Buchtipp
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Roman von Sylvain Prudhomme; Unionsverlag 2025; 22 Euro.
Ein Geheimnis verwandelt sich in eine Spurensuche durch drei Generationen: Als Simon auf der Beerdigung seines Großvaters von einem verschollenen Onkel erfährt – dem geheimnisvollen M., Sohn einer deutsch-französischen Kriegsliebe, beginnt eine Reise zwischen Vergangenheit und Gegenwart. Während seine eigene Ehe zerbricht, folgt er den verwischten Spuren vom südfranzösischen Heimatort bis zum nebelverhangenen Bodensee.
Prudhomme erzählt von den unsichtbaren Fäden, die Familien zusammenhalten und zerreißen lassen. Mit der Präzision eines Archäologen gräbt er nach verschütteten Wahrheiten und stellt dabei die eine entscheidende Frage: Kann Liebe Kriege, Trennungen und Jahrzehnte des Schweigens überdauern? Einfühlsam verwebt der französische Autor Simons private Krise mit der Familiengeschichte dreier Generationen. Dabei entstehen berührende Portraits von Menschen, die zwischen Pflicht und Sehnsucht, zwischen gesellschaftlichen Zwängen und der Suche nach authentischem Leben navigieren. Ein Roman über den Mut zur Wahrheit und die Erkenntnis, dass Freiheit manchmal bedeutet, andere freizugeben – und dass manche Geschichten erst erzählt werden können, wenn ihre Protagonisten längst verstummt sind.
„Sylvain Prudhomme schreibt eine Prosa, in der man versinken möchte.“ (Le Monde)
