geplant war, musste kurzfristig in den Großen Saal des Casals Forums verlegt werden. Der Grund war ebenso schlicht wie erfreulich: Das Konzert „Martin Helmchen & Friends I“ war ausverkauft, die Nachfrage deutlich größer als erwartet. Am Freitagabend füllte sich der Große Saal bis auf den letzten Platz. Das war ein unmissverständliches Zeichen dafür, welchen Stellenwert diese dreitägige Konzertreihe inzwischen weit über die Region hinaus besitzt. Besucherinnen und Besucher waren nicht nur aus der näheren Umgebung angereist, sondern auch von weiter her, um an allen drei Abenden des Wochenendes dabei zu sein.
Das Programm des Abends verband zwei zentrale Werke der Kammermusik: Wolfgang Amadeus Mozarts Streichquintett Nr. 3 C-Dur KV 515 und Antonín Dvoráks Klavierquartett Nr. 2 Es-Dur op. 87. Beide Werke eint nicht nur ihre formale Größe, sondern auch ihr Anspruch an ein gleichberechtigtes, sensibles Zusammenspiel.
Mozarts Quintett, entstanden 1787, zählt zu den umfangreichsten Kammermusikwerken des Komponisten. In der Besetzung mit zwei Bratschen entfaltet sich ein Klangbild von besonderer Dichte und feinem Glanz. Antje Weithaas und Elli Choi an den Violinen, Samuel Rosenthal und Brian Isaacs an den Bratschen sowie Marie-Elisabeth Hecker am Violoncello ließen diese Musik mit großer Klarheit und innerer Spannung entstehen. Nichts wirkte beiläufig, jede Stimme blieb präsent, ohne sich in den Vordergrund zu drängen. Die Balance zwischen Festlichkeit und Zurückhaltung, die diesem Werk eigen ist, wurde überzeugend ausgelotet.
Nach der Pause folgte Dvoráks Klavierquartett op. 87. Es ist ein Werk von reicher Farbigkeit und struktureller Raffinesse. Hier trat Martin Helmchen hinzu, der gemeinsam mit Antje Weithaas, Brian Isaacs und Oliver Herbert ein Ensemble bildete, das sichtbar und hörbar aufeinander eingespielt ist. Helmchen und Weithaas musizieren seit vielen Jahren regelmäßig zusammen; ihre musikalische Vertrautheit prägte auch diesen Abend. Die Übergänge wirkten selbstverständlich, das Zusammenspiel aufmerksam und flexibel.
Eine besondere Konstellation ergab sich durch die Mitwirkung von Marie-Elisabeth Hecker, die nicht nur als Cellistin von internationalem Rang präsent ist, sondern auch die Ehefrau von Martin Helmchen. Gemeinsam veranstalten sie im Berliner Umland eigene Festivals und prägen dort seit Jahren eine lebendige Kammermusikszene. Diese Erfahrung war spürbar: Das Musizieren blieb konzentriert, zugleich aber offen und dialogisch.
Dvoráks Quartett lebt vom Wechsel zwischen kantiger Energie und weit gespannten lyrischen Linien. Das Ensemble fand hierfür eine überzeugende Balance. Das Finale entwickelte Schwung, ohne die formale Klarheit zu verlieren; die folkloristischen Anklänge blieben stilvoll eingebettet.
Am Ende dieses Abends stand der Eindruck eines Konzerts auf höchstem Niveau, technisch souverän, musikalisch durchdacht und getragen von echter gemeinsamer Erfahrung. Dass dafür der größere Saal nötig wurde, war mehr als eine logistische Fußnote. Es zeigte, dass diese Konzertreihe ein Publikum erreicht, das bereit ist, auch weite Wege auf sich zu nehmen, um Kammermusik in dieser Qualität zu hören.



